Kaffee-Dynastie Reimann: Deutschlands geheimnisvollste Milliardäre investieren in Brasilien

Kaffee-Dynastie Reimann: Deutschlands geheimnisvollste Milliardäre investieren in Brasilien

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JAB hat in Brasilien zugekauft.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Die Industriedynastie Reimann stärkt ihr Lateinamerika-Geschäft mit dem Kapselgeschäft des Kaffee-Riesen Cia Cacique. Damit kommt sie ihrem Ziel der Marktführerschaft wieder ein Stück näher.

Als Peter Harf vor rund fünf Jahren ins Kaffeegeschäft einstieg, wurde er von vielen ein wenig belächelt. Sicher, der heute 70-Jährige hatte als oberster Vermögensverwalter der deutschstämmigen Milliardärsdynastie Reimann damals bereits mehrfach sein Gespür für gute Deals bewiesen. Fast aus dem Nichts hatte der ehemalige Berater der Boston Consulting Group in 30 Jahren ein damals mindestens 15 Milliarden Euro schweres Konsumgüterreich geschaffen. Kern sind gut 200 Topmarken von Putzmitteln wie Sagrotan bis zu den schönen Dinge des Lebens wie Prominenten Parfüms á la Calvin Klein oder Jimmy-Choo-Edel-Schuhe.

Das überzeugte nicht alle. „Den ebenso komplexen wie zersplitterten Markt Kaffee zu einen, das erschien uns angesichts der hohen Kosten riskant bis unmöglich“, so der Chef eines großen europäischen Kaffeeriesen.

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Doch spätestens heute hat Harf wieder gezeigt, dass es für ihn als Jahrgangsbester an der Universität zu Köln kein „unmöglich“ gibt, sondern nur ein schwierig – und das übersetzt der Absolvent der Harvard Business School in den USA nun mal mit „besonders reizvoll“.

Gerade hat die von Harf geleitete JAB Holding Company wieder mal im Kaffeegeschäfts zugekauft. Stimmen die Wettbewerbshüter zu, wird die Jacobs Douwe Egberts genannte Beteiligung vom brasilianischen Marktführer Cacique das Geschäft mit Kaffeekapseln und allem anderen anregenden abseits des Instantkaffees übernehmen. Damit wird die Gruppe, die hier in Europa die Marken Jacobs, Senseo oder Tassimo im Angebot hat, nun auch im größten Exportland des weltweit beliebtesten Genussmittels einer der Marktführer – sowie wie sie es bereits in mehr als 100 anderen Ländern in allen Erdteilen geschafft hat.

Das bringt Harf und seine beiden Partner Bart Becht und Olivier Goudet, denen die Reimanns zusammen rund acht Prozent der gut 30 Milliarden Euro wertvollen JAB überließen, ihrem wichtigsten Ziel näher: Einen – und wenn möglich den – Weltmarktführer beim Kaffee zu schaffen – so wie ihnen das bereits mit ihrer Beteiligung Coty im Parfümmarkt gelungen ist.

Das Reimann-Reich

  • JAB Holding Company

    Eigentümer: Renate Reimann-Haas, Wolfgang Reimann, Stefan Reimann-Andersen, Matthias Reimann-Andersen (zu 92 Prozent), Senior Partner Peter Harf, Bart Becht, Olivier Goudet (zu acht Prozent)

    Sitz: Luxemburg

    Zweck: Sammelt Erträge und schüttet an Anteilseigner aus

    Kapital: 18,9 Milliarden Euro

    Überschuss: 2,6 Milliarden Euro

  • JAB Investments und JAB Holdings

    Eigentümer: JAB Holding Company (zu 100 Prozent)

    Sitz: Luxemburg (JAB Investments), Niederlande (JAB Holdings)

