Kaiser's Tengelmann: Was Edeka mit seinen Filialen macht

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Kaiser's Tengelmann: Was Edeka mit seinen Filialen macht

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Was Edeka aus den alten Kaiser's Tengelmann-Filialen macht.

von Nico Hornig

Drei Monate nach der Einigung von Rewe und Edeka verschwindet der Name Kaiser’s Tengelmann aus dem Stadtbild. Dabei gehen die Konkurrenten mit ihren Filialen äußerst unterschiedlich um. Netto spielt dabei eine größere Rolle als man denkt.

Eigentlich sieht alles aus wie vorher. Die Wände haben die gleiche hellbraune Farbe, die Kühltheke und der Obst- und Gemüsebereich wirken nahezu unverändert. Selbst die Leuchtreklame über dem Eingang zeigt noch den Schriftzug: Kaiser’s Tengelmann. Wer durch die Gänge der neuen Edeka-Filiale im Norden der Düsseldorfer Innenstadt streift, trifft Mitarbeiter, die immer noch eine Tengelmann-Uniform tragen. Selbst beim Bezahlen kommt der Gedanke auf, man habe gerade einen Vertrag mit der Kaiser's geschlossen. Den Bon, den die Kassiererin herüber reicht, ziert immernoch eine Kaffeekanne. Keine Spur vom Edeka-Schriftzug. Lediglich kleine Details zeugen vom neuen Eigentümer: Die Preisschilder sind jetzt gelb und die Eigenmarken haben sich verändert.

Deutschlands größte Supermarktkette lässt sich Zeit. Den Umbau der letzten Objekte will Edeka erst Mitte 2018 abgeschlossen haben. Dann wird die Übernahme von Tengelmann seit den ersten Plänen fast vier Jahre in Anspruch genommen haben.
Angefangen hatte das Ganze im Oktober 2014. Da erklärte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub, die seit Jahren defizitäre Supermarktkette komplett an Edeka verkaufen zu wollen – obwohl auch Rewe Interesse angemeldete hatte.

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Eigentlich sollte der Deal bis Mitte 2015 über die Bühne gehen. Doch das Bundeskartellamt verweigerte seine Zustimmung und startete damit einen Wirtschaftskrimi, der erst am 31. Oktober 2016 ein Ende fand. Da verkündete Wirtschaftsminister Gabriel eine Einigung im Schlichtungsverfahren, das Altkanzler Schröder geleitet hatte. Das Ergebnis: Edeka übernimmt Kaiser's Tengelmann komplett und übergibt einige Filialen an Rewe. 60 in Berlin und je zwei in Bayern und Nordrhein-Westfalen. Diese Geschäfte firmieren inzwischen unter neuem Namen. Rewe hat die Anpassungen am 31. März beendet.

Die schier unendliche Geschichte einer Übernahme

  • 7. Oktober 2014

    Die Tengelmann-Gruppe gibt bekannt, aus dem Supermarktgeschäft auszusteigen und seine 451 Kaiser's-Tengelmann-Filialen mit knapp 16.000 Angestellten an Edeka verkaufen zu wollen.

  • 17. Februar 2015

    Das Bundeskartellamt äußert Bedenken wegen einer möglichen „Verdichtung der ohnehin schon stark konzentrierten Marktstrukturen“ und Nachteilen für Verbraucher und Lebensmittel- und Konsumgüterhersteller.

  • 1. April 2015

    Das Kartellamt untersagt die Übernahme. Die Unternehmen gehen gegen das Verbot gerichtlich vor.

  • 28. April 2015

    Tengelmann und Edeka beantragen bei Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) eine Sondererlaubnis, um das Nein des Kartellamts auszuhebeln. Sie betonen, dass nur die Gesamtübernahme durch Edeka die 16.000 Arbeitsplätze von Kaiser's Tengelmann sichere und bei einer Zerschlagung mindestens 8000 Stellen wegfallen würden.

  • 3. August 2015

    Die Monopolkommission fordert Gabriel auf, das Geschäft nicht zu genehmigen – auch nicht unter Auflagen. Sie argumentiert, dass mögliche Gemeinwohlvorteile die zu erwartenden Wettbewerbsbeschränkungen nicht aufwiegen. Zudem zweifelt die Kommission die Jobsicherung an: Bei Doppelstandorten könnten Stellen bei Edeka wegfallen.

