Karl-Erivan Haub: "Auch Online-Händler werden schließen"

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Tengelmann-Geschäftsführer Karl-Erivan Haub

von Henryk Hielscher und Stephanie Heise

In den kommenden Jahren wird es im Einzelhandel zur Konsolidierung kommen. Tengelmann-Inhaber Karl-Erivan Haub schließt dabei den Onlinehandel ein. Außerdem erwartet er ein stabiles Weihnachtsgeschäft für den deutschen Handel.

Haub erwartet nicht nur im klassischen Einzelhandel weitere Pleiten, sondern auch im Online-Geschäft. „Wir haben enorme Überkapazitäten: 25 bis 30 Prozent der Ladenflächen sind überflüssig. Die Demografie und die Abwanderung der Kunden ins Internet werden die Situation weiter verschärfen“, sagte Haub im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. Vor allem Baumärkte und Textilhändler sieht Haub vor der Konsolidierung: „Es gibt zu viele Baumärkte und Textilhändler in Deutschland. Über kurz oder lang wird sich da etwas tun.“ In Gefahr seien aber auch Internet-Händler: „Auch viele Online-Anbieter werden schließen. Wenn Sie sehen, wie viele reine Lebensmittel-Lieferdienste es derzeit gibt, kommen Sie ins Grübeln.“

Haub gibt nur wenigen Online-Lebensmittelhändlern eine Überlebenschance. Haub: „Vielleicht überleben zwei, drei Größere. Aber der Druck ist enorm.“ Für einen reinen Online-Player ohne stationäres Geschäft sei der margenarme Handel mit Brot und Butter kaum zu schaffen.

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Ordentliches Weihnachtsgeschäft erwartet

„Wenn nicht neue Hiobsbotschaften die Kauflaune dämpfen, dürfte es ein ordentliches Weihnachtsgeschäft werden. Wir rechnen mit einer stabilen Nachfrage bei unseren wichtigsten Vertriebslinien: den Obi-Baumärkten, dem Textildiscounter KiK und den Supermärkten von Kaiser’s und Tengelmann“, sagte Haub im Interview mit der WirtschaftsWoche. Von gravierenden Umsatzsteigerungen geht Haub im Internet-Handel aus. „Dagegen wird der Online-Handel ein enormes Zusatzgeschäft verbuchen.

Wenn jemand noch nicht im Internet eingekauft hat, ist der Geschenketrubel in der Vorweihnachtszeit oft der Zeitpunkt, zu sagen: ,Ich probiere das jetzt mal aus‘, so Haub. „Bei unseren Online-Aktivitäten, also plus.de, Zalando oder Baby-Markt.de, konnten wir in der vergangenen Adventszeit einen deutlichen Bestellanstieg verbuchen.“ Das werde auch dieses Jahr so sein. Für das kommende Jahr erwartet Haub einen Konjunktur-Stillstand: „Ich rechne 2013 nicht mit einer Rezession in Deutschland, eher mit einer schwarzen Null.“

Gefahr geht laut Haub von den steigenden Energiekosten aus. „Wenn es die Umlage für erneuerbare Energien (EEG) nicht gäbe, hätten die Konsumenten mehr in der Tasche. Zudem belastet uns als Unternehmer die Umlage enorm“, kritisiert der Tengelmann-Chef. „In Summe ist das ein gewaltiger Kostenblock. Allein bei unseren Supermärkten geht es um zusätzlich rund fünf Millionen Euro pro Jahr.“ Haub kündigt an: „Wir müssen uns frühzeitig gegen die nächsten Erhöhungen wehren.“ Auf die Verbraucher lassen sich die Umlage-Kosten laut Haub nicht abwälzen: „Das gibt die Wettbewerbsintensität im deutschen Einzelhandel gar nicht her. Wir haben die niedrigsten Preise für Lebensmittel in ganz Europa, und daran wird sich wenig ändern.“

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