Kaiser's Tengelmann und Edeka: Tengelmann wird "definitiv aus dem Markt ausscheiden"

Kaiser's Tengelmann und Edeka: Tengelmann wird "definitiv aus dem Markt ausscheiden"

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Im Ringen um die Übernahme der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann durch Edeka bahnt sich eine Vorentscheidung in Berlin an.

von Henryk Hielscher

Im Poker um eine Ministererlaubnis für die Übernahme der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann durch Edeka ziehen die Beteiligten alle Register. Nun bahnt sich eine Vorentscheidung in Berlin an.

In das Ringen um die Übernahme der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann durch Edeka kommt Bewegung. Bereits Ende kommender Woche - spätestens jedoch Anfang August - soll die Monopolkommission ihre Stellungnahme zu den Übernahmeplänen abgeben, erwarten Beteiligte. Die Einschätzung der Kommission gilt als wichtige Vorentscheidung für das finale Votum von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel in dem Fall.

Edeka-Chef Markus Mosa und Tengelmann-Patron Karl-Erivan Haub hatten sich mit einem „Antrag auf Ministererlaubnis“ an Gabriel gewendet, nachdem das Bundeskartellamt die Übernahme im Frühjahr untersagt hatte. Per Ministererlaubnis könnte das Veto der Behörde ausgehebelt werden.

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In dem 102 Seiten starken Antrag, der der WirtschaftsWoche vorliegt, ziehen Haub und Mosa denn auch alle Register, um Gabriel von den Segnungen des Deals für die Allgemeinheit zu überzeugen.

So könne nur eine Gesamtübernahme die 16.000 Arbeitsplätze sichern, heißt es in dem Papier. Die Alternative sei „ein Marktaustritt mit einer unkoordinierten Abwicklung“. Eine solche „Einzelabwicklung würde mindestens 8000 Arbeitsplätze kosten“ und die Schließung von 250 Filialen bedeuten, weil die Interessenten dann „nur die ’Rosinen’ picken würden“, behaupten Haub und Mosa. Vor allem in Nordrhein-Westfalen drohe ein Aderlass.

In der Folge entstünden einmalige Steuerausfälle von bis zu 250 Millionen Euro sowie „pro Jahr rund 100 Millionen Euro Kosten“ für die öffentliche Hand durch Arbeitslosigkeit und Eingliederungsmaßnahmen.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

  • Platz 10

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    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 3,09 Milliarden Euro (Schätzung)

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    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 10,27 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 4

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    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 22,79 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 3

    Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,05 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 2

    Rewe-Gruppe
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,57 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 1

    Edeka (inkl. Netto)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 48,27 Milliarden Euro

    Quelle: TradeDimensions / Statista

Wettbewerber bewerten die Ausführungen von Haub und Mosa derweil als „reichlich absurde Horrorszenarien“. Vor allem die Behauptung, es gebe keine Alternativen zum Kauf durch Edeka lassen sie nicht gelten. So hat sich der Kölner Rivale Rewe bereits mehrfach als Käufer der Supermärkten ins Spiel gebracht. Der Schweizer Tegut-Eigner Migros hatte unlängst Interesse an 130 Tengelmann-Geschäften in Bayern bekundet, Coop gilt als Kandidat für den Berliner Raum und auch weiteren Händlern wie dm wird Interesse an Standortpaketen nachgesagt.

Auch das Versprechen, im Fall einer Ministererlaubnis alle Arbeitsplätze zu erhalten, gilt intern wie extern als reichlich wage. Tatsächlich sollen bereits im Vorfeld der Übernahme durch Edeka „24 Filialen aufgrund gravierend hoher Verluste geschlossen werden“, geht aus dem Antrag auf Ministererlaubnis hervor.

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Klar ist, sollten Edeka und Tengelmann mit ihrem Anliegen scheitern, dürfte Kaiser’s Tengelmann zerschlagen werden. Laut dem Antrag hat die Supermarktsparte seit dem Jahr 2000 Verluste von insgesamt rund 532 Millionen Euro angehäuft. 42 Prozent aller Filialen „wirtschafteten im Verlust“, heißt es in dem Papier. Daher stehe fest, dass Kaiser’s Tengelmann „definitiv aus dem Markt ausscheidet“.

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