Kaiser's Tengelmann und Edeka: Showdown im Eichensaal

Kaiser's Tengelmann und Edeka: Showdown im Eichensaal

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Showdown im Eichensaal.

von Henryk Hielscher

In der Übernahmeschlacht um die Kaiser's-Tengelmann-Supermärkte trafen Gegner und Befürworter einer Ministererlaubnis aufeinander. Wie sich die Beteiligten bisher geschlagen haben.

Gegen 13:35 Uhr wurde es kurz emotional im Eichensaal im Berliner Wirtschaftsministerium. Es falle ihm schwer, nach den Anschlägen von Paris zur Tagesordnung überzugehen, sagt Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub und bittet die rund 150 Juristen und Journalisten, Unternehmenschefs und Ministeriumsmitarbeiter in dem Saal sich kurz zu erheben.

Nach der Unterbrechung legte Haub los – und warb für eine der umstrittensten Übernahmen im deutschen Handel: Die Übernahme der Kaiser's-Tengelmann-Supermärkte durch Edeka.

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Bereits vor Monaten hatte das Bundeskartellamt die Fusion untersagt. Tengelmann und Edeka hatten daraufhin eine Sondergenehmigung bei Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel beantragt. Am Montag fand im Eichensaal die im Verfahren vorgeschriebene Anhörung statt – das erste öffentliche Aufeinandertreffen der Fusionsbefürworter und -gegner.

Endspurt im Streit um Kaiser's Tengelmann

  • Worum geht es bei dem Streit eigentlich?

    Die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann schreibt seit Jahren rote Zahlen. Insgesamt sollen sich die Verluste seit der Jahrtausendwende auf mehr als 500 Millionen Euro summieren. Der Eigentümer, die Unternehmerfamilie Haub, will deshalb einen Schlussstrich ziehen und die rund 450 Geschäfte an Deutschlands größten Lebensmittelhändler Edeka verkaufen.

  • Wo ist das Problem?

    Das Bundeskartellamt hat den Zusammenschluss der Supermarktketten untersagt. Die Wettbewerbsbehörde befürchtet durch die Fusion Preiserhöhungen und weniger Wettbewerb. Schließlich ist der Lebensmittelhandel in Deutschland schon heute hochkonzentriert. Nur vier Ketten - Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe mit dem Discounter Lidl sowie Aldi - teilen sich 85 Prozent des Marktes. Und unter den „großen Vier“ ist Edeka mit weitem Abstand die Nummer eins.

  • Ist das Thema damit erledigt?

    Nein. Denn die Supermarktketten haben Antrag auf eine Ministererlaubnis gestellt, um das Veto des Kartellamtes auszuhebeln. Laut Gesetz kann der Bundeswirtschaftsminister eine Ausnahmegenehmigung erteilen, wenn die gesamtwirtschaftlichen Vorteile des Zusammenschlusses schwerer wiegen als die Wettbewerbsbeeinträchtigungen.

  • Und wie sollen die Vorteile aussehen?

    In erster Linie locken die Handelsketten mit Arbeitsplatzgarantien. Nur die Gesamtübernahme durch Edeka sichere den Erhalt der 16.000 Stellen bei Kaiser's Tengelmann, argumentieren sie. Eine Einzelabwicklung werde dagegen mindestens 8000 Jobs kosten. Denn für Problemfilialen werde sich dann wohl kein Kaufinteressent finden - ebenso wenig wie für die Konzernzentrale, die Fleischwerke oder die Logistik. Dem Antrag auf Ministererlaubnis zufolge schreiben fast 200 Kaiser's Tengelmann-Filialen rote Zahlen.

  • Was sagen die Experten?

    Es gibt Befürworter und Gegner einer Ausnahmegenehmigung. Die Monopolkommission hat sich in einem Sondergutachten strikt gegen eine Erlaubnis für den Zusammenschluss ausgesprochen. Nach ihrer Auffassung sind bei einer Fusion der Supermarktketten negative Auswirkungen auf den Wettbewerb sicher. Die in Aussicht gestellten Arbeitsplatzeffekte seien aber eher ungewiss. Auch bei der Gewerkschaft Verdi finden die Pläne bislang wenig Sympathie. Die bayerische Landesregierung und der Hamburger Senat plädieren dagegen für eine Ausnahmegenehmigung.

