
Die Einladung verheißt eine heitere Bootspartie. Zu „Schiffsgesprächen“ will sich der amtierende Haniel-Chef Jürgen Kluge mit Journalisten treffen, um „in lockerer Atmosphäre“ das Jahr Revue passieren zu lassen.
Dabei will er im Hafenschubboot Franz Haniel 14 gemächlich über Rhein und Ruhr tuckern. Die Tour führt mitten ins Herz der Region, in der sich einst der märchenhafte Aufstieg der Haniels vollzog – und vor deren Kulisse sich nun der Niedergang des Clans abspielt.
Haniel – das war seit 1756 der Inbegriff bodenständigen Reichtums. Der Name stand für eine Vorzeigefamilie, deren Erfolgsgeschichte mit einem Packhaus für Kolonialwaren begann, die ihr Geld mit Schiffen und Kohlezechen verdiente und später mit einer Beteiligung am Handelskonzern Metro mehrte.
Kriege, Inflation und Hungersnöte hat die Revierdynastie überstanden, doch selten war die Verfassung des Clans ähnlich fragil wie heute.
Das Unternehmen ächzt unter einer gewaltigen Schuldenlast. Seit 2009 verlor das Haniel-Beteiligungsportfolio rund 1,4 Milliarden Euro an Wert, lässt sich aus Haniel-Daten und Analysen der Ratingagentur Standard & Poor’s ableiten.
Quelle: APPlatz 16: Schlecker
Branche: Drogerie
Umsatz: 6,6 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 47.000
Quelle: APPlatz 15: Würth Gruppe
Branche: Befestigungs- und Montagetechnik
Umsatz: 8,6 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 65.000
Quelle: dpa/dpawebPlatz 14: Rethmann-Gruppe
Branche: Wasser- und Kreislaufwirtschaft, Logistik, Bioindustrie
Umsatz: 9,1 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 42.000
Quelle: dpaPlatz 13: Oetker
Branche: Lebensmittel, Finanzwesen, Schifffahrt
Umsatz: 9,5 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 25.000
Quelle: APPlatz 12: INA-Schaeffler (Continental)
Branche: Autozulieferer
Umsatz: 9,5 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 68.000
Die Übernahme des deutlich größeren Konkurrenten stürzte das Unternehmen aus Herzogenaurach 2009 in eine existenzielle Krise. Ein Kompromiss mit den kreditgebenden Banken sicherte das Überleben. Trotz des operativ gut laufenden Geschäfts bleiben Unsicherheiten wegen der nach wie vor hohen Verschuldung.
Quelle: dpa/dpawebPlatz 11: Maxingvest (Tchibo)
Branche: Konsumgüter
Umsatz: 9,6 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 32.000
Quelle: APPlatz 10: Tengelmann
Branche: Einzelhandel
Umsatz: 11,3 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 80.000
Quelle: dapdPlatz 9: Otto Gruppe
Branche: Handels- und Dienstleistungskonzern
Umsatz: 11,4 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 50.000
Quelle: PressebildPlatz 8: Marquard & Bahls
Branche: Mineralölhandel, Tanklagerung, Flugzeugbetankung, erneuerbare Energien
Umsatz: 12,6 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 4.000

Platz 7: Boehringer Ingelheim
Branche: Pharmaunternehmen, Forschung
Umsatz: 12,7 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 42.000
Platz 16: Schlecker
Branche: Drogerie
Umsatz: 6,6 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 47.000
Negative Schlagzeilen
Und seit an der Spitze der wichtigsten Haniel-Beteiligung Metro ein Machtkampf um den Chefposten tobt, muss der einst so pressescheue Clan regelmäßig Schlagzeilen der Sorte „Ruhrkrepierer“ über sich ergehen lassen.
Wie kein zweiter Konzern erschüttert Haniel derzeit den Mythos des soliden Familienunternehmens, das langfristig ausgerichtet ist und besser geführt wird als die vom Kapitalmarkt gehetzten Aktiengesellschaften.
Mehr noch: Mit seinem Niedergang erinnert Haniel an all die anderen schlingernden Industriedynastien der vergangenen Jahr und widerlegt damit all jene, die in Familienunternehmen das Gegenmodell zum krisengebeutelten Finanzkapitalismus sehen.
Von wegen „höhere Renditen“, „mehr Jobs“, „Leistungsträger“, „bessere Work-Life-Balance“. Clans wie die Porsches, Oppenheims oder Schaefflers haben gezeigt, dass die Wirklichkeit anders aussieht.
Sogar solide Unternehmen wie die Essener WAZ-Gruppe und der Bonner Süßwarenhersteller Haribo beschädigen durch Streitereien in der Familie und die Starrsinnigkeit des greisen Haribo-Gründers Hans Riegel das goldgerahmte Bild der glücklichen Familie.













