Kaffee, Nudeln, Suppe: Ist Japans Automaten-Boom vorbei?

Kaffee, Nudeln, Suppe: Ist Japans Automaten-Boom vorbei?

, aktualisiert 20. Mai 2017, 09:34 Uhr
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Fünf Millionen dieser „jido hambaiki“ stehen in Japan - auch in Deutschland wächst der Vending-Markt stetig.

Quelle:Handelsblatt Online

Sie verkaufen Kaffee, grünen Tee oder auch Porno-Hefte: Japan ist ein Wunderland der Selbstbedienungsautomaten. Gerade für Getränkehersteller ist das ein gutes Geschäft. Doch die Maschinen bekommen Konkurrenz.

Tokio/BerlinIn Japan sind sie so allgegenwärtig wie Ampeln: Verkaufsautomaten. Mit fast fünf Millionen „jido hambaiki“ ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt gepflastert. Auf rund 25 Einwohner kommt ein Automat, womit die fernöstliche Hightech-Nation weltweit die höchste Dichte mit Verkaufsautomaten hat. Rund die Hälfte davon sind Getränkemaschinen.

Bis zu 30 verschiedene Getränke haben solche Maschinen im Angebot - Wasser, Softdrinks, grünen Tee, Suppen und heißen Kaffeedosen, von bitter bis süß, mit Milch oder ohne. Alles in ein einem Automaten. Praktischer geht es nicht.

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Die Boomzeiten der „jido hambaiki“ aber scheinen vorüber. Convenience Stores, 24 Stunden-Supermärkte, machen den Automaten zunehmend Konkurrenz. Doch die Hersteller wollen den „kombini“ Paroli bieten.

„Früher habe ich Dosenkaffee getrunken“, erzählt ein Büroangestellter in Tokio. Doch inzwischen böten die Läden frisch gemahlenen Kaffee an. Und der sei nicht nur günstig, sondern schmecke auch besser als der Dosenkaffee aus den Automaten.

Das bekommen die Getränkehersteller zu spüren: Im vergangenen Jahr sank der Umsatz mit Getränkeautomaten auf zwei Billionen Yen (16 Milliarden Euro). 1995, als die „jido hambaiki“ ihren vorläufigen Zenit erreichten, waren es noch 3,1 Billionen Yen an Umsatz gewesen.

Neben den klassischen Getränkeautomaten gibt es noch einmal so viele Maschinen, die die unterschiedlichsten Produkte anbieten: Von Eis, Gemüse und Obst, Taschentüchern, Instant-Nudeln mit gekochtem Wasser, Batterien, Strümpfen bis hin zu Kondomen und Porno-Zeitschriften.

Kauften die Japaner Mitte der 1990er Jahre noch 48 Prozent ihrer Erfrischungsgetränke an Automaten, waren es im vergangenen Jahr nur noch 29 Prozent, wie aus Statistiken des Getränke-Forschungsinstituts Inryo Soken hervorgeht. Damit liegen die Automaten nur noch knapp vor den Kombini-Märkten, auf die 22 Prozent entfielen. Trotz der Konkurrenz hält die Branche an Automaten fest.

Die Gewinnmarge sei hoch, erklärt Kazuhiro Miyashita vom Institut Inryo Soken. Automaten benötigten zudem kein Personal. „Daher sind Automaten für viele Getränkehersteller wichtig“, so Miyashita. Und damit die Automaten für die Gesellschaft weiter attraktiv bleiben, lassen sich die Hersteller immer wieder Neues einfallen.

So gibt es Automaten, die sich mit den Kunden unterhalten und ihnen passende Getränke empfehlen. Kameras mit Gesichtserkennungssoftware „erkennen“ dann mit hoher Wahrscheinlichkeit das Geschlecht und Alter der Kunden, der Automat bezieht auch die Tageszeit und Außentemperatur in seine Empfehlung ein.


Automaten-Geschäft wächst in Deutschland nur langsam

In Deutschland sind die Automaten noch nicht ganz so modern, der Vending-Markt, wie Experten ihn nennen, wächst in Deutschland aber - „zwar langsam, aber stetig“, sagt Nathalie Knipp vom Bundesverband der Deutschen Vending-Automatenwirtschaft. 2015 wurden in Deutschland 5,4 Milliarden Getränke und Snacks aus einem Automaten konsumiert - 14,9 Millionen am Tag. Das ist im europäischen Vergleich ein Spitzenwert.

Bundesweit gibt es etwas mehr als eine halbe Million Automaten, die meisten bieten Heiß- und Kaltgetränke an, nur 89.000 Snacks. Rund 80 Prozent der Geräte stehen in Büros, der Rest in Bereichen, die für mehr Menschen zugänglich sind, also an Bildungsstätten, Krankenhäusern, Verkehrspunkten oder öffentlichen Plätzen.

In ländlichen Regionen verschieben einige Landwirte mit Hofladen ihre Produkte außerhalb der Öffnungszeiten in besondere Automaten, auch Bäcker oder Metzger bieten so Waren an. In Zukunft sollen die Geräte auch hierzulande moderner werden und mit weiteren Bezahlmöglichkeiten und Touchscreens ausgestattet werden. In Japan gibt es all das schon.

Dort hat man zudem Automaten, die als Beitrag zur Katastrophenhilfe zum Beispiel bei einem schweren Erdbeben Getränke kostenlos zur Verfügung stellen. Nach der Tsunami-Katastrophe im März 2011 im Nordosten des Landes wurden auf diese Weise mehr als 100.000 Getränke in der Region bereitgestellt. Andere verbreiten über angebrachte Displays Nachrichten und notfalls auch Anweisungen zur Evakuierung. Selbst an die Installierung von medizinischen Geräten zur Behandlung von Herzrhythmusstörung wird gedacht.

Die Fantasie scheint keine Grenzen zu kennen. Die Zukunft der Automaten hänge davon ab, ob sie einen Mehrwert für die Bevölkerung haben, erklärt Shoji Yamamoto, Professor an der Kwansei Gakuin University und Experte für Marketing und Verbraucherverhalten. Doch mit der Errichtung neuer Automaten halten sich die japanischen Hersteller angesichts der Konkurrenz durch den Kaffee der Kombini-Supermärkte insgesamt zurück. 2016 zählte das Land noch 2,47 Millionen Getränkeautomaten - 2,9 Prozent weniger als im Vorjahr.

Quelle:  Handelsblatt Online
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