Kaiser’s Tengelmann: Eine Übernahme um jeden Preis?

Kaiser’s Tengelmann: Eine Übernahme um jeden Preis?

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Angestellte der Kaiser's Tengelmann GmbH bei der Betriebsversammlung am Logistikzentrum in Viersen.

von Niklas Dummer

Rewe und Co. sind bereit, ihren Widerstand gegen die Tengelmann-Übernahme durch Edeka aufzugeben. Das dürfte für Edeka allerdings teuer werden. Dass am Ende eine Einigung erzielt wird, ist keineswegs ausgemacht.

Am Ende könnte Karl-Erivan Haub, Chef der Tengelmann-Gruppe, doch noch seinen Willen bekommen. Sprich: seine Supermarktkette als Ganzes an Edeka zu veräußern. So zeigte er sich nach dem Runden Tisch am Donnerstag „vorsichtig optimistisch“, dass eine Lösung für alle Mitarbeiter erreicht werden könnte“, schrieb er an seine Belegschaft.

Die Hängepartie bei Kaiser's Tengelmann

  • 7. Oktober 2014

    Der Handelskonzern Tengelmann teilt mit, seine Supermärkte an Edeka verkaufen zu wollen. Die verbliebenen rund 450 Kaiser's-Tengelmann-Filialen, die seit Jahren rote Zahlen schreiben, sollen bis Mitte 2015 komplett an den deutschen Marktführer gehen.

  • 1. April 2015

    Das Bundeskartellamt untersagt Edeka die Übernahme. Die Behörde befürchtet Preiserhöhungen und weniger Wettbewerb.

  • 29. April 2015

    Tengelmann und Edeka wollen das Veto des Kartellamts nicht hinnehmen. Sie beantragen eine sogenannte Ministererlaubnis für den Zusammenschluss.

  • 17. März 2016

    Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) gibt grünes Licht für die Übernahme - unter harten Auflagen. So muss Edeka den Erhalt von über 15 000 Jobs bei Kaiser's Tengelmann für mindestens sieben Jahre garantieren.

  • 21. März 2016

    Edeka-Konkurrent Rewe legt beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde gegen die Ministererlaubnis ein, wie auch Markant und Norma.

  • 12. Juli 2016

    Das Oberlandesgericht stoppt die Ministererlaubnis vorläufig. Die Ausnahmegenehmigung Gabriels sei rechtswidrig. Er habe sich in dem Verfahren befangen und nicht neutral verhalten.

  • 13. Juli 2016

    Gabriel wirft dem Gericht schwere Versäumnisse vor. Das Urteil enthalte falsche Behauptungen.

  • 4. August 2016

    Edeka geht juristisch gegen den Stopp der Fusion durch das Oberlandesgericht vor. Das Unternehmen reicht eine Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof (BGH) ein. Der BGH will darüber am 15. November entscheiden.

  • 8. August 2016

    Auch Gabriel legt Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Gerichts ein. Darüber soll ebenfalls Mitte November entschieden werden. Kaiser's Tengelmann läuft unterdessen die Zeit davon.

  • 22. September 2016

    Die Chefs von Tengelmann, Edeka und Rewe sowie Vertreter von Verdi wollen sich zu einem Rettungsgespräch treffen.

  • 23. September 2016

    Der Aufsichtsrat von Kaiser's Tengelmann soll angesichts hoher Verluste über die Schließung von Filialen und den Abbau Tausender Arbeitsplätze beraten. Damit würde der Deal mit Edeka platzen und die Kette wohl zerschlagen.

  • 6. Oktober 2016

    Bei einem zweiten Spitzentreffen vereinbaren die Supermarktchefs überraschend, dass die Edeka-Konkurrenten ihre Klage zurückziehen und damit den Weg frei machen für die Übernahme. Sie geben sich Zeit bis zum 17. Oktober.

  • 13. Oktober 2016

    Die Verhandlungen zwischen den Chefs von Tengelmann, Edeka, Rewe und Verdi sind gescheitert. Die Supermarktkette wird nun zerschlagen. Noch am Abend bereitet Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub die Mitarbeiter auf den Verlust vieler Arbeitsplätze vor.

Günstig werden dürfte das für ihn und Edeka-Chef Markus Mosa allerdings nicht. Zwar haben sich beide mit den Vertretern von Rewe, Markant, Norma und Verdi beim Gipfeltreffen darauf geeinigt, binnen zehn Tagen eine Einigung finden zu wollen, die den Bedingungen der Ministererlaubnis nicht zuwiderläuft und die alle Beteiligten zufriedenstellt.

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Aber ohne eine entsprechende Gegenleistung werden Rewe, Markant und Norma kaum ihre Klage gegen die Ministererlaubnis zurückziehen und eine Übernahme durch Edeka ermöglichen. Die wichtigsten Antworten zum Fusionsdebakel. 

Sind die Arbeitsplätze bei Kaiser’s Tengelmann nun sicher?

Zumindest aufatmen können die rund 15.000 Angestellten bei Kaiser’s Tengelmann. Fürs Erste. Sollten sich die Beteiligten, wie es ihre Absicht ist, im Rahmen der Ministererlaubnis einigen, wären die Arbeitsplätze der Tengelmann-Mitarbeiter über fünf Jahre gesichert. Auch Kaiser’s-Tengelmann-Filialen dürften in diesem Zeitraum nicht an dritte Lebensmitteleinzelhändler gehen.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

  • Platz 10

    Bartells-Langness

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 3,09 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 9

    Globus

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 3,23 Milliarden Euro

  • Platz 8

    Rossmann

    Umsatz mit Lebensmitteln in Deutschland: 5,18 Milliarden Euro

  • Platz 7

    dm

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 6,33 Milliarden Euro

  • Platz 6

    Lekkerland

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 8,98 Milliarden Euro

  • Platz 5

    Metro (Real, Cash & Carry)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 10,27 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 4

    Aldi (Nord und Süd)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 22,79 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 3

    Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,05 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 2

    Rewe-Gruppe
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,57 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 1

    Edeka (inkl. Netto)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 48,27 Milliarden Euro

    Quelle: TradeDimensions / Statista

Daniel Zimmer, der frühere Chef der Monopolkommission, betont im Interview mit der WirtschaftsWoche: „Das hindert Edeka nicht daran, in den eigenen Filialen Entlassungen vorzunehmen oder sie zu schließen.“ Zimmer ist sich sicher, dass das mittelfristig notwendig wird. „Die Deutschen werden nicht mehr Lebensmittel kaufen, nur weil zwei Supermarktketten fusionieren.“ Der Konsolidierungs- und Rationalisierungsdruck bleibe – auch nach der Übernahme.

Aufgrund der zahlreichen Überschneidungen im Tengelmann- und Edeka-Netz hätte Edeka „größere Anreize Filialen zu schließen“ als andere Kaufinteressenten, so Zimmer weiter.

Am Ende könnten also die Arbeitsplätze der Kaiser’s-Tengelmann-Belegschaft gesichert sein – für die Angestellten in Edeka-Filialen, die sich mit dem Tengelmann-Netz überschneiden, sähe das anders aus.  

Aber dafür muss erst einmal eine Einigung gefunden werden. Und das ist, trotz der Beteuerung aller Beteiligter, gar nicht so einfach.

 

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