Hudson’s Bay übernimmt Kaufhof: Was sich jetzt bei Kaufhof ändert

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Hudson’s Bay übernimmt Kaufhof: Was sich jetzt bei Kaufhof ändert

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Hudson's Bay übernimmt Kaufhof. Was nun auf die Filialen in Deutschland zukommt und was es für die Kunden bedeutet.

von Stephan Happel und Henryk Hielscher

Hudson's Bay und Metro feiern ihren Kaufhof-Coup. Doch mit der Übernahme der Warenhauskette halsen sich die Kanadier allerhand Probleme auf. Um die in den Griff bekommen, muss sich für Kaufhof-Kunden einiges ändern.

Die Kanadier halten Einzug bei Deutschlands erfolgreichster Warenhauskette Kaufhof. Liegen jetzt bald nur noch Pelzmützen, Holzfällerhemden und Ahornsirup in den Regalen? Natürlich nicht. Änderungen stehen nach der Übernahme durch die Hudson’s Bay Company (HBC) aus Toronto trotzdem bevor. Denn für den Kaufpreis von 2,825 Milliarden Euro werden die Kanadier einiges von ihrer Neuanschaffung erwarten. Die wichtigsten Antworten zum Kaufhof-Deal:

Was wurde alles verkauft?

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Für gut 2,8 Milliarden Euro übernimmt Hudson’s Bay 103 deutsche Filialen von Galeria Kaufhof von der Metro Group - davon 59 in attraktiver Innenstadtlage. Zusätzlich gibt es 16 Sportarena-Filialen und 16 Kaufhäuser des belgischen Tochterunternehmens Galeria Inno.

Was hat HBC mit Kaufhof vor?

Der neue Kaufhof-Eigentümer setzt auf Wachstum. „Bigger is better“, tönte Don Watros, Präsident von HBC International nach Bekanntgabe des Deals. Die Kanadier wollen die Umsätze der Warenhauskette deutlich pushen. Dazu sollen zunächst nicht neue Geschäfte eröffnet, sondern die bestehenden stärker ausgelastet werden, erklärte HBC-Chef Richard Baker. Dazu setzt „The Bay“ auf  Änderungen an den Filialen, beim Warenangebot und im Onlinehandel.

Das ist die Hudson's Bay Company

  • Die Geschichte

    Die Hudson´s Bay Company ist Kanadas größtes Kaufhaus und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Die Geschichte von HBC begann 1670, als Charles II von England der Company Eigentum über Land und Bodenschätze in Kanada übertrug. Der damals vollständige Name der Unternehmung: „The Governor and Company of Adventurers of England trading into Hudson´s Bay“.

    Rund 200 Jahre kontrollierte HBC vor allem den lukrativen Handel mit Pelzen, dann kaufte Kanada der Gesellschaft die Rechte wieder ab. HBC änderte daraufhin die Ausrichtung, stieg in den Großhandel ein und versorgte Siedler. Auch in der Schifffahrt und im Handel mit Öl und Gas war HBC tätig, bevor sich die Gesellschaft in den 1990er Jahren wieder auf den klassischen Einzelhandel konzentrierte.

    Die Hudson’s Bay Company fokussierte sich stets auf Aktivitäten in Kanada und Nordamerika - bis 1970 war ihr Sitz aber London.

  • Der Chef

    Die Historie der HBC ist derart eng mit der Kanadas verknüpft, dass seine Chefs bis heute Gouverneure heißen. Heute hat diesen Posten der US-Amerikaner Richard Baker inne, der das Unternehmen 2008 erwarb. Baker gilt als strategischer und ehrgeiziger Konzernlenker  

  • Die Expansion

    Schon vor der HBC-Übernahme hatte Baker 2006 amerikanisch Traditionskaufhauskette Lord & Taylor für knapp eine Milliarde Euro gekauft und das Geschäft durch Beleihung der Immobilien finanziert. Auch den vollständigen Kauf der Hudson’s Bay Company im Jahr 2008  finanzierte Baker hauptsächlich durch Schulden. Für rund 2,2 Milliarden Euro kaufte HBC 2013 schließlich die amerikanische Nobelkette  Saks Fifth Avenue  und deren Ableger OFF 5th. Erneut die entscheidende Geldquelle: beliehene Immobilien. 2015 machte der Konzern klar, in Zukunft auch außerhalb des nordamerikanischen Marktes wachsen zu wollen - durch Zukäufe wie Kaufhof. Neuestes Projekt ist die Einführung der Discount-Luxuskette Saks Off 5th in Deutschland.

  • Die Unternehmen

    Neben der namensgebenden Hudson’s Bay Company gehören zum HBC-Imperium eine ganze Reihe von Handelsunternehmen in Nordamerika. In Kanada ist es die Einrichtungshauskette Home Outfitters. In den USA hat HBC das Luxuskaufhaus Lord & Taylor, die Edelkaufhauskette Saks Fifth Avenue und deren Discount-Designer-Ableger Saks Fifth Avenue OFF 5th übernommen.

  • Die Immobilien

    Als starkes Rückgrat der Hudson’s Bay Company gelten die Warenhausimmobilien im  Besitz des Konzerns. Ihr Wert wird auf etwa 9,6 Milliarden kanadische Dollar geschätzt, rund 6,7 Milliarden Euro. Allein der Saks Fifth Avenue Flagship Store in New York soll mehr als drei Milliarden Euro wert sein.

