Kaiser's Tengelmann: Das lange Warten auf die Einigung

Kaiser's Tengelmann: Das lange Warten auf die Einigung

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Zahlreiche Filialen der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann sind von der Schließung bedroht.

Neuer Anlauf zur Rettung möglichst vieler Arbeitsplätze. Heute wollen sich die Chefs von Tengelmann, Edeka und Rewe unter Leitung von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder zu einer dritten Schlichtungsrunde zusammensetzen.

Bei den Verhandlungen über die Zukunft der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann hat es bislang noch keinen Durchbruch gegeben. "Es gibt keine Einigung", sagte ein Rewe-Sprecher am Sonntag. Die "Bild am Sonntag" (BamS) hatte zuvor berichtet, Edeka-Chef Markus Mosa und Rewe-Chef Alain Caparros hätten sich weitgehend auf eine Aufteilung der Filialen in Berlin und Bayern verständigt. Dagegen sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters, es sei noch immer völlig offen, ob es Altkanzler Gerhard Schröder gelingen werde, als Schlichter eine Einigung zwischen Rewe, Edeka und Tengelmann zu vermitteln. Schröder hat für Montag weitere Gespräche angesetzt.

„Wir hoffen, dass es am Montag eine Lösung gibt. Wenn es Dienstag wird, bin ich auch nicht traurig, aber allen Beteiligten ist klar, dass die Zeit drängt“, sagte der Betriebsratschef von Kaiser’s Tengelmann in Nordrhein-Westfalen, Rainer Schroers, zuvor der WirtschaftsWoche. „Eine Einigung ist überfällig. Es muss jetzt zeitnah eine Lösung gefunden werden“, bekräftigte auch die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Janetta Jöckertitz gegenüber dem Magazin. „Solange die Herren miteinander reden, ist eine Einigung möglich.“ Ziel bleibe es, dass nicht nur die Filialen der Supermarktkette übernommen werden, sondern auch Unternehmensteile wie Logistik, Verwaltung und Fleischwerke. „Das geht nur auf Basis der Ministererlaubnis“, so Jöckertitz.

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Die offenen Fragen zur Schlichtung im Fall Kaiser's Tengelmann

  • Was bedeutet Schröders Versuch für die Beschäftigten?

    Zumindest wieder ein Stück Hoffnung. Die Verhandlungen zwischen Tengelmann, Edeka und Rewe schienen zuletzt völlig festgefahren. Und um die Haupt-Streithähne, Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub und Rewe-Chef Alain Caparros zu einem Einlenken zu bewegen, braucht es wohl jemanden mit der Verhandlungserfahrung und der persönlichen Ausstrahlung des früheren Bundeskanzlers. Jetzt gebe es eine echte Chance auf eine Einigung, meint Verdi-Chef Frank Bsirske. Ein Manko ist allerdings, dass Schröder mit dem Thema Einzelhandel nicht wirklich vertraut ist. Doch bekommt er Rückendeckung vom langjährigen Vorsitzenden des Sachverständigenrates, Bert Rürup.

  • Was ist das größte Problem, das Schröder lösen muss?

    Nachdem Norma und Markant ihre Klagen gegen die Ministererlaubnis für die Übernahme von Kaiser's Tengelmann zurückziehen wollen, geht es vor allem noch darum einen Kompromiss mit Rewe zu finden. Denn solange Rewe an seiner Klage gegen die Ministererlaubnis für den Zusammenschluss von Edeka und Kaiser's Tengelmann festhält, ändert sich an der rechtlichen Situation nichts. Die Eilentscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf, mit der die Ministererlaubnis für den Zusammenschluss vorläufig gestoppt wurde, bleibt in Kraft.

  • Warum zieht Rewe seine Klage nicht zurück?

    Dem Handelskonzern geht es um die Sicherung seiner Marktposition. Der Rivale Edeka ist schon heute mit Abstand Deutschlands größter Lebensmittelhändler - und Rewe will nicht weiteren Boden verlieren. Genau das aber würde bei einer Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch den Marktführer geschehen. Dabei geht es nicht nur ums Image, sondern auch um Einkaufskonditionen und Wettbewerbsfähigkeit. Denn je größer ein Händler ist, desto günstigere Einkaufspreise kann er für sich bei den Herstellern durchsetzen.

  • Wie könnte ein Kompromiss aussehen?

    Erste Ideen dazu gab es schon beim Spitzengespräch der Chefs von Tengelmann, Edeka und Rewe unter Vermittlung der Gewerkschaft Verdi vor einigen Wochen. Damals stand die Idee im Raum, Rewe könnte die Kaiser's-Tengelmann-Filialen im Großraum Berlin und in Nordrhein-Westfalen übernehmen, Edeka dagegen Geschäfte in München und Oberbayern, wie Rewe-Chef Alain Caparros kürzlich verriet.

  • Und warum wurde daraus nichts?

    Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen sind die rechtlichen Hürden, eine solche Aufteilung umzusetzen, beträchtlich. So sieht die Ministererlaubnis eine Weitergabe der Filialen eigentlich nur in Einzelfällen vor. Zum anderen hätte bei der Übernahme zahlreicher Filialen durch Rewe auch das Bundeskartellamt wieder ein Wort mitzureden. Diese Risiken erschweren eine Einigung.

