Kampf gegen Verschwendung: Deutsche essen mehr abgelaufene Lebensmittel

Kampf gegen Verschwendung: Deutsche essen mehr abgelaufene Lebensmittel

Der Joghurt ist zwei Tage über dem Mindesthaltbarkeitsdatum und der Apfel hat eine braune Stelle? Egal - denken sich immer mehr Deutsche. Sie nehmen den Kampf gegen die Nahrungsmittelverschwendung auf, zeigt eine neue Studie.

In Deutschland landen jedes Jahr elf Millionen Tonnen an Lebensmitteln im Müll. Elf Millionen Tonnen, das reicht für eine 4500 Kilometer lange Schlange von Lastwagen. Von den elf Millionen Tonnen stammen 6,7 Millionen Tonnen aus privaten Haushalten. Zwei Drittel dieses Abfallbergs gelten zudem als vermeidbar: Vor allem Brot, Obst und Gemüse werden oft unnötig entsorgt. "Welchen gigantischen Hilfskonvoi könnte man beladen mit dieser Menge", sagte Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) im März 2012 anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse einer Studie, die das Bundesverbraucherministerium vorlegte. Eine unverantwortliche Verschwendung, so Aigner, angesichts 900 Millionen hungernder Menschen auf der Erde. Auch der 2011 erschienene Dokumentarfilm "Taste the waste" machte mit beeindruckenden Bildern auf das Thema Lebensmittelverschwendung aufmerksam.

Inzwischen konnte augenscheinlich ein Umdenken in der Bevölkerung erreicht werden. Denn wie eine aktuelle Studie des Marktforschungs- und Beratungsinstituts YouGov zeigt, wirft gut die Hälfte der Deutschen, nämlich 52 Prozent, mittlerweile weniger Lebensmittel in den Müll.

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Der Forderung, nicht nur von Ministerin Aigner, sondern etwa auch von Spitzenköchen und Mülltauchern, die Genießbarkeit von Lebensmitteln selbst zu überprüfen und nicht am Mindesthaltbarkeitsdatum festzumachen, kommen die Deutschen nach: 13 Prozent der Befragten gaben an, dass sie alle Lebensmittel noch essen, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum bereits überschritten sei. Drei Viertel der Befragten sagten, bei ihnen komme es dabei auf das jeweilige Lebensmittel an. Nur jeder Zehnte lehnt den Verzehr von abgelaufenen Nahrungsmitteln generell ab.

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Um die Verschwendung noch weiter einzudämmen, sind drei Viertel der Deutschen auch bereit, Einschränkungen im Angebot in Kauf zu nehmen. Sie stimmten zu, dass es für sie in Ordnung wäre, wenn sie kurz vor Ladenschluss im Supermarkt keine prall gefüllten Regale mehr vorfinden, wenn hierdurch weniger Nahrungsmittel weggeworfen werden. Lediglich 17 Prozent lehnen eine solche Einschränkung ab und wünschen sich auch kurz vor Ladenschluss die volle Auswahl.

Die Initiative "Zu gut für die Tonne!", die Aigner vor einem Jahr gemeinsam mit der Discounter-Kette Penny und dem LandFrauenverband e.V. deutschlandweit einführte, stößt jedoch nur auf wenig Zuspruch. 41 Prozent der von YouGov Befragten gaben an, unzufrieden mit Aigners Leistung in Bezug auf das Thema Lebensmittelverschwendung zu sein; nur 24 Prozent sind zufrieden. Ein auffälliger Aspekt der Umfrage ist auch, dass die politischen Anhänger Aigners, also CDU/CSU-Wähler, ihr Verhalten bei der Vermeidung von Verschwendung weniger geändert haben: 49 Prozent gaben an, ihren Umgang mit Nahrungsmitteln im vergangenen Jahr nicht geändert zu haben. Unter den SPD-Wählern hielten mit 38 Prozent deutlich weniger der Befragten an ihren alten Gewohnheiten fest.

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