Internet: Wie der Handel sich gegen Preisvergleiche wehrt

Internet: Wie der Handel sich gegen Preisvergleiche wehrt

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Der Handel wehrt sich gegen Preisvergleiche im Internet.

Für Verkäufer sind Online-Preisvergleiche ein Graus. Mit diesen Tricks umgehen sie die Internet-Suchmaschinen - und machen den Produktvergleich immer mühsamer.

Weihnachten naht: Höchste Zeit, Geschenke einzukaufen - und am besten vorher noch einen Preisvergleich im Internet zu machen. Doch das ist manchmal gar nicht so einfach. Ob Computer oder Fernseher, Wein oder Urlaubsreise - immer häufiger passiert es, dass Preissuchmaschinen bei der Suche nach günstigeren Angeboten passen müssen, weil es das Produkt nur bei einem Händler gibt.

Für den Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH), Kai Hudetz, ist die Entwicklung alles andere als überraschend. „Preistransparenz ist für den Kunden gut, für den Verkäufer nicht“, meint er. Deshalb gebe es in allen Branchen immer stärker das Bemühen, sich den Preisvergleichen zu entziehen.

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„Gerade bei Computern und technischen Geräten kommt es vor, dass Handelsketten Geräte bestellen, die sich in Kleinigkeiten der Technik oder in der Farbe von anderen Angeboten unterscheiden. Das Gerät bekommt dann eine neue Nummer und schon ist es nicht mehr vergleichbar“, beschreibt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen das Vorgehen.

Was Sie bei der Preisjagd auf Vergleichsportalen beachten sollten

  • Mehrere Suchmaschinen

    Die Stiftung Warentest rät Verbrauchern, immer mehrere Suchmaschinen zu benutzen, um den gesamten Markt abzubilden. Vor der Eingabe persönlicher Daten sollten Kunden sich in den Geschäftsbedingungen vergewissern, dass diese nicht an Dritte weitergegeben werden.

  • Reisen

    Wer günstig fliegen möchte, sollte bei Portalen suchen, die reine Preisvergleiche anbieten. Die Stiftung Warentest empfiehlt die Google-Flugsuche oder Swoodoo im Gegensatz zu den digitalen Reisebüros expedia.de oder opodo.de, die eine Provision für die Vermittlung nehmen. Verbraucher sollten den gefundenen Preis dann mit dem Angebot vergleichen, das der jeweilige Reiseanbieter auf seiner Internet-Seite direkt macht. Zusätzlich sollten Kunden darauf achten, welche Leistungen genau im Preis enthalten sind.

  • Stromanbieter

    Bei der Suche nach dem günstigsten Tarif ist bereits bei den Voreinstellungen der Portale Vorsicht geboten, warnt die Verbraucherzentrale NRW: Die seien oft so gewählt, dass bei den vordersten Suchergebnissen Lockangebote landeten von Anbietern, welche für die Vermittlung eine Provision an das Portal zahlen. Um günstige und faire Angebote zu finden, sollten Verbraucher die Häkchen bei den Einstellungen selbst setzen und etwa „Alle Boni und Rabatte in die Gesamtkosten einrechnen“ anklicken und „Alle Tarife“ anzeigen lassen, um den wahren Endpreis zu sehen. Oft stünden wirklich günstige Tarife erst an vierter bis zehnter Stelle. Bei verivox.de etwa werden bei den Suchergebnissen ganz oben Anzeigen von Unternehmen geschaltet, die oft teurer sind als andere Anbieter. Immerhin bietet Verivox aber bei den Voreinstellungen eine „Stiftung-Warentest-Empfehlung“ an. Bei Vorkasse-Tarifen droht bei einer Anbieterpleite Geldverlust.

  • Finanzen

    Bei der Suche nach Tagesgeldzinsen ist wichtig, sich die Konditionen anzuschauen, rät die Verbraucherzentrale NRW: Wie hoch ist die Einlagensicherung? Wann werden die Zinsen gezahlt? Ist die Service-Hotline auf Deutsch und kostenlos? Dies kann bei den Sucheinstellungen berücksichtigt werden.

Doch sind es nicht nur Elektronikmärkte, die so agieren. Weinhändler locken mit „Sonderabfüllungen“ und eigenen Etiketten, Reiseveranstalter mit Exklusivhotels und maßgeschneiderten Reisen. Bei verschiedenen Möbelhändlern kann Tryba zufolge das gleiche Produkt unter ganz unterschiedlichen Namen auftauchen. „Teilweise verschleiern die Hersteller bewusst, dass es sich um den gleichen Artikel handelt, um einen Preisvergleich zu verhindern“, meint der Verbraucherschützer.

Notwehr gegen Preisspirale

In den Augen des Handelsexperten Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein ist es fast schon eine Art Notwehr des Handels. „Durch die leichte Vergleichbarkeit der Angebote im Internet ist eine Preisspirale nach unten in Gang gesetzt worden, die bei den Händlern auf der Ertragsseite zu großen Problemen führt. Deshalb muss man als Online-Händler mit allen Mitteln aus der Vergleichbarkeit heraus“, meint er. Für Online-Händler gelte der Grundsatz: „Je weniger vergleichbar, desto besser.“ Dies sei auch ein Grund, warum Anbieter wie Ikea oder H&M, die ausschließlich eigene Produkte vermarkten, deutlich besser unterwegs seien, als klassische Händler.

Manche Kunden zahlen mehr als andere Wie Online-Händler ihre Preise manipulieren

Online-Händler passen sich neu an jeden Kunden an: Sie verändern Werbung, Angebot – und auch den Preis. Eine Studie zeigt, dass das Gefühl, nicht immer den „richtigen“ Preis zu zahlen, nicht täuscht.

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Für den Verbraucher ist der Trend weg vom Standardprodukt allerdings lästig. „Es hilft nichts, man muss sich informieren, sich mit dem Produkt auseinandersetzen“, betont Tryba. Es gehe darum, nicht nur den Namen des Produkts zu kennen, sondern auch zu wissen, was sich dahinter verberge. Bei einem Computer seien etwa die Schnelligkeit des Prozessors und der Grafikkarte, die Größe der Festplatte und die vorinstallierte Software wichtig. Wenn man dann genau wisse, was man wolle, sollte man gleich zwei oder drei Preissuchmaschinen nutzen, um einen Marktüberblick zu bekommen, rät er. „Dann wird man in der Regel einen vernünftigen Preis bekommen.“

An dieser Mühe dürfte in vielen Fällen kein Weg vorbeiführen. Denn übersichtlicher dürfte der Markt in Zukunft kaum werden. Im Gegenteil: Handelsexperte Hudetz ist sich sicher: „Die Bemühungen, mit möglichst großen Teilen des Sortiments aus der Vergleichbarkeit herauszukommen, werden noch deutlich steigen.“

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