Jörg Funder: "Die Schlecker-Sanierung ist eine Herkulesaufgabe"

Jörg Funder: "Die Schlecker-Sanierung ist eine Herkulesaufgabe"

von Henryk Hielscher

Welche Probleme müssen der Insolvenzverwalter und das Management bei der Schlecker-Sanierung zuerst angehen? WirtschaftsWoche Online sprach mit Jörg Funder, Experte für Unternehmensführung im Handel.

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Jörg Funder ist Professor für Unternehmensführung im Handel und außerdem geschäftsführender Direktor des Instituts für Internationales Handels- und Distributionsmanagements (IIHD) an der Hochschule Worms.

Herr Funder, Schlecker hat Insolvenz angemeldet. Woran ist der Konzern gescheitert?

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Bei fast allen wirtschaftlich relevanten Kriterien haperte es zuletzt. Die Performance war schlecht. So hatte Schlecker sowohl beim Durchschnittsbon als auch bei der Kundenfrequenz das Nachsehen gegenüber Wettbewerbern wie dm und Rossmann. Die Kunden gaben auch weniger aus. Schlecker-Kunden kaufen gerade mal für durchschnittlich sieben Euro bei der Kette ein, rund zwei Euro weniger als Kunden von dm und Rossmann.

Kein Wunder, viele Läden waren auch alles andere als attraktiv für die Kunden.

Sowohl dm als auch Rossmann haben in den letzten Jahren konsequent die Strategie verfolgt, bessere Standorte mit hoher Kundenfrequenz und höherwertige Formate zu entwickeln, währenddessen hat Schlecker lange am Hart-Discount Konzept an geringwertigeren Standorten und in Vororten festgehalten. Mit durchschnittlich rund 200 Quadratmetern waren Flächen zu klein um komplexe Warenbilder zu zeigen und Sortimentskompetenz zu demonstrieren. Nur knapp 4.000 Artikel führte eine durchschnittliche Schlecker Filiale und damit zu wenige um sich im Wettbewerb wirklich positionieren zu können. Zum Vergleich: dm führt rund 12.000 Artikel.

Wie haben sich die Skandale und das schlechte Image von Schlecker ausgewirkt?

Die Einschätzungen von Kunden über Einkaufsfreude, Sortimentskompetenz und Service sind bei Schlecker unterdurchschnittlich. Die Hamburger Drogeriemarktkette Budnikowski und dm sind dagegen die klaren Zufriedenheitsführer der Branche. Der Name Schlecker ist zwar überall bekannt, der Konzern war aber nicht in der Lage seine Markenbekanntheit in eine loyale Kundschaft zu überführen. In einer repräsentativen Umfrage von 1.000 Drogeriemarktkunden kannten einhundert Prozent der Befragten Schlecker. Nur schlappe neun Prozent sind vom Leistungsversprechen Schleckers aber so überzeugt, dass sie auch kontinuierlich dort einkaufen.

Der Konzern hatte in den vergangenen Monaten ein neues Ladenkonzept gestartet. Die Läden sollten freundlicher und heller werden. War das der richtige Weg?

Der Fokus auf ein neues, zukunftsträchtiges Filialkonzept ist im Grunde richtig, ob die gewählte Art der Neuausrichtung aber die richtige war, würde ich jedoch in Frage stellen. Einen grundlegenden Wandel sehe ich nicht, das konkrete Werteversprechen und wie sich dies in Sortiment, Preis, Filialstandort und –Gestaltung übersetzt bleibt unklar.

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