H&M kooperiert mit Alexander Wang: Haute Couture trifft Billigkette

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H&M kooperiert mit Alexander Wang: Haute Couture trifft Billigkette

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Die Sportkollektion von Alexander Wang für die Billigkette H&M erntet im Netz bereits vor Verkaufsbeginn schlechte Kritik.

von Lin Freitag

Der Modekonzern H&M kooperiert jetzt mit dem Designer Alexander Wang. Ob seine Sport-Kollektion ein Verkaufsschlager wird, ist fraglich - aber darum geht es auch gar nicht.

Ein graues Sweatshirt für 570 Euro, schwarze Velourslederstiefeletten für 598 Euro oder die Trend-Handtasche namens „Rocco“, Erkennungszeichen: silberne Nieten auf dem Taschenboden, für 899 Euro. Normalerweise kreiert Design-Wunderkind Alexander Wang teure, aber massentaugliche Basics. Doch ausgerechnet seine erste Kollektion für die Textilkette H&M ist das genaue Gegenteil: Billig, aber absolut nicht massentauglich.

Eine Sonnenbrille, die aussieht wie eine Taucherbrille. High Heels aus Neopren und Boxhandschuhe mit Wang-Aufschrift: Das sich seine Sportkollektion ähnlich gut verkaufen wird wie die seiner prominenten Vorgänger, ist fraglich. Im Netz wird Wangs Kollektion schon seit Wochen heiß diskutiert, viele Kommentare sind negativ.

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„Totalausfall“ oder „Hässlich wie die Nacht“, schreiben etwa Nutzer auf der Fotoplattform Instagram. „Eigentlich finde ich die Designer-Sachen ja immer ganz gut und ich hab mich auch echt auf Alexander Wang gefreut - aber Sportklamotten, mit denen man auf `ne Party gehen kann? Ich finde alles ziemlich scheußlich“, lautet ein Kommentar auf Facebook. Aber ob die Mode gefällt oder nicht, ist bei diesem Projekt eh zweitranging.

Wangs Kollektion polarisiert und ist somit genau das richtige für das zehnjährige Jubiläum der Zusammenarbeit von Haute Couture und Billigkette. Eingeleitet wurde das Projekt 2004 mit der Kollaboration von H&M und Karl Lagerfeld. Es folgten unter anderem Stella McCartney, Sonia Rykiel, Versace, Lanvin, Marni und zuletzt Isabel Marant.

Ums Geld geht es der Kette dabei nicht - obwohl die Modebegeisterten regelmäßig vor den Läden Schlange stehen und viele der Kollektionen schon nach einem Tag ausverkauft waren. H&M selbst äußerst sich nicht zu den Umsätzen, aber eine Analystin der Santander Bank taxierte den Umsatz im "Handelsblatt" auf rund 40 Millionen Euro.

Davon werden schätzungsweise noch einmal zehn Millionen Gage für den Designer abgezogen, bleiben 30 Millionen übrig. Für einen Konzern, der jährlich über 17 Milliarden Euro erwirtschaftet, ist das nur ein kleines Geschäft.

Doch die Kooperationen sollen auch nicht primär auf die Bilanz, sondern auf die Marke einzahlen. Edel trifft billig. Exklusiv auf Massenproduktion. Das ist gut fürs Image und stützt die Bekanntheit.

Die Schweden verfolgen auch für das nächste Jahr wieder ehrgeizige Wachstumspläne. In Deutschland gehört die Handelskette schon zum zweitgrößten Textileinzelhändler, ähnliche Erfolge will das Modeunternehmen auch in anderen Ländern feiern. Bis Ende des Jahres sollen 375 neue Filialen eröffnet werden. Für 2015 sind Läden in Peru und Südafrika geplant.

Doch warum haben sich die Schweden für ihr Jubiläum ausgerechnet Wang ausgesucht? Zwar gilt der 30-Jährige in der Modeszene als Wunderkind, der breiten Masse war er bislang aber nicht bekannt. Dabei ist Wang ähnlich viel beschäftigt wie Designikone Karl Lagerfeld. Lagerfeld ist Chanel-Designer, entwirft die Damenlinie für Fendi und realisiert zusätzlich noch seine eigene Linie.

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Wang pendelt zwischen New York und Paris. In der US-amerikanischen Metropole arbeitet er an seinen eigenen zwei Linien: Alexander Wang und die billigere Zweitlinie T by Alexander Wang. In Paris designt er für das Traditionshaus Balenciaga.

Ein solches Pensum schaffen nur wenige. Wang gilt als sehr diszipliniert, arbeitet hart, Zeit zum Durchatmen nimmt er sich nur selten. Wie auch Karl Lagerfeld ist er ein Getriebener. Einer, der gar nicht anders kann als zu designen. Einer, für den Kreativität alles ist. Das Ergebnis: Rund 30 Kollektionen gehen jährlich durch Wangs Hände.

Diesen Arbeitsethos hat er vermutlich von seinen Eltern geerbt. Wangs Eltern kamen aus Taiwan in die USA, sie lebten den amerikanischen Traum: Vom Tellerwäscher zum Unternehmer für Plastikherstellung.

Wang hat sich sein Wissen selbst erarbeitet. Er ist Autodidakt. Schon mit 15 schneiderte er seine erste Kollektion, präsentierte sie auf einer Familienfeier. Mit 21 hatte er sein eigenes Label. Mit 30 folgt der nächste Karriereschritt: Morgen wird seine Kollektion in den H&M-Filialen auf der ganzen Welt zu kaufen sein.

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