Insider-Bericht: Metro-Chefsuche in der Sackgasse

Insider-Bericht: Metro-Chefsuche in der Sackgasse

, aktualisiert 15. November 2011, 14:41 Uhr
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Nach dem Abgang von Eckhard Cordes droht bei der Suche nach einem neuen Metro-Chef Stillstand.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Suche nach einem neuen Metro-Chef gerät offenbar ins Stocken. Laut Insider-Berichten gibt es für keinen der beiden möglichen Kandidaten eine Mehrheit im Aufsichtsrat. Jetzt werden verschiedene Varianten diskutiert.

DüsseldorfBeim Handelsriesen Metro droht bei der Suche nach einem Nachfolger für den scheidenden Chef Eckhard Cordes eine Patt-Situation. Weder für Finanzvorstand Olaf Koch noch für Vorstandsmitglied Joel Saveuse zeichne sich bislang eine klare Mehrheit im Aufsichtsrat ab, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Deshalb werde auch eine Kompromisslösung sondiert. Unter anderem werde erwogen, dass Saveuse zunächst an die Metro-Spitze rückt - und Koch nach einer Übergangszeit als Vize-Chef das Ruder übernimmt. Als zweite Variante sei denkbar, dass einer der beiden Kandidaten von sich aus verzichte - oder dazu gedrängt werde. Ob mit solchen Szenarien aber Gräben im Aufsichtsrat zugeschüttet werden können, bleibt offen. Ein Metro-Sprecher wollte die Angaben nicht kommentieren. Personalien seien Sache des Aufsichtsrats, unterstrich er.

Am Freitag soll das Kontrollgremium der Metro in Düsseldorf zusammentreten - und muss sich gleich mit einer weiteren wichtigen Personalie befassen. Denn neuer Aufsichtsratschef soll Franz Markus Haniel werden. Er soll nach dem Willen des Metro-Großaktionärs zum Nachfolger des scheidenden Chefs des Duisburger Mischkonzerns, Jürgen Kluge, an die Spitze des Metro-Kontrollgremiums gewählt werden. Haniel ist zugleich Oberhaupt des milliardenschweren Haniel-Familienclans und Chef des Aufsichtsrats des Duisburger Konzerns. Hinter den Kulissen versucht er Insidern zufolge derzeit mit Hochdruck, eine Lösung für die Metro-Spitze zu finden. Und das ist nicht einfach, denn der Monate dauernde, von einer medialen Schlammschlacht begleitete Machtkampf um den Verbleib von Cordes hat auch tiefe Spuren im Metro-Aufsichtsrat hinterlassen, berichten Insider. „Die öffentliche Diskussion um die Führung der Metro hat die Atmosphäre beeinträchtigt“, hatte Kluge selbst bei seinem Rücktritt von der Spitze des Metro-Aufsichtsrats erklärt. Mittlerweile hat Kluge auch seinen Rückzug von der Spitze des Haniel-Konzerns angekündigt. Auch hier muss Franz Markus Haniel einen Nachfolger suchen. Doch zunächst muss der die Kandidatensuche bei der Metro in trockene Tücher bringen. Haniel müsse einen „gordischen Knoten“ durchschlagen, sagt ein Insider.

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Die Kapitalseite im Aufsichtsrat tendiere mehrheitlich zu Finanzchef Koch, sagen mit dem Vorgang vertraute Personen. Der erst 41jährige Betriebswirt hatte wie Cordes beim Autokonzern Daimler gearbeitet und war dann im September 2009 vom Finanzinvestor Permira nach Düsseldorf gewechselt. Dort hatte er zusammen mit Cordes das Sparprogramm Shape durchgeboxt - das im Lager der Arbeitnehmer auf teils erbitterten Widerstand stieß.


Benko hat Nase bei Kaufhof-Verkauf vorne

Vertreter der Kapitalseite im Aufsichtsrat könnten mit der Personalie Koch die Hoffnung verbinden, dass seit langem angekündigte Verkäufe von Beteiligungen durchgesetzt würden - denn dann können die Metro-Aktionäre auf Sonderdividenden setzen. Erster Kandidat für einen Verkauf ist die Warenhauskette Kaufhof. Cordes und Koch liegen drei Angebote vor, die Nase vorn hat Insidern zufolge der österreichische Immobilien-Investor Rene Benko. Er hat auch schon einen Blick in die Kaufhof-Bücher werfen können - anders als der Milliardär und Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen, heißt es im Umfeld der Metro und der Bieter. Benko hatte Reuters gesagt, er sei bereits in fortgeschrittenen Gesprächen mit der Metro und hoffe auf einen raschen Abschluss. Nächster Kandidat für einen Verkauf wäre dann die Supermarktkette Real.

Saveuse war vom Konkurrenten Carrefour zunächst als Chef zur Metro-Tochter Real gewechselt, seit April 2008 sitzt er im Metro-Vorstand. In der Vergangenheit hatte Saveuse immer wieder damit kokettiert, keine Ambitionen mehr im Haifischbecken Metro zu haben und auf seinen Alterssitz in Südfrankreich wechseln zu wollen. Das klingt nun anders - er ist der zweite interne Kandidat für den Chefposten. Saveuse hat vor allem im Arbeitnehmerlager Anhänger. Er gilt als Handelsexperte und sei im verzweigten Metro-Reich gut verdrahtet, berichten Insider. Er hat ohne großen Theaterdonner das einstige Sorgenkind Real wieder in die Spur gebracht und verantwortet nun seit April 2010 auch das wichtige Europa-Geschäft der Großmarktkette Cash & Carry. Saveuse ist noch bis zum April 2013 bestellt - und könnte nach einem bereits diskutierten Kompromissmodell bis zu diesem Zeitpunkt mit einem Kronprinzen Koch die Metro führen. Offen sei aber, ob die beiden Manager diesen Plan trügen - und ob der Aufsichtsrat diese Variante unterstütze, hieß es.

Denkbar sei aber auch, dass einer der beiden Kandidaten auf den Chefposten der Metro verzichte, um bestehende Gräben nicht weiter aufzureißen und eine Kampfkandidatur zu vermeiden, hieß es weiter. Offen sei aber, ob dieses Szenario Realität werde. Zudem könnte ein Verzicht eines Kandidaten möglicherweise auch nichts an der Ablehnung seines Konkurrenten durch Aufsichtsräte ändern. Damit könnte theoretisch ein einzelner Kandidat dann im ersten Wahlgang kein klare Mehrheit hinter sich bringen. Ob ein solches Szenario die Position von Franz Markus Haniel stärken würde, erscheint zumindest offen.

Andererseits muss bald ein Weg aus dem Führungsstreit gefunden werden. Immer wieder war aus dem Umfeld der Beteiligten gestreut worden, bis zum Jahresende solle ein Nachfolger für Cordes bestimmt sein. Chancen dafür gibt es auch nach dem Freitag noch: Im Dezember tritt der Aufsichtsrat erneut zusammen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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