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Hochfrequenzhandel: Börsen geraten ins Visier der Ermittler

von Rolf Benders Quelle: Handelsblatt Online

US-Aufseher ermitteln gegen amerikanische Börsen. Sie sollen Hochfrequenzhändler gegenüber anderen Anlegern bevorzugen. Vor allem kleine Handelshäuser fühlen sich benachteiligt.

Händler im Handelsraum der Nyse. Quelle: Reuters
Händler im Handelsraum der Nyse. Quelle: Reuters

New York Die Diskussion um die Gefahren des Wertpapierhandels mit superschnellen Computern nimmt in den USA eine überraschende Wendung. Statt der Hedge-Fonds und der Broker mit ihren High-Tech-Systemen geraten nun die Börsen in den Fokus der Ermittler.

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Der Vorwurf: Eigentlich dazu verpflichtet, jeden Anleger gleich zu behandeln, sollen Börsen die Hochfrequenzhändler mit unfairen Vorteilen anlocken und so deren Geschwindigkeitsrausch noch verstärken. Man müsse die verzögerte Versorgung der Öffentlichkeit mit Daten und die zur Verfügung stehenden Ordertypen weiter sowie Hochfrequenzhandel insgesamt untersuchen, sagte die Chefin der US-Börsenaufsicht Mary Schapiro am Dienstag bei einer Anhörung zum Thema.

Vor allem kleinere Handelshäuser fühlen sich benachteiligt. "Seit die Börsen vor ein paar Jahren selbst an die Börse gingen und nun Gewinne machen müssen, bekommen die besonders lukrativen Kunden schnellere Daten und besondere Ordertypen", sagt Sal Arnuk, Gründer des Brokers Themis Trading, der zehn Leute beschäftigt. Und in der Tat haben die Börsen ökonomisch betrachtet allen Grund in Zeiten schrumpfender Margen die Hochfrequenzhändler als Kunden besonders zu umgarnen. Schließlich machen diese in vielen Fällen zwei Drittel der Handelsumsätze aus.

Doch langsam wird der SEC offenbar klar, dass die Börsen dabei die übrigen Investoren benachteiligen. So wurde die Nummer Eins der Branche, die New York Stock Exchange (Nyse), Mitte September in einer aufsehenerregenden Entscheidung mit einer Geldstrafe von fünf Millionen Dollar belegt: Die Nyse habe 2008 gegen die Regel verstoßen, allen Anlegern einen fairen Zugang zum Handel zu gewähren, indem sie bestimmten Kunden Daten schneller zur Verfügung gestellt habe als anderen, lautete die Begründung.


Mehr als 1000 verschiedene Ordertypen

Hinter vorgehaltener Hand heißt es in der Branche, die SEC ermittle weiter auch gegen andere Börsen. "Seit einigen Jahren bieten alle Börsen gegen Bezahlung besonders schnellen Zugang zum Handel und zu Daten an. Bislang galt dies als in Ordnung. Aber möglicherweise ändert sich dies gerade", erklärt Jim Angel, Professor an der angesehen Wharton School, die Entwicklung. Für besonderes Aufsehen sorgt der Vorwurf eines ehemaligen Hochfrequenzhändlers, die Börsen böten bestimmten Anlegern die Möglichkeit, anderen Investoren lukrative Aufträge wegzuschnappen.

"Einige Börsen bieten Computerhändlern Ordertypen an, mit denen sie sich vor Wertpapierorders drängeln können, die früher abgegeben wurden", so der ehemalige Hochfrequenzhändler Haim Bodek, der die Ermittlungen der SEC ins Rollen gebracht hat. Im Kern geht der Vorwurf so: Während die meisten Anleger nur einfache Kauf- und Verkaufaufträge bei einer Börse abgeben können, dürfen bestimmte Händler diese mit Bedingungen verknüpfen oder versteckte Aufträge platzieren.

Solche komplex strukturierten Aufträge nennt man im Branchenjargon "Ordertypen". Konkret wird der viertgrößten US-Aktienbörse Direct Edge vorgeworfen, der Ordertyp mit dem Namen "Hide not Slide" ermögliche es dem Nutzer sich etwa mit einer Kauforder erst im Computer der Börse zu verstecken, und dann im richtigen Augenblick automatisch den angebotenen Preis zu erhöhen und sich vor eine ältere Kauforder mit demselben Preis zu drängeln, um eine Aktie zu kaufen. Ein Sprecher von Direct Edge, an der die Deutsche Börse beteiligt ist, wollte sich dazu nicht äußern.

Ähnliche Fälle sind in Deutschland nicht bekannt geworden. In den USA aber gibt es nach Aussagen von Händlern an nahezu jeder Börse solche oder ähnliche Konstruktionen. Die Fondsgesellschaft T. Row Price schätzt, dass es mehr als 1000 Ordertypen gibt. "Computerhändler profitieren von Ordertypen, die nicht öffentlich bekannt sind. Hier ist Transparenz und genaueres Hinsehen der Aufseher nötig", sagt Bodek.

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