    Zweck: Bündelung der Beteiligungen

  • Acorn Holdings

    Hält den Kaffeekonzern Jacobs Douwe Egberts

    Sitz: Niederlande

    Marken: Jacobs, Senseo, Tassimo, Douwe Egberts, Keurig

    Wert: 9,7 Milliarden Euro

    Verlust: 253 Millionen Euro

    Anteil der Reimanns: 64,7 Prozent

  • JAB Beech

    Sitz: USA

    Marken: Peet's, Caribou, Einstein Noah, Stumptown, Intelligentsia

    Wert: 1,8 Milliarden Euro

    Verlust: 92 Millionen Euro

    Anteil der Reimanns: 71,7 Prozent

  • JAB Coffee Holdings

    Sitz: Niederlande

    Marken: Espresso House, Baresso

    Wert: 0,2 Milliarden Euro

    Gewinn: 0 Millionen Euro

    Anteil der Reimanns: 52 Prozent

  • Reckitt Benckiser

    Sitz: Großbritannien

    Marken: Sagrotan, Vanish

    Wert: 6,3 Milliarden Euro

    Gewinn: 117 Millionen Euro

    Anteil der Reimanns: 10,5 Prozent

  • Coty

    Sitz: USA

    Marken: Adidas, Calvin Klein, Davidoff, Rimmel

    Wert: 6,3 Milliarden Euro

    Gewinn: 237 Millionen Euro

    Anteil der Reimanns: 79,7 Prozent

  • JAB Luxury

    Sitz: Schweiz

    Marken: Bally, Jimmy Choo und Belstaff

    Wert: 0,1 Milliarden Euro

    Verlust: 189 Millionen Euro

    Anteil der Reimanns: 100 Prozent

Hinter dem Kaufrausch steht ein Dreistufenplan: Die zersplitterte und zum großen Teil fast mittelständisch organsierte Kaffeebranche industrialisieren und aus mittelständischen Betrieben eine weltweit führende Gruppe formen, die dank eines neuen Konzepts den Gewinn steigert. Und das Ganze mit so vielen kleinen lokalen Marken, dass JAB dem Marktführer Nestlé mit seinem weltweit fast einheitlichen Angebot an Kapseln nicht ins Gehege zu kommt. Das vermeidet Preiskämpfe, die nur auf den Gewinn drücken.

Dafür ging JAB ein hohes Risiko ein. Für ihr Kaffeereich hat die in Amsterdam ansässige Holding seit 2012 für bald 40 Milliarden Dollar mehr als ein Dutzend Beteiligungen gekauft.

Doch die Rückendeckung ihrer Investoren haben Harf und seine Kollegen nicht nur gewonnen, sondern auch ausgebaut. Das gilt nicht nur für das Vertrauen der Familie, sondern auch das der anderen Geldgeber von Promis wie der Investorenlegende Warren Buffett und dem kolumbianisch-amerikanischen Milliardär Alejandro Santo Domingo bis zu den namenlosen Geldgebern, die JAB im vergangenen März gut fünf Milliarden Dollar in Form von Anleihen gepumpt haben.

Kaffee Wie die Reimanns gegen Starbucks und Nestlé antreten

Für 32 Milliarden Euro hat Deutschlands diskreteste Industriedynastie in den vergangenen Jahren Kaffeemarken gekauft. Manager Peter Harf soll das größte Kaffeeimperium der Welt formen – nicht nur zum Nutzen der Familie.

Kaffeeimperium der Familie Reimann. Quelle: REUTERS

Denn am Dienstag bescheinigte die führende amerikanische Ratingagentur Moody's JAB gute Arbeit und bewertete die Anleihe nun eine Stufe höher mit Ba2. „Sie haben die Profitabiltät gesteigert und den Cash-Flow verbessert“, schreibt Brian Weddington, Senior Credit Officer von Moody's, in einer aktuellen Studie. „Dazu hat die Gruppe in großem Stil das im Betrieb gebundene Kapital reduziert und Schulden abgebaut.“

Damit dürfte die Einkaufstour der JAB noch lange nicht zu Ende sein. Denn noch gibt es einige weiße Flecken im Reimann-Reich. Neben China ist das etwa Deutschland. „Unser Spielplatz ist zwar die Welt“, sagt Harf. „Aber wir werden auch in Deutschland mit neuen Angeboten experimentieren und suchen derzeit ein Konzept, das funktioniert. Haben wir das, investieren wir massiv in Deutschland.“

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