Insolvenzrecht: Sanierung in Eigenregie wird populär

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Insolvenzrecht: Sanierung in Eigenregie wird populär

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Aufgemöbelt: Ladenbau-Konzept von Helia in einem Shop in Regensburg

von Henryk Hielscher

Neue Sanierungsinstrumente sollen der Insolvenz den Schrecken nehmen. Eine erste Statistik zeigt: Das Rettungswerkzeug wird genutzt.

Der Betrieb war auf Wachstumskurs. "Der Andrang neuer Kunden war enorm, wir hatten 2011 ein Umsatzplus von 40 Prozent", sagt Klaus Göppert, geschäftsführender Gesellschafter des badischen Unternehmens Helia Ladenbau mit 150 Mitarbeitern. Doch der vermeintliche Erfolg des Mittelständlers führte in die Krise. Weil die Neukunden Investitionen erforderten, schmolz die Liquidität dahin – die Zahlungsunfähigkeit drohte. Statt nur auf Besserung zu hoffen und so die Abwicklung zu riskieren, ging Göppert in die Offensive.

Als eines der ersten Unternehmen nutzte Helia im Mai das sogenannte Schutzschirmverfahren. Der Unterschied zum regulären Insolvenzantrag: Göppert – und nicht ein vom Gericht eingesetzter Insolvenzverwalter – führt weiter die Geschäfte. Trotzdem genießt das Unternehmen für drei Monate Schutz vor dem Zugriff der Gläubiger, kann einen Insolvenzplan zur Sanierung aufstellen und neue Finanzierungskonditionen ausloten.

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Zur Seite steht Göppert der Insolvenzexperte Stefano Buck, Partner der Kanzlei Schultze & Braun. Buck sorgt als Sachwalter dafür, dass die Rechte der Gläubiger gewahrt bleiben. "Ich wache als eine Art Aufsichtsrat darüber, dass die Sanierung in die richtige Richtung läuft", sagt Buck. Bisher ist das Duo zufrieden: Läuft alles nach Plan, kann das zuständige Amtsgericht das Verfahren im Herbst wieder aufheben. Das Unternehmen hätte innerhalb weniger Monate und ohne Entlassungen die Krise gemeistert.

Damit könnte Helia zum Vorzeigefall der im März gestarteten Reform des deutschen Insolvenzrechts werden.

Das Ziel der Neuerungen: Kriselnde Unternehmen sollen sich früher als bisher Hilfe suchen. Denn vor allem aus Angst vor dem Kontrollverlust zögerten viele Geschäftsführer den Insolvenzantrag bisher möglichst lange hinaus. Die Insolvenz gelte als "Stigma", so Sanierungsexperte Frank Grell von der Kanzlei Latham & Watkins. Die Folge: "In aller Regel finden wir bei den Unternehmen kaum noch Substanz vor", sagt Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Zwar gab es auch in der Vergangenheit schon Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, bei der die Geschäftsführung das havarierte Unternehmen in eigener Regie sanierte.

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In der Praxis führten diese Verfahren jedoch ein Schattendasein. Das scheint sich nun zu ändern, zeigt eine Erhebung des Karlsruher Online-Informationsdienstleisters STP Portal, Betreiber der Plattform Insolvenz-Portal, für die WirtschaftsWoche. Demnach wurden seit März mehr als 70 vorläufige Eigenverwaltungen zugelassen, darunter prominente Unternehmen wie die Schuhhandelskette Leiser oder das Solarunternehmen Centrotherm. Im Gesamtjahr 2011 waren insgesamt nur zehn Verfahren als Eigenverwaltungen eröffnet worden. "Die neuen Instrumente werden bereits flächendeckend genutzt", sagt denn auch STP-Portal-Geschäftsführer Jens Décieux.

Laut Insolvenzexperten wie Alexandra Schluck-Amend, Partnerin bei CMS Hasche Sigle, finden auch ausländische Investoren Gefallen an der Reform. So sei es nun etwa einfacher geworden, Kredite in eine direkte Beteiligung am Unternehmen umzuwandeln.

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