Hartes Brot: Tausende Bäckereien stehen vor dem Aus

Hartes Brot: Tausende Bäckereien stehen vor dem Aus

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Es gibt immer weniger traditionelle Bäckereien.

von Henryk Hielscher und Nele Hansen

In der Brötchenbranche bahnt sich eine Übernahme- und Pleitewelle an. Die Zahl der Bäckereien wird in den kommenden Jahren radikal sinken. Für viele regionale Filialketten wird es eng.

Die große Show vom kerngesunden deutschen Backhandwerk startet im Herbst. Dann will Promi-Koch Johann Lafer im ZDF den besten Bäcker des Landes küren. Aufgerufen seien „Bäcker mit ,Laib‘ und Seele, die ihre Handwerkskunst mit Leidenschaft pflegen“, vermeldet der Fernsehsender. Sie sollen vor einer Jury gegeneinander anbacken. Kurz: Deutschland sucht den Super-Bäcker.

Allein, die Realität hat mit der Fernsehfolklore wenig zu tun. Von alter Backkunst im kleinen Familienbetrieb sind große Teile der Zunft mittlerweile ähnlich weit entfernt wie Buttercroissants von diätischen Nährmitteln. Stattdessen dominieren Backketten und Discounter das Geschäft, pflügen Finanzinvestoren und Handelskonzerne die Branche um.

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Erst vergangene Woche verkündete die Deutsche Beteiligungs AG aus München den Einstieg bei der brandenburgischen Bäckereikette Dahlback. Unter den Namen „Lila Bäcker“ und „Unser Heimatbäcker“ betreibt Dahlback 357 Filialen in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Der Deal könnte der Auftakt für weit größere Marktverschiebungen sein. Bis 2020 werde die Zahl der Backbetriebe von heute 14 000 auf rund 8000 sinken, erwartet der Verband Deutscher Großbäckereien. Wer sich jetzt Marktanteile sichert, so das mögliche Kalkül der Dahlback-Investoren, kann Größenvorteile ausspielen und den Verdrängungswettlauf überleben. Für viele regionale Bäckereiketten aber könnte das heißen: Ofen aus.

Aussterbendes Handwerk Der langsame Tod der Bäckerei

Supermärkte und Discounter verkaufen immer mehr Brot und Brötchen zum Billigpreis. Deshalb gehen in vielen Backbetrieben die Lichter aus. 6000 Bäckereien sollen in den nächsten Jahren schließen.

Brot wird immer seltener in der Bäckerei gekauft. Quelle: dpa

"Tiefe Strukturkrise"

Schon in den vergangenen Monaten erwischte es etliche lokale Größen: Kurz vor Ostern meldete die Dürener Bäckereigruppe Fuchs mit 27 Filialen Insolvenz an. Die Großbäckerei Wilhelm Middelberg aus dem niedersächsischen Bad Iburg musste jüngst 40 Filialen schließen, um den Untergang abzuwenden.

Zuvor hatte bereits die Siebrecht-Gruppe im nordrhein-westfälischen Brakel Insolvenz beantragt und konnte sich nur über Notverkäufe retten. Experten sehen bereits den Auftakt einer wahren Pleitewelle im Brötchen-Business: „Die deutschen Bäckereien stecken in einer tiefen Strukturkrise“, sagt der Berliner Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg, dessen Kanzlei bereits in zahlreiche Bäckereiverfahren involviert war. „Die Insolvenzzahlen steigen, und diese Entwicklung dürfte sich in den kommenden Jahren fortsetzen“, so Wienberg.

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