Kaiser's Tengelmann: Schlichtung soll kommende Woche weitergehen

Kaiser's Tengelmann: Schlichtung soll kommende Woche weitergehen

, aktualisiert 27. Oktober 2016, 15:52 Uhr
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Eine Tengelmann Filiale

Eine Einigung in letzter Sekunde zur Rettung der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann steht weiter aus. Die Parteien haben sich darauf verständigt, die Verhandlungen kommende Woche fortzusetzen.

Die rund 15.000 Beschäftigten der Supermarktkette Kaiser's müssen weiter um ihre Arbeitsplätze bangen. Auch ein zweites Treffen der Chefs von Tengelmann, Edeka und Rewe unter Vermittlung von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) führte am Donnerstag nicht zu einer Einigung über die Zukunft der angeschlagenen Supermarktkette. Das Bundeswirtschaftsministerium teilte am Mittag mit, alle Parteien hätten sich darauf verständigt, die Schlichtung am Montag fortzusetzen. Zum Stand der Gespräche machte das Ministerium keine Angaben.

Am ersten Tag der Verhandlungen war es Schröder in den an einem geheimen Ort stattfindenden Gesprächen gelungen, zumindest etwas Bewegung in die verhärteten Fronten zu bringen. Nach dpa-Informationen wurde das Bundeskartellamt gebeten zu prüfen, welche Kaiser's Tengelmann-Filialen im Großraum Berlin und in Nordrhein-Westfalen Rewe ohne kartellrechtliche Probleme übernehmen könne.

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Eine Aufteilung der Kaiser's Tengelmann-Filialen auf Edeka und Rewe war auch bei früheren Verhandlungen schon einmal als Ausweg aus dem Dauerstreit um die Supermarktkette diskutiert worden. Doch konnten sich die verfeindeten Handelskonzerne damals nicht einigen.

Die offenen Fragen zur Schlichtung im Fall Kaiser's Tengelmann

  • Was bedeutet Schröders Versuch für die Beschäftigten?

    Zumindest wieder ein Stück Hoffnung. Die Verhandlungen zwischen Tengelmann, Edeka und Rewe schienen zuletzt völlig festgefahren. Und um die Haupt-Streithähne, Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub und Rewe-Chef Alain Caparros zu einem Einlenken zu bewegen, braucht es wohl jemanden mit der Verhandlungserfahrung und der persönlichen Ausstrahlung des früheren Bundeskanzlers. Jetzt gebe es eine echte Chance auf eine Einigung, meint Verdi-Chef Frank Bsirske. Ein Manko ist allerdings, dass Schröder mit dem Thema Einzelhandel nicht wirklich vertraut ist. Doch bekommt er Rückendeckung vom langjährigen Vorsitzenden des Sachverständigenrates, Bert Rürup.

  • Was ist das größte Problem, das Schröder lösen muss?

    Nachdem Norma und Markant ihre Klagen gegen die Ministererlaubnis für die Übernahme von Kaiser's Tengelmann zurückziehen wollen, geht es vor allem noch darum einen Kompromiss mit Rewe zu finden. Denn solange Rewe an seiner Klage gegen die Ministererlaubnis für den Zusammenschluss von Edeka und Kaiser's Tengelmann festhält, ändert sich an der rechtlichen Situation nichts. Die Eilentscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf, mit der die Ministererlaubnis für den Zusammenschluss vorläufig gestoppt wurde, bleibt in Kraft.

  • Warum zieht Rewe seine Klage nicht zurück?

    Dem Handelskonzern geht es um die Sicherung seiner Marktposition. Der Rivale Edeka ist schon heute mit Abstand Deutschlands größter Lebensmittelhändler - und Rewe will nicht weiteren Boden verlieren. Genau das aber würde bei einer Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch den Marktführer geschehen. Dabei geht es nicht nur ums Image, sondern auch um Einkaufskonditionen und Wettbewerbsfähigkeit. Denn je größer ein Händler ist, desto günstigere Einkaufspreise kann er für sich bei den Herstellern durchsetzen.

  • Wie könnte ein Kompromiss aussehen?

    Erste Ideen dazu gab es schon beim Spitzengespräch der Chefs von Tengelmann, Edeka und Rewe unter Vermittlung der Gewerkschaft Verdi vor einigen Wochen. Damals stand die Idee im Raum, Rewe könnte die Kaiser's-Tengelmann-Filialen im Großraum Berlin und in Nordrhein-Westfalen übernehmen, Edeka dagegen Geschäfte in München und Oberbayern, wie Rewe-Chef Alain Caparros kürzlich verriet.

  • Und warum wurde daraus nichts?

    Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen sind die rechtlichen Hürden, eine solche Aufteilung umzusetzen, beträchtlich. So sieht die Ministererlaubnis eine Weitergabe der Filialen eigentlich nur in Einzelfällen vor. Zum anderen hätte bei der Übernahme zahlreicher Filialen durch Rewe auch das Bundeskartellamt wieder ein Wort mitzureden. Diese Risiken erschweren eine Einigung.

  • Gibt es keine andere Kompromissmöglichkeit?

    Doch. Theoretisch könnte sich Rewe auch mit einer Millionenzahlung abfinden lassen. Doch hat Caparros eine solche Einigung bislang abgelehnt. „Wir brauchen kein Geld. Wir kämpfen darum, eine kritische Größe zu behalten“, sagte er neulich.

  • Was ist das größte Hindernis für eine Einigung?

    Fehlendes Vertrauen. Mit Haub und Caparros treffen zwei starke Persönlichkeiten aufeinander, deren Verhältnis von Misstrauen geprägt ist. Haub wirft dem Rewe-Chef „Zerstörungswut“ vor und macht keinen Hehl daraus, dass er die bisherigen Angebote des Managers zur Rettung von Kaiser's Tengelmann für schlichtweg „unseriös“ hält. Caparros wirft Haub seinerseits vor, „sich als Sonnenkönig aufzuführen“ und die Suche nach einer Lösung für dessen eigenes Unternehmen seit Jahren zu torpedieren.

Sollte dieses Mal unter Vermittlung Schröders ein Kompromiss gefunden werden, könnte das weitere Vorgehen so aussehen: Rewe zieht seine Klage gegen die Ministererlaubnis zurück. Edeka übernimmt die gut 400 Kaiser's Tengelmann-Filialen und gibt einen nennenswerten Teil davon an Rewe weiter, wobei das Bundeskartellamt bei der Auswahl diesmal von Anfang an einbezogen wird.

Einfach dürfte so eine Einigung allerdings nicht sein. Denn vor Beginn der Gespräche waren die Positionen der beiden Parteien denkbar weit voneinander entfernt. Während Rewe-Chef Caparros öffentlich „einen großen Teil des Filialnetzes“ von Kaiser's Tengelmann für sein Unternehmen forderte, favorisierten Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub und Edeka-Chef Markus Mosa ganz eindeutig eine Komplettübernahme durch Edeka.

Kaiser's Tengelmann beschäftigt heute in gut 400 Filialen in München und Oberbayern, im Großraum Berlin und im Rheinland noch rund 15.000 Mitarbeiter. Doch schreibt die Supermarktkette schon seit der Jahrtausendwende rote Zahlen. Miteigentümer Karl-Erivan Haub hatte deshalb vor zwei Jahren beschlossen, das Unternehmen Edeka zu verkaufen.

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