Karstadt-Aufsichtsrat: Diese fünf Häuser werden geschlossen

Karstadt-Aufsichtsrat: Diese fünf Häuser werden geschlossen

, aktualisiert 12. Mai 2015, 13:22 Uhr
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Karstadt schließt weitere Filialen.

Karstadt kommt nicht aus der Krise. Jetzt fallen den Sanierungsplänen fünf weitere Warenhäuser zum Opfer. Der Aufsichtsrat hat das Aus der Filialen beschlossen. Knapp 500 Mitarbeiter sind betroffen.

Karstadt schließt weitere Filialen. Für die Warenhäuser in Recklinghausen, Bottrop, Dessau, Neumünster und Mönchengladbach-Rheydt besiegelte der Aufsichtsrat am Dienstag das Aus, wie der Konzern mitteilte.

Die Umsatz- und Ergebnisentwicklung dieser Standorte sei seit Jahren negativ. "Ohne zum Teil sehr schmerzliche Entscheidungen, wie die Schließung von Filialen ohne strategische Perspektive, können wir die Gesundung des Gesamtunternehmens nicht sichern", sagte Karstadt-Chef Stephan Fanderl.

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Insgesamt sind nach Medienberichten 477 Mitarbeiter von den Schließungen betroffen. Sie wurden offenbar am Montagabend über die Schließung informiert.

Karstadts Krisen-Chronik

  • Keine Wende

    Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

  • 2009

    Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird am 1. September 2009 das Insolvenzverfahren eröffnet.

    Am 1. Dezember wird bekannt, dass zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden sollen. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

  • Erstes Halbjahr 2010

    Beim Essener Amtsgericht wird am 15. März ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu. Am 1. Juni haben von bundesweit 94 Kommunen bis auf drei bereits alle einem Verzicht auf die Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher. Nur sechs Tage später erhält die Berggruen Holding vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen. Am 14. Juni endet eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

  • Zweites Halbjahr 2010

    Am 26. August hat sich Berggruen mit der Essener Valovis-Bank geeinigt: Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es. Am 2. September stimmen die Highstreet-Gläubiger den geforderten Mietsenkungen zu.

    Am 30. September hebt das Essener Amtsgericht das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

    23. November: Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt. Er beginnt Anfang Januar 2011.

  • 2011

    Jennings legt am 6. Juli das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

  • 2012

    Am 16. Juli kündigt Karstadt die Streichung von 2000 Stellen an.

  • 2013

    Karstadt kündigt am 13. April 2013 eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Am 9. Juni bestätigt das Unternehmen, dass der Vertrag von Karstadt-Chef Jennings zum Jahresende ausläuft.

  • 2014

    Im Februar kommt Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt nach Essen und übernimmt den Geschäftsführerposten. Am 7. Juli legt Sjösted nach nur fünf Monaten alle Ämter nieder. Als Grund dafür nennt sie, dass die „Voraussetzungen“ für den von ihr angestrebten Weg nicht mehr gegeben seien.

  • Der Neue

    Der Österreicher René Benko kauft Karstadt im August für nur einen Euro. Der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen zieht sich komplett zurück. Die Sanierungsaufgaben bleiben gewaltig.

Mit der Entschiedung, die fünf Filialen zu schließen, setzt Karstadt-Chef Fanderl seinen Schrumpfkurs fort. Um den seit langem kriselnden Warenhauskonzern wieder zurück in die schwarzen Zahlen zu führen stehen alle Filialen mit rückläufigen Umsätzen und ohne Chance auf Besserung auf einer Art schwarzen Liste.

Karstadt-Eigentümer Der schöne Schein von Benkos Reich

Der Österreicher René Benko wurde als Retter des Kaufhauskonzerns Karstadt gefeiert. Doch der Blick in sein Firmenimperium offenbart vor allem interne Kredite und fragwürdige Immobiliengeschäfte.

Es ist der strahlende Hoffnungsträger bei Karstadt: Der österreichische Investor René Benko

Nach der Übernahme durch den Investor René Benko im August 2014 hatte Karstadt im Oktober bekannt gegeben, neben zwei Schnäppchen-Center und zwei K-Town-Filialen auch zwei Filialen in Hamburg und Stuttgart zu schließen. Insgesamt würde die Zahl der Karstadt-Warenhäuser so bis Mitte 2016 von 83 auf 76 sinken. Das sind weniger, als von Verdi befürchtet. Die Gewerkschaft hatte zwischnezeitlich verkündet, dass insgesamt 28 Warenhäuser von der Schließung bedroht sein.

Die Sparmaßnahmen sind jedoch weithin spürbar Nach eigenen Angaben hat Karstadt hat bis Ende März 960 Kündigungen ausgesprochen.

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