Kaiser's Tengelmann: Supermärkte sind Klotz am Bein

Kaiser's Tengelmann: Supermärkte sind Klotz am Bein

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Karl-Erivan Haub, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Tengelmann. Mit insgesamt rund 72.000 Mitarbeitern ist das Unternehmen in Deutschland und 18 weiteren Ländern vertreten.

von Mario Brück

Die Tengelmann-Übernahme ist zum öffentlichen Scharmützel geworden. Die Jahreszahlen geraten dabei fast zu Nebensache. Dort stehen bei den Supermärkten aber rote Zahlen – die vor allem Kik und Obi ausgleichen konnten.

Pünktlich zur heutigen Tengelmann-Pressekonferenz mit Vorlage der Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr hatte Rewe-Chef Alain Caparros ganzseitige Anzeigen in überregionalen Tageszeitungen schalten lassen und die Politik von Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub kritisiert.

Das Bundeskartellamt hatte Deutschlands größtem Lebensmittelhändler Edeka Anfang April die Übernahme von rund 450 Filialen des Konkurrenten Kaiser's Tengelmann untersagt. Die Wettbewerbsbehörde befürchtet bei einem Zusammenschluss Preiserhöhungen und weniger Wettbewerb. Edeka hat daraufhin einen Antrag auf Ministerentscheid gestellt. Mit der Begründung, nur eine Übernahme durch Edeka könne die Arbeitsplätze bei Kaiser's Tengelmann sichern.

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Unter der Überschrift „Liebe Freunde des Handels“ bezeichnet Rewe diese Behauptung der beiden Konkurrenten nun als „falsches Spiel auf dem Rücken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kaiser's Tengelmann“. Es gebe sehr wohl andere Alternativen, um den Erhalt der Arbeitsplätze zu garantieren. Das Kölner Unternehmen bringt sich stattdessen selbst ins Spiel: Eine Übernahme der Kaiser's-Tengelmann-Märkte durch Rewe sei „kartellrechtlich machbar“ und würde sogar zu einer „Stärkung des Wettbewerbs im deutschen Lebensmittelhandel“ führen. Zudem biete man den Angestellten bessere Perspektiven als die Konkurrenz.

Haub warnt vor einer Zerschlagnugn von Kaiser's Tengelmann

Die Anzeige schließt mit einem offenen Brief an den Eigentümer von Kaiser's Tengelmann, Karl-Erivan Haub. Dort heißt es, man stehe jederzeit und ohne weitere Verzögerung zum Gespräch bereit. Unterschrieben ist der Brief von Rewe-Chef Alain Caparros sowie seinen Vorstandskollegen und dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Andreas Ratzmann. Ein Rewe-Sprecher erklärte, man wolle so die breite Öffentlichkeit in eigenen Worten über die Positionen der Rewe Group im Fusionsverfahren informieren.

Haub warnt für den Fall eines Scheiterns der Übernahme durch Edeka vor einer Zerschlagung von Kaiser's Tengelmann. 8500 Menschen könnten dadurch ohne Not ihre Arbeitsplätze verlieren, sagte Haub bei der Bilanzvorlage in Mülheim. Sollte ein Ministerentscheid negativ beschieden werden, schloss Haub weitere Rechtswege. „Ich glaube nicht, dass wir einen dreijährigen Rechtsprozess durchhalten können.“  Der Tengelmann-Chef bezifferte die in den vergangenen 15 Jahren durch die Supermarktkette aufgelaufenen Verluste bei dem Familienunternehmen auf mehr als 500 Millionen Euro.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

  • Platz 10

    Bartells-Langness

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 3,09 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 9

    Globus

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 3,23 Milliarden Euro

  • Platz 8

    Rossmann

    Umsatz mit Lebensmitteln in Deutschland: 5,18 Milliarden Euro

  • Platz 7

    dm

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 6,33 Milliarden Euro

  • Platz 6

    Lekkerland

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 8,98 Milliarden Euro

  • Platz 5

    Metro (Real, Cash & Carry)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 10,27 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 4

    Aldi (Nord und Süd)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 22,79 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 3

    Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,05 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 2

    Rewe-Gruppe
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,57 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 1

    Edeka (inkl. Netto)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 48,27 Milliarden Euro

    Quelle: TradeDimensions / Statista

Vor dem Hintergrund der öffentlichen Scharmützel geriet die Vorstellung der Zahlen zum vergangenen Geschäftsjahr bei der Tengelmann-Gruppe fast zur Nebensache.  

2014 sei laut Haub insgesamt zufriedenstellend ausgefallen. Dafür sorgten vor allem der Textildiscounter KiK und die Baumarktkette Obi, die beide auch vom hervorragenden Saisongeschäft im Frühjahr profitiert hätten. „Aber auch unsere Beteiligungen TEDi und Netto sowie unser Immobiliengeschäft haben zu diesem positiven Ergebnis beigetragen,“ sagt der Tengelmann-Chef.

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