Hapag-Lloyd & Hamburg Süd: Es gibt gute Argumente für eine Fusion

KommentarHapag-Lloyd & Hamburg Süd: Es gibt gute Argumente für eine Fusion

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Das Eis gebrochen: Hapag-Lloyd und die Reederei Hamburg-Süd führen Fusionsgespräche.

von Christian Schlesiger

Lange wehrte sich der Besitzer der Reederei Hamburg Süd gegen einen Zusammenschluss mit der Hapag-Lloyd. Dabei liegen die Vorteile auf der Hand: Es entstünde die viertgrößte Containerschiff-Reederei der Welt.

Nun also doch. Seit vielen Jahren schon gibt es Spekulationen über eine Fusion der zwei führenden deutschen Container-Reedereien. Bislang scheiterten die Gespräche meist am Oetker-Konzern aus Bielefeld, der im Besitz von Hamburg Süd ist, und offenbar eine Verwässerung seiner Anteile befürchtet. Die erneut aufkeimenden Gespräche zeigen die Notwendigkeit einer Fusion. Es gibt schlagkräftige Argumente für ein Zusammenschluss.

1. Vorteil: Aufstieg zur Nummer vier

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Durch eine Fusion entstünde die viertgrößte Containerschiff-Reederei der Welt. Hapag-Lloyd ist derzeit mit etwa 150 Schiffen die Nummer sechs im Markt. Die Reederei kann so rund 675.000 sogenannte 20-Fuß-Standardcontainer (TEU) transportieren. Hamburg Süd liegt derzeit mit 107 Containerschiffen und einer Kapazität von 430.000 TEU auf Rang zwölf.

Zwei Traditionsreedereien in Hamburg: Zahlen & e Fakten

  • Hapag Lloyd

    Die Hapag-Lloyd AG entstand 1970 aus der Fusion der Hapag in Hamburg und des Norddeutschen Lloyd in Bremen. Die Wurzeln der beiden Vorläuferunternehmen reichen zurück bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Hapag-Lloyd steht in der Rangliste der weltgrößten Container-Linienreedereien auf Platz fünf bis sechs. Das Unternehmen steuert 146 Schiffe und transportierte damit 5,2 Millionen Standardcontainer (TEU). Der Umsatz betrug 6,1 Milliarden Euro. Hapag-Lloyd steuert relativ ausgewogen alle großen Fahrtgebiete an, ist also keineswegs auf die Fernost-Fahrt fokussiert. Bei dem Unternehmen arbeiten 7000 Beschäftigte.

  • Hamburg Süd

    Die Hamburg Süd wurde 1871 gegründet und weist bis heute einen Schwerpunkt in der Südamerika-Fahrt auf. Das Unternehmen des Oetker-Konzerns operiert eine Flotte von 160 Frachtern, davon 107 in der Container-Linienschifffahrt. Die Hamburg Süd transportierte im vergangenen Jahr 3,1 Millionen TEU und erreichte damit einen Umsatz von 4,2 Milliarden Euro. Die Gruppe beschäftigt fast 4500 Mitarbeiter. In der Rangliste der größten Schifffahrtsunternehmen belegt die Hamburg Süd Rang zwölf. Im Gegensatz zu Hapag-Lloyd betreibt die Hamburg Süd neben dem Container-Geschäft noch weitere Aktivitäten in der Massengut- und Produktenschifffahrt.

Zusammen würden sie also mehr als einer Million TEU transportieren können - nur Maersk aus Dänemark, MSC aus der Schweiz und CMA CMG aus Frankreich sind größer.

2. Vorteil: Geschäftsmodelle ergänzen sich

Beide Unternehmen kommen sich mit ihren Geschäftsmodellen nicht in die Quere, sondern ergänzen sich gut. So hat Hapag-Lloyd seinen Schwerpunkt auf der stark umkämpften Route von Europa nach Asien. Hamburg Süd hingegen ist vor allem auf Fahrten nach Südamerika stark. Insofern würden sich die beiden Reedereien in ihrer Netzplanung gegenseitig stärken. Sie könnten Großkunden etwa lukrative Angebote machen. Gleichzeitig scheinen Synergien in der Verwaltung und Technik denkbar. Beide Unternehmen ähnlich sich zudem in ihrer Unternehmenskultur, denn sie gelten als Qualitätscarrier mit guter IT. Damit haben sie sich mit einigem Erfolg dem Preiskampf entziehen können. Beide Reedereien schrieben in den vergangenen Jahren operativ vergleichsweise gute Zahlen, während Wettbewerber tief-rote Zahlen ertragen mussten.

3. Vorteil: Flexibilität bleibt erhalten

Lange Zeit kritisierten Beobachter die falsche Flottenpolitik der deutschen Reedereien. In der Liga der megagroßen Schiffe mit Kapazitäten von rund 10.000 TEU und mehr spielten sie keine Rolle. Hapag-Lloyd besaß allenfalls Schiffe mit 8000 TEU. Doch das hat sich inzwischen geändert. Hapag-Lloyd hat zehn neue Schiffe bestellt, die rund 13.000 Standardcontainer transportieren können – zwei davon sind inzwischen in Dienst gestellt. Auch Hamburg Süd rüstet auf: Bis 2014 verstärken sechs Containerschiffe mit rund 10.000 TEU die Flotte. Beide Unternehmen verfügen damit bald über Schiffe mit hohem Fassungsvermögen, die operativ die Kosten niedrig halten – ohne die Flexibilität aufs Spiel zu setzen. Nach der Erweiterung des Panama-Kanals etwa können Schiffe bis 13.000 TEU die Passage problemlos passieren. Einige Schiffe von Maersk und MSC, die bis zu 18.000 Container transportieren können, sind zu groß. In puncto Wassertiefe, Kranreichweite und Wendebecken bleiben die Unternehmen damit flexibel.

4. Starke Gesellschafter im Rücken

Beide Unternehmen haben starke Gesellschafter im Rücken. Logistikmilliardär Klaus-Michael Kühne, der neben der Stadt Hamburg Hauptaktionär bei Hapag-Lloyd ist, sagte der WirtschaftsWoche im Sommer: „Ich möchte dauerhaft beteiligt bleiben“. Er gilt auch als maßgeblicher Treiber der Reederei-Fusion. Der Oetker-Konzern, dem die Reederei Hamburg-Süd gehört, hatte zwar lange Zeit eine Fusion mit Hapag-Lloyd abgelehnt, scheint aber möglicherweise von den Vorteilen überzeugt. Die gemeinsame Stärke eines fusionierten Unternehmens wäre eben auch, dass mit Kühne und Oetker zwei strategisch und langfristig denkende Unternehmer investiert sind. Sie könnten das Unternehmen dauerhaft durch die weiter schwelende Krise mit niedrigen Frachtraten und Überkapazitäten im Markt führen.

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