InterviewHaniel-Chef Gemkow: „Die Einschnitte sollten kein Dauerzustand sein“

08. April 2013
Stephan Gemkow, Vorstandsvorsitzender der Holding Franz Haniel - der Handelskonzern zahlt für das Geschäftsjahr 2012 keine Dividende an seine Anteilseigner. Quelle: dpaBild vergrößern
Stephan Gemkow, Vorstandsvorsitzender der Holding Franz Haniel - der Handelskonzern zahlt für das Geschäftsjahr 2012 keine Dividende an seine Anteilseigner. Quelle: dpa
von Henryk Hielscher

Der Ruhrgebietskonzern Haniel musste 2012 einen Rekordverlust verbuchen. Konzern-Chef Stephan Gemkow erklärt, wie er die Holding wieder auf Kurs bringen will  und was er vom Vorstand der Kernbeteiligung Metro erwartet.

WirtschaftsWoche: Herr Gemkow,  würden Sie derzeit als Privatmann bei Haniel investieren?

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Gemkow: Haniel ist seit 1756 im Besitz der Familie, externe Investoren sind nicht vorgesehen und das wird auch so bleiben. Aber als theoretische Option würde ich natürlich sofort Ja sagen.

Eine riskante Anlageentscheidung. Haniel weist einen Nachsteuerverlust von 1,9 Milliarden Euro aus. Sie haben bei der Präsentation der Bilanz heute selbst von einem „historischen Verlust“ gesprochen. 

Gemkow: Wir haben aber auch klargestellt, dass der Verlust ausschließlich aus den Aufräumarbeiten für die Altlasten der Vorjahre resultiert. Es geht um Einmaleffekte. Das operative Ergebnis, das unsere tatsächliche Leistungsfähigkeit widerspiegelt, ist dagegen von 400 auf 496 Millionen Euro gestiegen. Wir gehen davon aus, dass sich das operative Ergebnis weiter verbessern wird und wenn Sie den großen Brocken aus unserem Beteiligungsergebnis  einmal ausblenden, können Sie sehen, dass Haniel im Kern solide aufgestellt ist. 

Vor allem die Beteiligung am Handelskonzern Metro macht Haniel zu schaffen. Das Unternehmen schlug mit Wertberichtigungen von mehr 1,5 Milliarden Euro ins Kontor. Zudem hat der Metro-Vorstand die Dividende gekappt. Wie verärgert sind Sie über den Schritt?

Gemkow: Angesichts der Kursschwäche und der Dividendenpolitik wäre kein Aktionär der Metro begeistert und so sind auch wir als Großaktionär nicht von der Entwicklung begeistert. Der Vorstand hat uns seine Maßnahmen erläutert. Die Beweggründe, die dazu geführt haben, können wir nachvollziehen und wir müssen damit umgehen. Aber die Einschnitte sollten kein Dauerzustand sein. Wir denken, dass der Metro-Vorstand mit seinen Schritten im Unternehmen dafür sorgen wird, dass die alte Dividendenstärke wiederhergestellt wird.

Sie haben Ihren Anteilseignern, den Haniel-Gesellschaftern, sogar einen kompletten Dividendenverzicht empfohlen. 

Gemkow: Genau, aber wir sind uns sicher, dass der Dividendenverzicht bei Haniel ein einmaliges Ereignis ist. Und die gleiche Erwartung hegen wir für die Dividendenperspektive der Metro.

Was macht Sie so optimistisch, dass es bei Haniel wieder aufwärts geht? Haben Sie alle Altlasten in der aktuellen Bilanz abgearbeitet?

Gemkow: Natürlich haben wir versucht, eine solide und gesunde Basis für die Zukunft zu schaffen und alle Risiken abzubilden. Von daher gehen wir davon aus, dass die Talsohle auf Holdingebene tatsächlich durchschritten wurde. Was bei unseren Beteiligungen passiert, können wir nicht bis ins letzte Detail prognostizieren. Aber auch bei einigen unserer Kerninvestments deutet sich ein Ende der Restrukturierungsarbeiten an.  Deshalb sind wir sicher, dass  Einschläge in einem solchen Ausmaß wie im Geschäftsjahr 2012 nicht mehr vorkommen werden.

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Der Schuldenabbau genießt bei Haniel oberste Priorität. Langfristig wollen Sie aber auch das Portfolio neu ausbalancieren. Woran denken Sie dabei?

Gemkow: Wir schauen uns erfolgreiche Geschäftsmodelle an, die sich weiterentwickeln lassen. Wenn sich beispielsweise regionale Ansätze mit einer neuen Kapitalbasis  ausweiten und internationalisieren lassen, ist das spannend für uns. Grundsätzlich wollen wir Haniel stärker diversifizieren. Das heißt, wir gehen ein Stückweit weg von Beteiligungen im Handel, hin in Richtung Dienstleistungen.

Die Bedeutung unserer Präsenz in Deutschland wird sukzessive abnehmen, dafür wollen wir in den Wachstumsmärkten aktiver sein und uns bei zukünftigen Übernahmen und Beteiligungen auf Unternehmen konzentrieren, die nicht an der Börse gelistet sind.  Zudem suchen wir nach Unternehmen, die nicht von regulatorischen Eingriffen bedroht sind, wie wir es gerade beim Pharmahändler Celesio in Großbritannien erleben.

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