Inkasso: Onlinehandel leidet unter Rechnungsmuffeln

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Inkasso: Onlinehandel leidet unter Rechnungsmuffeln

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Paket des Versandhandels Zalando.

von Mark Fehr

Niedrigzinsen und die bevorstehenden Weihnachtstage lassen die Zechprellerei boomen. Neuerdings sinkt besonders bei Rentnern die Zahlungsmoral.

In der Adventszeit boomen nicht nur die Weihnachtsmärkte und der Einzelhandel. Im Vorfeld der besinnlichen Feiertage blüht auch die Zechprellerei, weil Verbraucher ihr Geld lieber für neue Weihnachtsgeschenke ausgeben statt liegengebliebene Rechnungen zu bezahlen. „Im Dezember bleiben erfahrungsgemäß die meisten Zahlungen aus“, berichtet der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) auf seiner heutigen Pressekonferenz in Berlin. Die Branche treibt im Auftrag geprellter Unternehmen die Schulden von zahlungsfaulen Verbrauchern ein oder sichert Internetshops präventiv vor notorischen Abzockern. Pro Jahr holen Inkassoprofis nach Verbandsangaben fünf Milliarden Euro für ihre Auftraggeber zurück.

Die schlechte Zahlungsmoral bei Verbrauchern wirkt sich laut Inkassoverband auch auf die Unternehmen aus, wobei die Gläubigerseite unter Druck gerät und ihrerseits Rechnungen später begleicht. Der Verband rechnet für das kommende Jahr mit 24.500 Firmenpleiten in Deutschland, das sind so viele Insolvenzen wie 2014. Der Rückgang aus den vergangen Jahren wird sich also nicht fortsetzen. Außerdem wird sich die Zahlungsmoral 2015 weiter verschlechtern – das zumindest erwarten die vom Verband befragten Inkassounternehmen.

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Unter Rechnungsmuffeln leiden laut BDIU in erster Linie der Online- und Versandhandel, gefolgt von Wohnungsvermietern, Energieversorgern und Fitnessstudios. Über diese Trends berichtet die Inkassowirtschaft regelmäßig, allerdings gibt es in diesem Jahr zwei neue Entwicklungen: So werde vor allem bei älteren Verbrauchern über 65 Jahren die Zahlungsmoral sinken. Zudem sind nach Beobachtung der Inkassowirtschaft einige Konsumenten in den letzten Monaten risikofreudiger geworden. Das könne laut BDIU auch in Zusammenhang mit den niedrigen Zinsen stehen. Diese suggerierten Verbrauchern, dass Geld billiger und verbunden mit weniger Verpflichtungen zu haben sei.

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Jugendliche haben traditionell eine laxe Zahlungsmoral - und neuerdings auch Rentner

Klagten professionelle Schuldeneintreiber traditionell über laxe Zahlungsmoral und hohe Konsumschulden bei einigen Jugendlichen, machen sie sich nun zunehmend Sorgen um die Rechnungstreue älterer Verbraucher. Wegen der steigenden Zahl an Rentnern und der sinkenden Altersbezüge sei zu befürchten, dass die Bonität dieser ursprünglich zuverlässigeren Zielgruppe in den kommenden Jahren nachlasse. Die Inkassobranche geht davon aus, dass in den nächsten Jahren mehr Ältere überschuldet sein werden. Das Problem: Anders als Verbrauchern in der Mitte ihres Erwerbslebens haben Rentner deutlich weniger künftige Einnahmen zu erwarten, um ausstehenden Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.

Das wäre schlecht für die betroffenen Firmen, die ihren Kunden Waren liefern aber dann länger als geplant auf das Geld warten oder auf ihren Forderungen sitzen bleiben würden. Für die Inkassobranche jedoch würde sich das in steigenden Auftragszahlen äußern. Die jedoch macht sich derzeit Sorgen, ob ihr Geschäftsmodell künftig weiter funktionieren wird. Denn die Europäische Union bereitet eine Verordnung zum Informationsaustauch und Datenschutz (DAPIX) vor, die professionellen Schuldeneintreibern die Arbeit erheblich erschweren oder sogar unmöglich machen könnte. Die Verordnung würde Unternehmen dazu verpflichten, das Einverständnis ihrer Schuldner einzuholen, wenn sie deren Kunden- und Rechnungsdaten an Inkassounternehmen weiter geben wollen. Würde eine solche Regel in Kraft treten, sei es Gläubigern laut BDIU unmöglich, Inkassounternehmen zum Eintreiben unbezahlter Rechnungen zu beauftragen.

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