Insolvenzen: Kandidaten für den Untergang

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Insolvenzen: Kandidaten für den Untergang

von Henryk Hielscher

Dax auf Rekordkurs, Konsumklima ungetrübt, Euro-Krise ad acta - also alles im Lot in der deutschen Wirtschaft? Von wegen: Insolvenzexperten haben die potenziellen Opfer des nächsten Abschwungs identifiziert.

Wer steht auf der Todesliste? Ein schlichter Zettel in der Schreibtischschublade, eine verschlüsselte Computerdatei oder ein reiner Merkposten - wohl fast jeder Insolvenzverwalter und Sanierungsberater führt eine Liste möglicher Pleiteaspiranten. Offen nennen will kaum jemand seine Kandidaten für den Untergang. Doch über die Branchen, denen die nächsten Einschläge drohen, herrscht in der Saniererzunft ungewohnte Einigkeit: Im Einzelhandel, im Schrott- und Stahlgeschäft, bei Autozuliefern und Reedereien besteht akute Crash-Gefahr.

Dabei könnte die gesamtwirtschaftliche Lage auf den ersten Blick kaum besser sein. Der deutsche Börsenleitindex  Dax erklimmt Rekordstände. Das in den vergangenen Jahren allgegenwärtige Getöse um die Euro-Krise scheint langsam abzuklingen. Und selbst die Insolvenzzahlen verharren insgesamt auf niedrigem Niveau. Doch bei Skeptikern wächst die Sorge, dass die vermeintlich stabile Lage nur die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm ist. Wenn das Wachstum in China nachlässt, die Sorge um die Eurozone wieder aufflammt und der deutsche Binnenkonsum ob der steigenden Energie- und Lebenshaltungskosten bröckelt, könnte die Situation schnell kippen. Für viele angeschlagene Unternehmen, die sich in Branchen tummeln, die unter Überkapazitäten und strukturellen Veränderungen ächzen,  dürfte es dann heißen: Fortführungsprognose negativ.

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Insolvenzstatistik Bleibt die große Pleitewelle aus?

Für 2013 hatten Konjunkturexperten deutlich mehr Insolvenzen vorausgesagt. Doch in den ersten Monaten 2013 präsentierten sich die deutschen Unternehmen erstaunlich robust.

Für 2013 hatten Konjunkturexperten deutlich mehr Insolvenzen vorausgesagt. Bislang ist von der befürchteten Zunahme der Unternehmenshavarien jedoch wenig zu spüren. Quelle: Fotolia

Vor allem unter deutschen Händlern sehen Experten Pleitiers in spe. "Im deutschen Einzelhandel kommt permanent neue Verkaufsfläche hinzu, während die Konsumausgaben eher stagnieren und ein Teil der Umsätze in den Online-Handel abwandert", sagt etwa der Ulmer Insolvenzverwalter Michael Pluta. "Das muss zwangsläufig zu Verwerfungen führen."

Dem Gang von Praktiker, Neckermann und Schlecker dürften demnach weitere Großkrämer folgen. Das sieht auch Johann Stohner, Managing Director von Alvarez & Marsal Deutschland, einer auf Sanierungen spezialisierten Unternehmensberatung, ähnlich. "Im Einzelhandel kommen gleich mehrere Probleme zusammen", so Stohner. "Das Konsumklima geht zurück, die Mieten, Energie- und Personalkosten steigen, zugleich ändern sich die Einkaufsgewohnheiten der Verbraucher." Die Folge: "Der stationäre Handel verliert immer dramatischer an den Online Handel."

In den vergangenen Wochen wurde bereits über die drohende Insolvenz des Buchhändlers Weltbild spekuliert. Das Management wies derlei Szenarien zwar weit von sich. Doch klar ist auch: Das Unternehmen muss sein Geschäftsmodell gründlich renovieren, um auf Dauer gegen Konkurrenten wie Amazon punkten zu können. Kaum besser geht es den Modefilialisten, die sich nicht nur gegen Wetterkapriolen sondern auch gegen neue Rivalen wie Zalando behaupten müssen. So schrammte Deutschlands drittgrößter Textildiscounter NKD nach Informationen der WirtschaftsWoche im Frühjahr nur knapp an der Insolvenz vorbei. Der Mehrheitseigentümer musste Geld nachschießen und Ralf Schmitz von der Kölner Sanierungskanzlei Ziems und Partner übernahm als NKD-Interimsgeschäftsführer das Kommando. Allzu viel Gegenwind könnte dessen Stabilisierungsbemühungen erheblich erschweren.

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