  • Die Umsätze

    Mit Saks Fifth Avenue, der Kernmarke Hudson's Bay, der Modekette Lord & Taylor und dem Haushaltswarenhändler Home Outfitters machte HBC zuletzt einen Umsatz von gut neun Milliarden Euro und rund 420 Millionen Euro Gewinn.

  • Saks Fifth Avenue und Saks Off 5th

    Der erste Laden der amerikanischen Luxux-Kaufhauskette wurde 1924 von Horace Saks zusammen mit einer Geschäftspartner auf der New Yorker 5th Avenue eröffnet. 1992 gründete das Unternehmen sein erstes Outletgeschäft in Pennsylvania. Als 1995 weitere Läden eröffnet werden sollten, wurde das Geschäft in Saks Off 5th umbenannt. 2013 übernahm HBC das Unternehmen. Im Jahr 2016 gab es weltweit 41 Fililalen von Saks Fifth Avenue und 117 von Saks Off 5th.

Am grundsätzlichen Warenhauskonzept wird also nicht gerüttelt?

Viele Handelsexperten haben bereits das Ende der Vollsortimenter vorausgesagt und prophezeien ein Filialsterben in den kommenden Jahren. Das sieht die HBC-Spitze anders. Das Warenhauskonzept sei unglaublich flexibel, ist sich HBC-CEO Jerry Storch sicher. „Es ist eine Box, in die man alles reinpacken kann“. Anders ausgedrückt: Große Häuser haben auch weiterhin eine Chance, wenn man nur die richtige Ware in die Regale legt.

Was haben die Kanadier mit den Filialen vor?

Aufhübschen. Das HBC-Management verkündete, das Einkaufserlebnis deutlich verbessern zu wollen. Geld soll in Optik und Ausstattung der Geschäfte gesteckt, Präsentations- und Verkaufsflächen aufgewertet werden.

Eine beruhigende Botschaft für Angestellte und Kunden: Erstmal sollen keine Filialen geschlossen werden. Diese Standortgarantie gilt für drei Jahre.

Die Top 10 Warenhausbetreiber Europa 2015

  • Rang 10

    Unternehmen: Dunnes
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 2.365 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 155
    Verkaufsfläche: 293.113 m²

    Quelle: Planet Retail - 9. Juni 2015

  • Rang 09

    Unternehmen: Karstadt (ohne Karstadt Feinkost (Perfetto))
    Land: Deutschland
    Brutto-Außenumsatz (2013): 2.770 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 86
    Verkaufsfläche: 1.263.254 m²

  • Rang 08

    Unternehmen: Debenhams
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.199 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 186
    Verkaufsfläche: 1.264.607 m²

  • Rang 07

    Unternehmen: Home Retail Group
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.299 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 754
    Verkaufsfläche: 544.533 m²

  • Rang 06

    Unternehmen: Metro Group (nur Galeria Kaufhof (ohne Sport Arena und Dinea))
    Land: Deutschland
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.336 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 120
    Verkaufsfläche: 1.298.820 m²

  • Rang 05

    Unternehmen: Galeries Lafayette
    Land: Frankreich
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.604 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 64
    Verkaufsfläche: 530.048 m²

  • Rang 04

    Unternehmen: John Lewis
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.764 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 41
    Verkaufsfläche: 437.839 m²

  • Rang 03

    Unternehmen: Casino
    Land: Frankreich
    Brutto-Außenumsatz (2013): 4.051 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 304
    Verkaufsfläche: 546.700 m²

  • Rang 02

    Unternehmen: El Corte Inglés
    Land: Spanien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 9.531 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 88
    Verkaufsfläche: 2.420.000 m²

  • Rang 01

    Unternehmen: Marks & Spencer (ohne Spezialkonzepte)
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 11.258 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 387
    Verkaufsfläche: 1.404.958 m²

Wird es Änderungen bei den angebotenen Marken geben?

Ziemlich sicher sogar. Die Hudson’s Bay Manager wurden nicht müde, die Bedeutung von Qualitätsprodukten zu betonen. Das Produktportfolio dürfte sich in Übereinstimmung mit dem Ladendesign in den kommenden Jahren in Richtung edel  verschieben und einen noch stärkeren Schwerpunkt auf Bekleidung legen.

Zudem könnte die Produktlinie deutlich internationaler werden, wenn der Konzern amerikanische Marken auch in Deutschland verkauft und so Synergien nutzt.  Unter anderem plant „The Bay“, edlere Mode von Saks Fifth Avenue und dessen Designer-Discount-Ableger OFF 5th in den Kaufhof-Filialen zu platzieren.

Das ist nicht die schlechteste Idee. Denn mit Textilien, die sonst nicht in Deutschland erhältlich sind, würde sich Kaufhof ein weiteres Alleinstellungsmerkmal erarbeiten.  Auch bescheren Eigenmarken, vor allem im Mode-Sektor, Händlern regelmäßig höhere Margen als Ware von Markenherstellern - ein Segment, in dem sich bei Kaufhof zuletzt wenig tat. Kreationen wie Fabiani,  Manguun oder Bob der Bär mag die Kundschaft noch kennen. Doch was sich hinter Labels wie Goldfish oder Moncara verbirgt, ist wohl selbst hartgesottenen Kaufhof-Fans ein Rätsel.

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