Insolvenzstatistik: Bleibt die große Pleitewelle aus?

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Insolvenzstatistik: Bleibt die große Pleitewelle aus?

von Henryk Hielscher

Für 2013 hatten Konjunkturexperten deutlich mehr Insolvenzen vorausgesagt. Doch in den ersten Monaten 2013 präsentierten sich die deutschen Unternehmen erstaunlich robust.

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Für 2013 hatten Konjunkturexperten deutlich mehr Insolvenzen vorausgesagt. Bislang ist von der befürchteten Zunahme der Unternehmenshavarien jedoch wenig zu spüren.

An düsteren Prognosen mangelte es nicht: "Die deutsche Wirtschaft muss sich auch im nächsten Jahr auf eine Pleitewelle einstellen", hatten die Experten des Wirtschaftsdaten-Dienstleisters Creditreform Ende 2012 gewarnt: "Die deutsche Volkswirtschaft gerät zunehmend in den Sog der europäischen Staatsschuldenkrise." Der Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) ging von einem Anstieg der Pleitefälle von fünf bis zehn Prozent aus. Und auch bei der Auskunftei Bürgel rechneten die Experten mit "einem leichten Anstieg" der Firmeninsolvenzen.

Bislang ist von der befürchteten Zunahme der Unternehmenshavarien jedoch wenig zu spüren. Im Gegenteil: Eine exklusive Erhebung der Online-Plattform Insolvenz-Portal für wiwo.de ergibt vielmehr einen leichten Rückgang der Pleitefälle im ersten Quartal 2013. Der Betreiber der Plattform, der Karlsruher Informationsdienstleister STP Portal, wertete dafür sämtliche Veröffentlichungen deutscher Amtsgerichte zu Unternehmensinsolvenzen aus. Das Resultat: Zwischen Januar und März wurden vorläufige Insolvenzverfahren über insgesamt 1985 Unternehmen eingeleitet. Im Vorjahr waren es 2.270 vorläufige Verfahren im ersten Quartal. "Die Zahl der Insolvenzverfahren liegt weiter auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau", sagt denn auch STP-Portal-Geschäftsführer Jens Décieux.

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Zu den spektakulärsten Insolvenzen in dem Zeitraum gehörte die Pleite des Leuchtenherstellers Hess aus dem Schwarzwald. Der Betrieb sei nicht nur zahlungsunfähig, sondern auch überschuldet und obendrein ohne aussichtsreiche Fortführungsperspektive, musste die Gesellschaft  in einer Pflichtmitteilung an die Finanzwelt einräumen. Die Staatsanwaltschaft schaltete sich ein, und der Aufsichtsrat entließ die Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler. Anfang Februar drehten dann die Banken den Geldhahn zu - und Insolvenzverwalter Volker Grub übernahm das Kommando.

Für Schlagzeilen sorgte in den ersten Monaten 2013 auch das Insolvenz-Schutzschirmverfahren der Leipziger Solarion AG, das von dem Sanierungsexperten und Insolvenzverwalter Lucas Flöther als Sachwalter überwacht wird. Und auch der Überlebenskampf des Strumpfherstellers  Kunert, der von dem Neu-Ulmer Insolvenzspezialisten Arndt Geiwitz dirigiert wird, sorgte für Aufsehen.

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Obwohl sich die deutschen Unternehmen zum Jahresauftakt besser präsentierten als erwartet und die befürchtete Pleitewelle bislang ausblieb, wollen die STP-Experten noch keine Entwarnung für 2013 geben. Die Zahl der Insolvenzen sei zwar rückläufig, "ob der Trend anhält, ist allerdings fraglich", so Décieux.

Vor allem im April, der in den Zahlen nicht enthalten ist, zeigt sich bereits ein Anstieg der Pleitezahlen. "In der Energiebranche zählte sicherlich der Zusammenbruch der Flexstrom-Gruppe zu den spektakulärsten Insolvenzverfahren", sagt Décieux. Am 12. April meldeten der Energieanbieter und dessen Ableger Löwenzahn und OptimalGrün Insolvenz an, später kam FlexGas dazu.

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