Gutachten: Arcandor-Pleite war nicht unvermeidbar

Gutachten: Arcandor-Pleite war nicht unvermeidbar

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Das 2009 eröffnete Insolvenzverfahren gegen Arcandor war offenbar nicht zwingend notwendig.

Arcandor stand bei seiner Insolvenz im Jahr 2009 offenbar nicht zwingend vor dem Exitus. Das legt ein Gutachten nahe.

Der Handelskonzern Arcandor war bei seiner Insolvenz im Jahr 2009 offenbar in besserer Verfassung als lange Zeit angenommen. Bisher unveröffentlichte Passagen aus einem Gutachten, aus dem die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert, lassen offenbar Zweifel an der Darstellung aufkommen, dass Arcandor nach mehrern Wechseln im Management unausweichlich vor dem Exitus stand.

Das Gutachten der der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PWC) wurde unmittelbar vor der Insolvenz im Auftrag der Bundesregierung erstellt. Der Bürgschaftsausschuss, der über einen von Middelhoff-Nachfolger Karl-Gerhard Eick eingereiten Antrag auf Staatshilfe entscheiden musste, wollte sich eingenaueres Bild vom Zustand Arcandors verschaffen. Auf Basis des PWC-Gutachtens lehnte die Regierung das Gesuch nach 650 Millionen Euro ab.

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Karstadts Krisen-Chronik

  • Keine Wende

    Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

  • 2009

    Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird am 1. September 2009 das Insolvenzverfahren eröffnet.

    Am 1. Dezember wird bekannt, dass zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden sollen. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

  • Erstes Halbjahr 2010

    Beim Essener Amtsgericht wird am 15. März ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu. Am 1. Juni haben von bundesweit 94 Kommunen bis auf drei bereits alle einem Verzicht auf die Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher. Nur sechs Tage später erhält die Berggruen Holding vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen. Am 14. Juni endet eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

  • Zweites Halbjahr 2010

    Am 26. August hat sich Berggruen mit der Essener Valovis-Bank geeinigt: Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es. Am 2. September stimmen die Highstreet-Gläubiger den geforderten Mietsenkungen zu.

    Am 30. September hebt das Essener Amtsgericht das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

    23. November: Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt. Er beginnt Anfang Januar 2011.

  • 2011

    Jennings legt am 6. Juli das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

  • 2012

    Am 16. Juli kündigt Karstadt die Streichung von 2000 Stellen an.

  • 2013

    Karstadt kündigt am 13. April 2013 eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Am 9. Juni bestätigt das Unternehmen, dass der Vertrag von Karstadt-Chef Jennings zum Jahresende ausläuft.

  • 2014

    Im Februar kommt Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt nach Essen und übernimmt den Geschäftsführerposten. Am 7. Juli legt Sjösted nach nur fünf Monaten alle Ämter nieder. Als Grund dafür nennt sie, dass die „Voraussetzungen“ für den von ihr angestrebten Weg nicht mehr gegeben seien.

  • Der Neue

    Der Österreicher René Benko kauft Karstadt im August für nur einen Euro. Der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen zieht sich komplett zurück. Die Sanierungsaufgaben bleiben gewaltig.

Das Papier enthält nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ auch viele erstaunlich positive Bewertungen über den Zustand und die Chancen von Arcandor. Demnach verfüge der Konzern über „ein nach wie vor intaktes Eigenkapital, was auch planerisch bis 2013/2014 gelten soll“, also für vier bis fünf Jahre.

Ein kreditgebendes Konsortium bewertete das der öffentlichen Meinung nach kurz vor der Insolvenz stehende Unternehmen mit einer Ein-Jahres-Ausfallwahrscheinlichkeit von 20 Prozent. Die Verlängerung ihres Arcandor-Engagements sei daher für die Banken „auch weiterhin kreditmateriell vertretbar“, so PWC. Es lägen „nach wie vor zufriedenstellende Sicherheitenpositionen vor“, so die Wirtschaftsprüfer.

Karstadt-Aufsichtsrat Peukes „Berggruen hat bis zu 50 Millionen Euro verdient“

Die Karstadt-Sanierung unter Berggruen ist gescheiter - der Investor Benko übernimmt. Nach Einschätzung von Aufsichtsrat Arno Peukes hat Berggruen kräftig an dem maroden Warenhauskonzern verdient.

Nicolas Berggruen Quelle: dpa

Auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPNG hatte die Arcandor-Bücher durchleuchtet. Die Experten attestierten dem Handelskonzern ein „tragfähiges Finanzierungskonzept, um den Konzern für weitere fünf Jahre fortzuführen“. Bei der Umsatzrendite von Arcandor sei „ein klar positiver Trend“ erkennbar.

Zudem berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf das Umfeld des neuen Eigentümers René Benko, dass bei der Sitzung des Karstadt-Aufsichtsrat am kommenden Donnerstag über die Schließung von „15 bis 20 Häusern“ verhandelt werden soll.

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