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Industriellen-Clans: Wie Haniel & Co. ihr Erbe verspielen

von Henryk Hielscher, Cornelius Welp und Lothar Schnitzler

Wie kein zweiter Konzern erschüttert Haniel derzeit den Mythos des soliden Familienunternehmens. Wie die Metro-Eigentümer ihr Milliardenvermögen aufs Spiel setzen.

Familienoberhaupt Franz Markus Haniel. Dass er nicht früher in die Streitereien um das Unternehmen eingriff, lasten ihm nun interne wie externe Kritiker an. Quelle: Laif
Familienoberhaupt Franz Markus Haniel. Dass er nicht früher in die Streitereien um das Unternehmen eingriff, lasten ihm nun interne wie externe Kritiker an. Quelle: Laif

Die Einladung verheißt eine heitere Bootspartie. Zu „Schiffsgesprächen“ will sich der amtierende Haniel-Chef Jürgen Kluge mit Journalisten treffen, um „in lockerer Atmosphäre“ das Jahr Revue passieren zu lassen.

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Dabei will er im Hafenschubboot Franz Haniel 14 gemächlich über Rhein und Ruhr tuckern. Die Tour führt mitten ins Herz der Region, in der sich einst der märchenhafte Aufstieg der Haniels vollzog – und vor deren Kulisse sich nun der Niedergang des Clans abspielt.

Haniel – das war seit 1756 der Inbegriff bodenständigen Reichtums. Der Name stand für eine Vorzeigefamilie, deren Erfolgsgeschichte mit einem Packhaus für Kolonialwaren begann, die ihr Geld mit Schiffen und Kohlezechen verdiente und später mit einer Beteiligung am Handelskonzern Metro mehrte.

Kriege, Inflation und Hungersnöte hat die Revierdynastie überstanden, doch selten war die Verfassung des Clans ähnlich fragil wie heute.

Das Unternehmen ächzt unter einer gewaltigen Schuldenlast. Seit 2009 verlor das Haniel-Beteiligungsportfolio rund 1,4 Milliarden Euro an Wert, lässt sich aus Haniel-Daten und Analysen der Ratingagentur Standard & Poor’s ableiten.

Platz 16: Schlecker

Branche: Drogerie

Umsatz: 6,6 Mrd. Euro

Mitarbeiter: 47.000

Quelle: AP

Negative Schlagzeilen

Und seit an der Spitze der wichtigsten Haniel-Beteiligung Metro ein Machtkampf um den Chefposten tobt, muss der einst so pressescheue Clan regelmäßig Schlagzeilen der Sorte „Ruhrkrepierer“ über sich ergehen lassen.

Wie kein zweiter Konzern erschüttert Haniel derzeit den Mythos des soliden Familienunternehmens, das langfristig ausgerichtet ist und besser geführt wird als die vom Kapitalmarkt gehetzten Aktiengesellschaften.

Mehr noch: Mit seinem Niedergang erinnert Haniel an all die anderen schlingernden Industriedynastien der vergangenen Jahr und widerlegt damit all jene, die in Familienunternehmen das Gegenmodell zum krisengebeutelten Finanzkapitalismus sehen.

Von wegen „höhere Renditen“, „mehr Jobs“, „Leistungsträger“, „bessere Work-Life-Balance“. Clans wie die Porsches, Oppenheims oder Schaefflers haben gezeigt, dass die Wirklichkeit anders aussieht.

Sogar solide Unternehmen wie die Essener WAZ-Gruppe und der Bonner Süßwarenhersteller Haribo beschädigen durch Streitereien in der Familie und die Starrsinnigkeit des greisen Haribo-Gründers Hans Riegel das goldgerahmte Bild der glücklichen Familie.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 17.11.2011, 11:35 UhrAnonymer Benutzer: Profit

    Zunächst geht es im Fall "Haniel" nicht um Familienunternehmen vs. börsennotiertem Unternehmen. Haniel ist eine Familien-Aktiengesellschaft mit nahezu 1.000 Gesellschaftern. Insofern trifft die Charakterisierung Familien-Unternehmen wirklich nur sehr eingeschränkt zu. Ein weiteres kommt hinzu: Familienangehörige dürfen per Vertrag und Statuten ihre Aktienanteile nur anderen Familienmitgliedern andienen. D.h. die disziplinierende Kraft der Börse fehlt bei Haniel völlig. Mißmanagement wird in einer derartigen Unternehmenskonfiguration einfach weniger bestraft. Darüber hinaus ist Haniel eine Holdinggesellschaft, ohne eigenes operative Geschäft. Im Portfeuille befinden sich völlig unterschiedliche Unternehmen wie Metro, Celesio, CWS-Boco, etc. Der Holdingvorstand und die Familie Haniel hat im Zweifel keine Ahnung, was sich eigentlich in den operativen Einheiten so tut. Die Holding verschlingt außerdem immense Kosten. Dann das Management: Kluge war in seinem Berufsleben lediglich "Berater" bei McKinsey. Welche Erfahrung hatte er als Unternehmer, bevor er Chef der obskuren Holding Haniel wurde?! Auch die anderen Vorstände kamen teilweise aus so "dynamischen" Unternehmen wie RWE, etc. Jetzt hat die Holding überbordene Kosten und bringt keinen Ertrag. All das ist mit einem mittelständischen, eigentümergeführten Unternehmen überhaupt nicht vergleichbar. Das Beste wäre: Zerschlagung der Firma und Auflösung der Holding und Ausbezahlung der Familienmitglieder. Haniel hat seine "Daseinsberechtigung" verloren. Haniel ist ein Kapitalvernichter in großem Stil!

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