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Insolvente Handelskette: IhrPlatz soll zu Mäc Geiz werden

Quelle: Handelsblatt Online

Insolvenzverwalter Schneider will die IhrPlatz-Filialen schnell verkaufen. Ernstes Interesse angemeldet hat offenbar die österreichische Handelsgruppe MTH - gut 100 Filialen sollen zu Mäc Geiz werden.

Kodak

Mit dem US-Kamerahersteller Eastman Kodak fällt ein Traditionsunternehmen mangels Innovationen dem harten Wettbewerb zum Opfer. Der Erfinder der Digitalkamera und Pionier der Fotografie musste im Januar 2012 Insolvenz anmelden. Auch bei der digitalen Fotografie war Kodak Mitte der 70er Jahre der Pionier - damals präsentierte die Firma die erste Digitalkamera in der Größe eines Toasters. Die Konkurrenz in Asien allerdings entwickelte die Technik weiter. Der Abstieg von Kodak begann um die Jahrtausendwende.

George Eastman (1854-1932) hat die Fotografie revolutioniert: In den 1880er-Jahren entwickelte der amerikanische Unternehmer einen mit einer lichtempfindlichen Emulsion überzogenen Papierfilmstreifen als Ersatz für Foto-Platten. Aus der Eastman Dry Plate Company wurde 1888 die Firma Kodak, die sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Rollfilmen und Kameras. Kodak ist ein reiner Fantasiename - er sollte kurz, einprägsam und überall auf der Welt auszusprechen sein.

Seit 2003 schloss die Firma 13 Werke und 130 Labore. Kodak entließ insgesamt 47.000 Beschäftigte, heute sind es noch weltweit 18.000. Der Börsenwert von Kodak betrug zuletzt noch 150 Millionen Dollar, nachdem die Firma mehr als 70 Jahre lang zu den im Dow Jones gelisteten 30 Unternehmen gehört hatte. Zuletzt hatte die New Yorker Börse der Firma mit dem Ausschluss gedroht, weil der Kurs der Aktie an 30 aufeinanderfolgenden Börsentagen unter der Schwelle von einem Dollar gelegen hatte.

Im ersten Halbjahr 2013 will Kodak nun den Weg aus der Insolvenz schaffen. Ein neues und größeres Rettungspaket von zehn Investoren werde dem Unternehmen ermöglichen, die Umstrukturierung bis dahin abzuschließen, teilte der Konzern im November mit. Das neue Paket umfasst demnach 830 Millionen Dollar (641 Millionen Euro) und ersetzt das bisherige, durch das Kodak Kredite im Umfang von 793 Millionen Dollar hätte bekommen sollen. Das Insolvenzgericht muss der Finanzierung durch die Investoren noch zustimmen. Außerdem muss Kodak zuvor seine Patente für digitale Fotos um mindestens 500 Millionen Dollar verkaufen.

Bild: dpa

Nach der Übernahme von rund 100 IhrPlatz-Filialen durch die Drogeriemarkt-Kette Rossmann will der Insolvenzverwalter möglichst viele der noch verbliebenen knapp 400 Filialen schnell veräußern. „Es werden Gespräche mit weiteren Interessenten geführt“, sagte ein Sprecher von Insolvenzverwalter Werner Schneider am Donnerstag. Eine mit der Situation vertraute Person sagte, es könne demnächst mit einer Entscheidung gerechnet werden.

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Laut Informationen des "Handelsblatt" übernimmt die österreichische Handelsgruppe MTH gut 100 IhrPlatz-Filialen und integriert diese in den Haushaltsdiscounter Mäc Geiz. Demnach soll der entsprechende Vertrag bereits am morgigen Freitag unterzeichnet werden. Laut dem Bericht bestätigte MTH-Gründer und Aufsichtsrat Josef Taus die Übernahme bereits. Dabei gehe es in erster Linie um bis zu 109 mittelgroße Filialen zwischen 250 und 350 Quadratmetern. Dem Vernehmen nach sollen möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Der mit der insolventen Kette IhrPlatz und deren bankrotten Konzernmutter Schlecker konkurrierende Unternehmer Dirk Rossmann war bereits am Mittwoch mit dem Insolvenzverwalter handelseinig geworden. Er will die umsatzstarken IhrPlatz-Standorte mit rund 800 Beschäftigten und dem kompletten Warenbestand in sein rund 1600 Filialen umfassendes Netz integrieren. Dazu ist aber noch die Freigabe des Bundeskartellamts und die Genehmigung der Immobilienvermieter nötig. Rossmann hatte zuletzt Anfang Juli angekündigt, seine Kette 2012 in Deutschland um rund 110 Märkte erweitern zu wollen.

Zukunft der restlichen Filialen unklar

Für die restlichen IhrPlatz-Läden, deren Sortiment zuletzt deutlich ausgedünnt war, interessiert sich dem Insider zufolge die fränkische Textilhandels-Kette NKD. Bei NKD war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Insgesamt arbeiteten zuletzt rund 4000 Menschen bei IhrPlatz. Die in Osnabrück ansässige Kette ist in Deutschland der einzige Teil des Imperiums von Anton Schlecker, das nach der Insolvenz eine Überlebenschance hat.

Ursprünglich sollte IhrPlatz an den branchenfremden Münchener Finanzinvestor Dubag gehen. Doch die Gläubiger - allen voran der Kreditversicherer Euler Hermes als größter Gläubiger - stellten sich quer, da Dubag kaum Erfahrung im Handel hat. Mittlerweile sei Dubag aus dem Rennen, sagte die mit der Situation vertraute Person. Insolvenzverwalter Schneider hatte nach dem Platzen seines Vertrags mit Dubag angekündigt, er wolle bis Ende Juni den Verkauf von IhrPlatz unter Dach und Fach bringen. Anfang Juli vertagte er seine geplante Entscheidung über die Zukunft der Drogeriekette jedoch und nahm Gespräche mit weiteren Interessenten auf.

Im Schaufenster der Insolvenzverwaltung stehen auch noch die zahlungsfähigen Schlecker-Auslandstöchter in Spanien und Österreich. Über die Zukunft der Schlecker-Läden in der Alpenrepublik will Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz nach den Worten eines Sprechers „noch im Juli“ entscheiden. Die spanische Tochter sei profitabel, daher bestehe dort „überhaupt kein Zeitdruck“ für eine Entscheidung noch in diesem Jahr. Zudem soll die Tochter in Polen bald den Besitzer wechseln. Der Verkaufsprozess sei weit fortgeschritten, sagte ein Sprecher. Die Trennung von der polnischen Tochter hatte noch das Schlecker-Management angestoßen, bevor Insolvenzverwalter Geiwitz das Ruder übernahm.

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