  • 12. Januar 2016

    Gabriel stellt eine Ministererlaubnis unter Bedingungen in Aussicht. Er kündigt an, das Geschäft zu genehmigen, wenn Edeka 97 Prozent der Jobs bei Kaiser's Tengelmann für mindestens fünf Jahre sichert. Auch soll Edeka die drei Birkenhof-Fleischwerke mindestens drei Jahre halten.

  • 22. Februar 2016

    Gabriel verschärft die Auflagen: Zusätzlich zu den „aufschiebenden Bedingungen“, die vor Vollzug der Übernahme erfüllt sein müssen, formuliert er „auflösende Bedingungen“. Das Geschäft könnte damit bei Verstößen gegen diese Auflagen rückgängig gemacht werden.

  • 17. März 2016

    Der Minister gibt seine Erlaubnis unter Auflagen bekannt. Er begründet dies mit der Sicherung der Arbeitsplätze. Rewe, Markant und Norma reichen Beschwerde beim Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf ein. Parallel stellen Rewe und Markant einen Eilantrag, um zu verhindern, dass die Übernahme vor der Gerichtsentscheidung unter Dach und Fach gebracht wird.

  • 12. Juli 2016

    Das OLG Düsseldorf legt die Übernahme auf Eis. Es stuft die Ministererlaubnis im Eilverfahren als rechtswidrig ein – unter anderem wegen möglicher Befangenheit Gabriels. Außerdem sieht das Gericht im Erhalt der Arbeitnehmerrechte keinen Gemeinwohlgrund. Gabriel weist die Vorwürfe zurück.

  • 4. August 2016

    Edeka legt gegen den OLG-Eilbeschluss beim Bundesgerichtshof (BGH) eine sogenannte Nichtzulassungsbeschwerde ein. Auch Tengelmann und das Bundeswirtschaftsministerium rufen den BGH kurz darauf an.

  • 9. August 2016

    Edeka hat sämtliche Tarifverträge mit Verdi für die Übernahme von Kaiser's Tengelmann in der Tasche. Wenige Tage später folgt die Einigung mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten für die rund 400 Beschäftigten der drei Birkenhof-Fleischwerke. Damit erfüllt Edeka Auflagen der Ministererlaubnis.

  • 11. August 2016

    Das OLG Düsseldorf setzt für den 16. November eine Verhandlung für das Hauptverfahren gegen die Ministererlaubnis an. Am 15. November will der BGH über die Beschwerden gegen das Vorgehen des OLG aus dem Eilverfahren entscheiden.

  • 22. September 2016

    Verdi ruft zu einem Spitzengespräch. Tengelmann, Edeka, Rewe, Markant und die Gewerkschaft einigen sich darauf, an einer „tragfähigen, gemeinsamen Lösung“ arbeiten zu wollen.

  • 23. September 2016

    Nach einer Aufsichtsratssitzung erklärt Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub, er gebe der Suche nach einer gemeinsamen Lösung noch eine letzte Chance. Die Frist dafür beträgt zwei Wochen. Dann entscheidet er, ob er die Kette zerschlägt.

  • 6. Oktober 2016

    Bei einem zweiten Spitzentreffen vereinbaren die Supermarktchefs überraschend, dass die Edeka-Konkurrenten ihre Klage zurückziehen und damit den Weg frei machen für die Übernahme. Sie geben sich Zeit bis zum 17. Oktober.

  • 13. Oktober 2016

    Die Gespräche werden am 13. Oktober vor Ablauf der Einigungsfrist abgebrochen. Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub fühlt sich von Rewe-Chef Alan Caparros übervorteilt und will die Mitarbeiter am 14. Oktober über die Zerschlagung der Supermarktkette informieren.

Doch auch in einigen Läden, die Edeka übernommen hat, lassen sich inzwischen Unterschiede erkennen. Zum Beispiel in der Düsseldorfer Lorettostraße. Gut zwei Kilometer von der Innenstadt entfernt erinnert nichts mehr an die Tengelmann-Vergangenheit des Geschäfts. Die Wände sind frisch gestrichen, es finden sich neue Regale mit anderen Produkten und auch über dem Eingang hängt ein neues Schild. Nur steht dort nicht Edeka – sondern Netto.

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