Hochwasser: Trockner unter Wasser

ThemaEinzelhandel

Hochwasser: Trockner unter Wasser

von Andreas Wildhagen

Die Flut war für viele Unternehmen ein Anlass für pfiffiges Marketing.

Die dramatischen Flut-Fernsehbilder der vergangenen Wochen haben für den Pharmahersteller Stada aus dem hessischen Bad Vilbel ein Nachspiel, das sich noch weit in den Sommer fortsetzen wird. Stada-Chef Hartmut Retzlaff reagierte angesichts der verzweifelten Gesichter der Überschwemmungsopfer blitzschnell. Das Unternehmen beschloss, den gefluteten Apotheken in den Hochwassergebieten unbürokratisch zu helfen. Der Pharmakonzern ersetzt kostenlos den durchnässten Pillenbestand, sofern er von Stada stammt. Die Aktion ist in den vergangenen Tagen angelaufen. „Betroffenen Apotheken in Deutschland haben wir Ersatz angeboten“, sagt eine Pharmamanagerin.

Hochwasser Wie die Flut Unternehmen lahmlegt

Bundesländer und Kommunen haben aus der Flut 2002 gelernt. Trotzdem mussten Betriebe in Sachsen und Bayern die Produktion stoppen - so auch Südzucker und Porsche.

Unterspülte Straßen, gerissene Lieferketten - mehrere Unternehmen mussten die Produktion ganz oder teilweise stoppen. Quelle: dpa

Die Arbeit geht in der jetzt angelaufenen Aufräum- und Aufbauphase erst richtig los. Zurzeit klappert der Stada-Außendienst die Hochwassergebiete ab, um die Schäden aufzunehmen. Das Ganze ist eine wohldurchdachte Aktion. Denn Stada schüttet nicht gedankenlos das Füllhorn aus, sondern knüpft an seine eigene Geschichte an: Im wassergeschädigten Dresden schlossen sich anno 1895 Apotheken zu einer Einkaufsgenossenschaft zusammen. Aus dem Bund erwuchs nach dem Zweiten Weltkrieg das weltweit agierende Unternehmen. „Die Flut brachte Stada wieder zurück zu seinen Wurzeln“, lächelt ein betroffener sächsischer Apotheker seine Sorgen um den Wiederaufbau seines Geschäfts weg.

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Was schlaues Marketing ist, zeigten vor allem die Baumärkte. Bei Max Bahr brach zwar an den wassergetränkten Elborten der Umsatz von Gartenmöbeln weg, wurde aber durch den florierenden Verkauf von Baumaterialien ersetzt. Viele Kunden pilgerten in den vergangenen Tagen in die Baumärkte, nicht nur von Max Bahr, sondern auch von Toom Baumarkt und Hellwig, weil sich die Discounter in der Radiowerbung gegenseitig mit Rabatten für Ausbesserungsmaterialien und Werkzeugen unterboten. Die Spots wechselten sich jeweils mit Hochwassersondermeldungen ab, sodass sich insgesamt die Stimmung zwischen Angst und Aufbruch einpendelte. Niemand musste bei den Do-it-yourself-Märkten seinen Hochwasserschaden nachweisen, sodass auch Hochhausbewohner der oberen Stockwerke dankbar die Rabatte für ihre Heimverschönerung nutzen konnten.

Flut in Deutschland Unternehmen leiden unter dem Hochwasser

Wie 2002 wälzt sich wieder einmal eine riesige Hochwasserwelle durch Deutschland. Diesmal ist man in Sachsen und Bayern zwar gut vorbereitet. Ob das aber reicht? Viele Unternehmen haben Probleme.

Im Hochwasserschutz ist aus Sicht der Umweltstiftung WWF in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland viel getan, aber noch zu wenig erreicht worden. „Unser Hochwasserrisiko wird insgesamt nicht kleiner, sondern es steigt noch“, sagte der WWF-Wasserbauexperte Georg Rast. Quelle: dpa

Auch Opel sah seine Stunde gekommen. In der Rüsselsheimer Opel-Zentrale wurde nicht nur für die geflutete Wiege der Automobilwirtschaft, das Land Sachsen, sondern für alle Opfer ein Programm ausgerufen, auf das der SPD-Kanzlerkandidat hätte neidisch werden können: „In diesen Tagen gilt es zusammenzurücken“, gab Opel-Chef Karl-Thomas Neumann eine Mut machende Parole aus. Der Autohersteller bietet an, dass sich jeder Flutgeschädigte bei einem Opel-Händler meldet, um für einen Zeitraum von bis zu drei Wochen kostenlos ein Auto anzumieten. Opel reicht dabei, um Missbrauch vorzubeugen, eine Bescheinigung von Technischem Hilfswerk, Polizei, Feuerwehr oder Gemeindeverwaltung, dass der Hilfesuchende wirklich geschädigt und kein Trittbrettfahrer ist. Eine eher kleine Aktion startet der MAN. 30.000 Euro spendet der Lkw-Bauer an die Aktion „Hilfe für Helfer“ und verweist mit unfreiwilliger Komik stolz darauf, dass selbst mehr als „30 Jahre alte MAN-Einsatzfahrzeuge“ bei den Ortsfeuerwehren in Hochwassergebieten immer noch funktionieren.

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Dass vielen Opfern bei der Behebung ihrer Wasserschäden plötzlich klar wird, dass sie nicht flüssig genug sind, nutzt die Sparda-Bank Berlin. Sie stellt kurzfristig zinsfreie Sofortkredite im Umfang von insgesamt 2,5 Millionen Euro zur Verfügung. Betroffene Kunden können Modernisierungsdarlehen in Höhe von bis zu 10.000 Euro und mit einer Laufzeit von fünf Jahren in Anspruch nehmen, verspricht das Kreditinstitut. Selbst Unternehmen, die nicht unmittelbar mit Hochwasserschäden in Verbindung gebracht werden, zeigen rabattrelevante Empathie. So bietet Bosch und Siemens Hausgeräte allen Geschädigten, denen Rührmixer, Waschmaschinen oder Geschirrspüler abgesoffen sind, Preisnachlässe von bis zu 25 Prozent. Die Bosch-Siemens-Manager zeigen auch intime Ortskenntnis im Umfeld ihrer Kunden. Die Geräte stünden erfahrungsgemäß „in den Kellern der überschwemmten Privathaushalte“, heißt es aus dem Unternehmen. So sind auch nasse und damit unbrauchbar gewordene Trockner in die Rabattaktion mit eingeschlossen.

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