  • Gibt es keine andere Kompromissmöglichkeit?

    Doch. Theoretisch könnte sich Rewe auch mit einer Millionenzahlung abfinden lassen. Doch hat Caparros eine solche Einigung bislang abgelehnt. „Wir brauchen kein Geld. Wir kämpfen darum, eine kritische Größe zu behalten“, sagte er neulich.

  • Was ist das größte Hindernis für eine Einigung?

    Fehlendes Vertrauen. Mit Haub und Caparros treffen zwei starke Persönlichkeiten aufeinander, deren Verhältnis von Misstrauen geprägt ist. Haub wirft dem Rewe-Chef „Zerstörungswut“ vor und macht keinen Hehl daraus, dass er die bisherigen Angebote des Managers zur Rettung von Kaiser's Tengelmann für schlichtweg „unseriös“ hält. Caparros wirft Haub seinerseits vor, „sich als Sonnenkönig aufzuführen“ und die Suche nach einer Lösung für dessen eigenes Unternehmen seit Jahren zu torpedieren.

Bislang gibt es den Insidern zufolge auch keine weitgehende Verständigung auf eine Aufteilung der defizitären Supermarktkette Kaiser's Tengelmann mit mehr als 15.000 Beschäftigten. Auch Kaufpreise und Lastenteilung seien noch völlig unklar. Sprecher von Edeka, Tengelmann, Verdi und des Bundeswirtschaftsministeriums äußerten sich nicht oder waren nicht zu erreichen.

"Es ist keine rasche Einigung abzusehen", sagte ein weiterer Insider. Es gebe zudem keine Verständigung zu den Filialen in Berlin und Bayern, auch sei noch offen, was mit den Märkten in Nordrhein-Westfalen geschehen solle. Zudem müsse für den Fall einer möglichen Übereinkunft Rechtssicherheit für alle beteiligten Unternehmen herrschen, sagte eine weitere mit den Gesprächen vertraute Person. Auch diese Frage sei noch offen: "Die Lage ist verworren." Rewe, Edeka und Tengelmann wollten aber weiter einen Lösungsweg finden. Es sei indes unklar, ob dies gelingen werde.

Die "BamS" berichtete, Rewe solle den Großteil der Läden in der Hauptstadt erhalten, Edeka im Gegenzug fast alle Filialen in Bayern. Keine Einigung gebe es hingegen beim Standort Nordrhein-Westfalen, der als Knackpunkt bei den Verhandlungen gelte. Die dortigen knapp 100 Filialen sind die größten Verlustbringer bei Kaisers Tengelmann. Hinzu kämen das Fleischwerk in Viersen und die Verwaltung in Mülheim/Ruhr. Weder Edeka noch Rewe hätten Interesse an dem maroden NRW-Geschäft, auch weil sie die dortigen Mitarbeiter für einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren übernehmen müssten, heißt es in dem Blatt. Die beiden Supermarkt-Konzerne würden die Filialen in Berlin und Bayern allerdings nur bekommen, wenn sie sich auf eine Aufteilung der NRW-Läden einigen könnten.

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub will Kaiser's Tengelmann als Ganzes an den Branchenprimus Edeka veräußern. Vor mehr als zwei Jahren hatte er die Transaktion besiegelt, Konkurrent Rewe hatte das Nachsehen. Das Bundeskartellamt legte sein Veto gegen die Pläne ein, doch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel überstimmte die Wettbewerbshüter mit einer Sondererlaubnis. Das Oberlandesgericht Düsseldorf wiederum legte diese Ministererlaubnis nach Klagen von Norma, Markant und Rewe auf Eis. Der Discounter Norma und die Handelskooperation Markant haben ihre Beschwerden inzwischen zurückgezogen.

Kaiser´s Tengelmann Betriebsräte hoffen auf Einigung am Montag

Im Dauerstreit um die Zukunft der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann hoffen die Beschäftigten des Unternehmens den Betriebsräten zufolge auf einen Durchbruch bei den Schlichtungsgesprächen.

Kaiser´s-Filiale in Berlin. Quelle: dpa

Gabriels Sondererlaubnis kann aber nur in Kraft treten, wenn auch Rewe einlenkt. Andernfalls will Haub die Filialen einzeln verkaufen. Für die Märkte in Nordrhein-Westfalen hat er bereits Offerten eingeholt. Rewe, Edeka und Tengelmann ringen nun unter Vermittlung Schröders weiter um eine Lösung. Diese müsste dann auch noch vom Bundeskartellamt genehmigt werden - und so gestaltet werden, dass nicht weitere Klagen von Wettbewerbern folgen können. Es sei noch völlig unklar, ob dies gelingen werde, sagte einer der Insider. Voraussichtlich werde am Montag noch keine Lösung gefunden werden: "Das wird noch einige Zeit brauchen - wenn es überhaupt gelingt."

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

  • Platz 10

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    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 22,79 Milliarden Euro (Schätzung)

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  • Platz 2

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    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,57 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 1

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    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 48,27 Milliarden Euro

    Quelle: TradeDimensions / Statista

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