  • Was, wenn es bei einem Verbot des Zusammenschlusses bleibt - bleibt Kaiser's Tengelmann dann erhalten?

    Nein. Falls das Bundeswirtschaftsministerium das Fusionsverbot bestätige, werde sofort mit der Zerschlagung von Kaiser's Tengelmann – also dem Verkauf in Teilpaketen – begonnen, signalisierten schon im September Unternehmenskreise. Bis Ende 2016 werde von Kaiser's Tengelmann dann nichts mehr da sein.

  • Gibt es denn neben Edeka andere Interessenten für die Filialen?

    Ja. Die Schweizer Handelskette Migros, die Coop Kiel und der Discounter Norma haben bereits Interesse an einem Teil der Filialen signalisiert. Der Edeka-Erzrivale Rewe würde am liebsten sogar alle Geschäfte übernehmen. Allerdings dürfte in diesem Falle wohl auch der Kölner Handelsriese Probleme mit dem Kartellamt bekommen.

Dabei beherrschten nicht nur sachliche Argumente die Debatte. Die Protagonisten des Mammutverfahrens agierten höchst unterschiedlich vor der eichengetäfelten Kulisse im Ministerium. Ein Überblick:

Der Zahlenfresser

Den Anfang machte Markus Mosa. Der Edeka-Chef führte trocken durchs Zahlenwerk der Übernahme und betonte einmal mehr sein Mantra: Nur durch den Verkauf der Supermärkte an Edeka könnten alle 16.000 Arbeitsplätze bei Kaiser's Tengelmann erhalten werden. Doch zugleich räumte Mosa ein, dass es dabei nur um die Gesamtsumme der Jobs gehe. "Wo Arbeitsplätze an einem Ort wegfallen, wachsen sie an einem anderen zu", so Mosa. Das dürfte die Mitarbeiter in den Filialen, beim Produktionsbetrieb Birkenhof oder in einem Lager, das wohl geschlossen werden soll, allerdings kaum überzeugen.

Edeka und Kaiser’s Tengelmann Die Gewinner der Übernahmeschlacht

Schon vor der öffentlichen Anhörung zur Ministererlaubnis in Berlin steht fest, wer von dem Gezerre um die Kaiser’s-Tengelmann-Supermärkte auf jeden Fall profitiert – und das ist keines der beteiligten Unternehmen.

Einkaufstüten von Kaiser's, Tengelmann und Edeka Quelle: dpa

Die anwesenden Betriebsräte kritisieren die Übernahmepläne denn auch scharf. Zudem stört die Arbeitnehmervertreter die nach der Übernahme geplante Privatisierung von zahlreichen Kaiser's-Tengelmann-Märkten. Immerhin gebe es Transfergesellschaften und Abfindungen sowie Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung, hielt Mosa dagegen.

Der Emotionale

Tengelmann-Patron Haub gab das perfekte Gegenstück zu Mosa ab. Statt nüchtern Zahlen zu referieren, wurde Haub emotional – nicht nur bei seinem Gedenkvorstoß an die Opfer der Anschläge in Paris. Eigentlich schon viel zu lange habe seine Unternehmensgruppe an den defizitären Supermärkten festgehalten, sagte Haub.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

  • Platz 10

    Bartells-Langness

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 3,09 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 9

    Globus

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 3,23 Milliarden Euro

  • Platz 8

    Rossmann

    Umsatz mit Lebensmitteln in Deutschland: 5,18 Milliarden Euro

  • Platz 7

    dm

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 6,33 Milliarden Euro

  • Platz 6

    Lekkerland

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 8,98 Milliarden Euro

  • Platz 5

    Metro (Real, Cash & Carry)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 10,27 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 4

