Hauptversammlung: Metro-Chef Koch buhlt um Vertrauen seiner Aktionäre

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Hauptversammlung: Metro-Chef Koch buhlt um Vertrauen seiner Aktionäre

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Bei der heutigen Hauptversammlung muss Olaf Koch seinen Aktionären erklären, warum die Geschäfte im vergangenen Jahr mau liefen und vor allem eine Perspektive skizzieren, wie es wieder aufwärts geht.

von Henryk Hielscher

Dax-Rauswurf, Kursverluste, Dividendenkürzung: Bei der Hauptversammlung des Handelskonzerns Metro muss Vorstandschef Olaf Koch vergrätzte Groß- und Kleinaktionären seine Strategie erklären, um den Konzern wieder auf Kurs zu bringen.

Mit seinen jüngsten Aktiendeals lag Olaf Koch richtig. Der Vorstandschef des Düsseldorfer Handelskonzerns kaufte Ende März und Anfang Mai jeweils 10.000 Aktien seines Konzerns zu Durchschnittskursen von 22,287 und 24,804 Euro. Aus den investierten rund 471.000 Euro wurden bis zum Handelsschluss gestern Abend zwar immerhin 498.000 Euro. Doch auf den großen Kurssprung warten Koch und mit ihm wohl alle anderen Metro-Anteilseigner, darunter Großaktionär Haniel, bisher vergebens.

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Entsprechend gereizt ist die Stimmung bei der heutigen Hauptversammlung des Konzerns in Düsseldorf. Koch muss seinen Aktionären erklären, warum die Geschäfte im vergangenen Jahr mau liefen und vor allem eine Perspektive skizzieren, wie es wieder aufwärts geht.

Denn der Konzern wurde in den vergangenen Monaten arg gebeutelt. Wegen des Kursverfalls der vergangenen Jahre flog die Stammaktie im Herbst aus der ersten Börsenliga Dax. Die Ratingagenturen stuften die Kreditwürdigkeit des Konzerns herab und Metro musste eine Gewinnwarnung herausgeben. Denn in fast allen Geschäftsbereichen gibt es Probleme.

Das Metro-Reich

  • Westeuropa (ohne Deutschland)

    In Westeuropa (ohne Deutschland) werden 31 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet.

    Umsatz: 20,86 Mrd. Euro

    Schuldenkrise trübt Einkaufslust, Rezessionsgefahr, verspäteter Einstieg in den Online-Handel rächt sich

  • Deutschland

    In Deutschland werden 59 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet.

    Umsatz: 25,87 Mrd. Euro

    Verkauf von Kaufhof und Real Deutschland bisher gescheitert, Überkapazitäten im Großhandel, harter Preiswettbewerb im Lebensmittelhandel

  • Osteuropa

    In Osteuropa werden 25 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet.

    Umsatz: 16,95 Mrd. Euro

    Starkes Wachstum in Russland und der Türkei, in Zukunft härterer Wettbewerb

  • Asien, Afrika

    In Asien und in Afrika werden 5 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet.

    Umsatz: 16,95 Mrd. Euro

    Zögerliche Expansion, geringe Marktdurchdringung

Die Kernsparte, die Großhandelsmärkte für Gewerbetreibende, wird seit Jahren in Deutschland umgebaut - bislang ohne durchschlagende Erfolge.  Media Markt und Saturn haben eine kostspielige Aufholjagd im Internetgeschäft gestartet, nachdem das Thema zu lange vernachlässigt worden war. Zudem schwelt ein hitziger Streit zwischen dem MediaSaturn-Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals und dem Metro-Management weiter. Unklar ist, welche Perspektiven es für die SB-Warenhaus-Sparte  Real gibt, nachdem das wachstumsstarke Auslandsgeschäft verkauft wurde.

Die Metro-Gruppe

  • Gesamtumsatz

    Gesamtumsatz: 66,7 Mrd. Euro

    Stand: 09.2013; Zahlen für 2012

  • Cash & Carry

    Umsatzanteil: 47 Prozent

  • Kaufhof

    Umsatzanteil: 5 Prozent

  • MediaSaturn

    Umsatzanteil: 31 Prozent

  • Real

    Umsatzanteil: 17 Prozent

Als einziger Lichtblick im Konzern gilt auf Ertragsseite ausgerechnet die Warenhaustochter Kaufhof, die wegen mangelnder Internationalisierbarkeit allerdings schon seit Jahren zum Verkauf steht. Optionen, das Kaufhof-Geschäft nicht stationär sondern via Online-Shops in andere Länder zu tragen, wurden bislang indes nicht weiterverfolgt.  Auch sonst ist von Aufbruchsstimmung im Konzern derzeit wenig zu spüren.  Zuletzt zog sich Metro mit verschiedenen Vertriebslinien aus Märkten zurück. Am Ende retteten wohl nur Immobilienverkäufe den Konzern vor einem Jahresverlust.

Koch zog daraufhin die Konsequenzen und setzte die Metro-Anteilseigner auf Dividendendiät: Die morgen fällige Ausschüttung soll erstmals gekürzt werden. Klar ist schon jetzt, dass Koch für seinen Kurs viel Kritik ernten wird. Ein Großteil der Probleme geht zwar auf das Konto seiner Vorgänger Eckhard Cordes und Hans-JoachimKörber. Doch auch Koch muss sich vorwerfen lassen, das Vertrauen des Kapitalmarkts nicht zurück erobert zu haben. "Das Vertrauen der Investoren ist weg", konstatiert ein wichtiger Fondsmanager.

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Die Profi-Anleger wurden von der Dividendenkürzung  und von Gewinnwarnungen ebenso überrascht wie alle anderen Investoren. Selbst Kapitalmarkttage für institutionelle Investoren sollen angekündigt, aber nicht abgehalten worden sein. Derlei handwerkliche Patzer sorgen für zusätzliche Unsicherheit, zumal der Erklärungsbedarf über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Konzerns künftig eher steigen wird. Koch will das Geschäftsjahr umstellen - darunter leidet erst einmal die Transparenz und Vergleichbarkeit der Zahlen. Schon argwöhnen Investoren, dass es sich um "ein Ablenkungsmanöver" handeln könnte. Neues Vertrauen in Koch dürften die Anleger indes erst gewinnen, wenn es zu erfolgreichen Verkäufen von Vertriebslinien kommt.

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