Kampfansage des Kartellamts : Verkauf von Kaiser's ist längst nicht über die Bühne

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Kampfansage des Kartellamts : Verkauf von Kaiser's ist längst nicht über die Bühne

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Unternehmenschef der Gruppe Tengelmann, Karl-Erivan W. Haub

von Henryk Hielscher und Harald Schumacher

Handelskonzern Tengelmann will die Supermarkt-Kette Kaiser's an Edeka verkaufen. Doch der Deal wird zum Duell zwischen Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub und Wettbewerbshüter Andreas Mundt. Der hat schon Bedenken geäußert.

Um den Widrigkeiten des deutschen Wettbewerbsrechts zu trotzen, schwört Karl-Erivan Haub auf ein einfaches Mittel: rein in die Laufschuhe, raus in die Natur und los. „Wie oft standen wir in den Verhandlungen mit dem Kartellamt in einer Sackgasse“, sinnierte der Tengelmann-Chef vor einem Jahr in einem Interview über den Verkauf der Discounttochter Plus. „Beim Laufen habe ich darüber nachgedacht: Wie kommen wir da weiter? Da ist mir im Wald ziemlich häufig etwas eingefallen.“

Der Tengelmann-Chef wird auch in den kommenden Monaten wieder reichlich Zeit an der frischen Luft verbringen müssen. Er will die Supermarktsparte seines Konzerns verkaufen. Bis Sommer 2015 soll der Hamburger Handelsriese Edeka die 451 Kaiser’s-Tengelmann-Märkte übernehmen. Die Verträge sind unterzeichnet, der Deal ist eigentlich perfekt – wären da nicht nicht die Beamten um Bundeskartellamtschef Andreas Mundt, die bereits Widerstand signalisiert haben.

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Die Konfliktlinien sind klar: Wettbewerb gegen Marktmacht, Prinzipien contra Arbeitsplätze, Kartellamtspräsident Mundt versus Unternehmenspatron Haub. Der Fall Tengelmann hat das Zeug, zur Machtprobe zwischen Konzern und Amt zu werden. Ein Fernduell bahnt sich an, das die Handelszunft über Monate in Atem halten wird.

Für seinen Eröffnungszug wählte Haub das vertraute Terrain der Konzernzentrale in Mülheim an der Ruhr. In einem holzgetäfelten Saal aus der Wirtschaftswunder-Ära erklärte er am Dienstag seine Sicht der Dinge. Wuchtige Kronleuchter illuminieren den Raum. An den Wänden prangen Kupferstiche italienischer Bauten. In einem Regal im Vorraum reihen sich ein paar ledergebundene Klassiker. „Dramen in Versen“, steht auf einem Einband. Das passt zum Mülheimer Trauerspiel.

Vorn im Saal saß Haub im schwarzen Anzug und fühlte sich nach eigenem Bekunden „ein bisschen wie bei einer Beerdigung“. Trotzdem, seine Entscheidung stehe fest, sagte Haub. 15 Jahre habe der Konzern die Supermärkte alimentiert. Nun sei Schluss. Die Läden würden verkauft.

Die größten Discounter der Welt 2014

  • Nummer zehn

    Dollar Tree belegt den zehnten Platz unter den weltgrößten Discountern. Das US-Unternehmen erzielte 2013 einen Umsatz von 6,2 Milliarden Euro.

  • Nummer neun

    Auch aus Skandinavien kommt ein Discounter, der es unter die Top Ten der weltgrößten geschafft hat: Rema 1000 gehört zum Konzern Reitangruppen. 2013 setzte das Unternehmen 6,8 Milliarden Euro um.

  • Nummer acht

    Der US-Discounter Family Dollar verkaufte 2013 Waren im Wert von 8,2 Milliarden Dollar und belegt damit weltweit den achten Platz unter den größten Discountern.

  • Nummer sieben

    Auch der siebtgrößte Discounter der Welt findet sich auf der Iberischen Halbinsel: Biedronka stammt aus Portugal und wird von JMR Jerónimo Martins Retails betrieben. 2013 setzte die Kette 8,3 Milliarden Euro um. Zum Vergleich: Aldi erwirtschaftete im gleichen Zeitraum mehr als den siebenfachen Betrag.

  • Nummer sechs

    Die sechstgrößte Discountkette der Welt stammt aus Spanien. Das Unternehmen mit dem Namen Dia (zu Deutsch „Tag“) setzte 2013 11,4 Milliarden Euro um.

  • Nummer fünf

    Auf dem fünften Platz findet sich wieder ein deutsches Unternehmen: Der Discounter Penny, der zur Rewe-Gruppe gehört. 2013 betrug der Umsatz des Discounters laut Ranking von Planet Retail 12,1 Milliarden Euro.

  • Nummer vier

    Erst an vierter Stelle ist ein nicht-deutsches Unternehmen zu finden. Die US-Kette Dollar General verkaufte 2013 Waren im Wert von 13,9 Milliarden Euro.

  • Nummer drei

    Mit großem Abstand folgt der drittgrößte Discounter der Welt: Netto. Die Kette gehört zur Edeka-Gruppe und erzielte 2013 14,2 Milliarden Euro Umsatz.

  • Nummer zwei

    Der Discounter Lidl, der zur Schwarz Gruppe gehört, belegt im Ranking der weltgrößten Discounter den zweiten Platz. 2013 betrug der Brutto-Außenumsatz der Supermarktkette 59 Milliarden Euro.

  • Nummer eins

    Aldi ist die Nummer eins im Ranking von Planet Retail (Juni 2014) im weltweiten Discounter-Markt. 2013 machte das deutsche Unternehmen einen Brutto-Außenumsatz von 61,1 Milliarden Euro.

Und das Kartellamt?

Der drahtige 54-Jährige nickt kurz, als wolle er sich für das Stichwort bedanken, und antwortet: „Es muss eine Lösung geben.“ Im Zweifel riskiere er auch Ärger mit dem Bonner Amt.

Der kam prompt. Während Haub in Mülheim noch Fragen beantwortete, vermeldeten die Nachrichtenagenturen schon die erste Reaktion der Behörde. Die Nachfragemacht des Lebensmitteleinzelhandels sei bereits heute ein Problem, gab Kartellamtschef Mundt zu Protokoll. Das Kartellamt werde den Tengelmann-Verkauf daher „intensiv prüfen“.

Was nach Amtsroutine klingt, ist in Wahrheit eine Kampfansage. Nur selten äußert der Chef einer Bundesbehörde öffentlich seine Bedenken zu einem Verfahren, das gerade erst begonnen hat.

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