    Aldi (Nord und Süd)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 22,79 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 3

    Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,05 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 2

    Rewe-Gruppe
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,57 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 1

    Edeka (inkl. Netto)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 48,27 Milliarden Euro

    Quelle: TradeDimensions / Statista

Dass er sich für Edeka als Käufer entschieden habe, sei de facto ein letzter Dienst für die Beschäftigten. Schließlich würde allein der Verkauf an Edeka das Gros der Arbeitsplätze sichern. Rewe habe sich bei den Verhandlungen sehr zögerlich verhalten, auch alle andere Angebote würden sich im wesentlichen nur auf Teile der Supermarktsparte beziehen. "Die Rosinenpicker haben sich in Stellung gebracht", warnte Haub.

Der Aufgebrachte

Ein wenig wirkte Rewe-Chef Alain Caparros wie eine französische Ausgabe des US-TV-Strafverteidigers Matlock, der in den Achtzigerjahren Fans von Anwaltsserien begeisterte und zum Showdown im Gerichtssaal regelmäßig neue Beweise präsentierte, die das Bild des Falls komplett drehten.

In Matlock-Manier versuchte auch Caparros die Argumente von Edeka und Haub zu zerpflücken. "Herr Haub hat die Unwahrheit gesagt und ich werde es beweisen", sagte Caparros zum Auftakt. Er bezeichnete schon den Antrag auf Ministererlaubnis als "Erpressungsversuch". Die geplante Übernahme sei eigentlich ein Zerschlagungsversuch, bei dem Filialen, Fleischwerke und Verwaltungseinheiten geschlossen werden sollen. Der Deal, so Caparros, diene nur der Forcierung der Marktmacht von Edeka und der Mehrung des Vermögens von Herrn Haub – das sei aber kein überragendes öffentliches Interesse für die Erteilung einer Ministererlaubnis.

Tengelmann und Edeka Showdown im Übernahmekampf

Das Endspiel um die Zukunft von Kaiser's Tengelmann hat begonnen. Eine große Ministeriumsanhörung soll in wenigen Tagen die Weichen für eine Übernahme durch Edeka stellen. Befürworter und Gegner des Deals im Überblick.

Eine Ministeriumsanhörung wird zur Bühne für den Übernahmekampf der Ladenkette durch Edeka. Quelle: dpa

Stattdessen präsentierte Caparros erneut seine eigenen Ideen zur Übernahme von Kaiser's Tengelmann – und forderte Haub auf, diese zu prüfen. Die Gefahr, dass das Kartellamt auch einen Kauf durch Rewe ablehnen würde, hält der Konzernchef offenbar für gering. "Lieber Herr Haub, wir würden alle Kartellrechtsrisiken übernehmen", bot Caparros an.

Der Entscheider

Weitere Artikel

Die Antwort auf das caparros'sche Plädoyer kam von links. Dort, nahe der Tür, saß Wirtschaftsminister Gabriel, der nur trocken anmerkte: "Das Problem scheint mir zu sein, dass wir hier keine Verkaufsverhandlungen führen." Ähnlich reagierte er auf andere Einwände, die Beteiligte vorbrachten. Ab und an schaltete er sich mit Fragen ein, wurden ihm die nicht ausreichend beantwortet, legte der Minister schon mal pampig nach. "Ist ihre Ablehnung Selbstmord aus Angst vor dem Tod?", fragte Gabriel etwa spitz die Vertreter der Verdi-Seite. Die Antwort von Verdi-Einzelhandelsexpertin Stefanie Nutzenberger fiel ihm anschließend zu schwammig aus.

Formal hat Gabriel die Leitung der öffentlichen Anhörung zwar einem Ministerialdirigenten übertragen, muss am Ende aber die Entscheidung treffen – und die Kritik dafür einstecken. Denn egal wie Gabriel letztlich votiert, Ärger ist ihm gewiss. Zu diametral gehen die Forderungen der Beteiligten auseinander – das zumindest zeigte die öffentliche Anhörung.

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