Karstadt-Chef : So stellt sich Stephan Fanderl die Warenhaus-Zukunft vor

Karstadt-Chef : So stellt sich Stephan Fanderl die Warenhaus-Zukunft vor

von Stephan Happel

Stephan Fanderl hat Filialschließungen beschlossen und hunderten Mitarbeitern gekündigt. Jetzt wähnt sich der Karstadt-Chef im Aufwind: 2016 soll das kriselnde Warenhaus wieder Gewinn machen.

960 Kündigungen bis Ende März. Im Mai wurde bekannt, dass fünf Warenhäuser geschlossen werden. Fast 500 Mitarbeiter sind davon betroffen. Bei Karstadt kreiste in den vergangenen Wochen der Hammer.

Nun bemüht sich Stephan Fanderl, der Chef der Warenhauskette, darum, Ruhe in den Konzern zu bringen. In Gesprächen und einem Schreiben an die Mitarbeiter versuchte der Konzernlenker in vergangenen Tagen Sorgen zu beschwichtigen, die Filialschließungen wären erst der Anfang.

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Karstadt-Aufsichtsrat Diese fünf Häuser werden geschlossen

Karstadt kommt nicht aus der Krise. Jetzt fallen den Sanierungsplänen fünf weitere Warenhäuser zum Opfer. Der Aufsichtsrat hat das Aus der Filialen beschlossen. Knapp 500 Mitarbeiter sind betroffen.

Karstadt schließt weitere Filialen. Quelle: dpa

Stattdessen, so die Botschaft, müsse der Blick jetzt nach vorne gehen: Ein breiteres Sortiment und neue Partner in den Filialen sollen wieder mehr Kunden anziehen. Während sein Vorgänger Andrew Jennings Karstadt stark auf Mode getrimmt hatte, will Fanderl wieder ein umfangreiches Angebot in den Regalen sehen – zum Beispiel aus den Bereichen Wohnen und Freizeit.

Selbst Herde, Kühlschränke und Waschmaschinen könnte es künftig bei Karstadt geben. „Sich aus immer mehr Warengruppen zurückzuziehen, ist keine Warenhaus-Antwort“, so Fanderl.

Karstadts Krisen-Chronik

  • Keine Wende

    Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

  • 2009

    Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird am 1. September 2009 das Insolvenzverfahren eröffnet.

    Am 1. Dezember wird bekannt, dass zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden sollen. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

  • Erstes Halbjahr 2010

    Beim Essener Amtsgericht wird am 15. März ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu. Am 1. Juni haben von bundesweit 94 Kommunen bis auf drei bereits alle einem Verzicht auf die Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher. Nur sechs Tage später erhält die Berggruen Holding vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen. Am 14. Juni endet eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

  • Zweites Halbjahr 2010

    Am 26. August hat sich Berggruen mit der Essener Valovis-Bank geeinigt: Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es. Am 2. September stimmen die Highstreet-Gläubiger den geforderten Mietsenkungen zu.

    Am 30. September hebt das Essener Amtsgericht das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

    23. November: Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt. Er beginnt Anfang Januar 2011.

  • 2011

    Jennings legt am 6. Juli das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

  • 2012

    Am 16. Juli kündigt Karstadt die Streichung von 2000 Stellen an.

  • 2013

    Karstadt kündigt am 13. April 2013 eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Am 9. Juni bestätigt das Unternehmen, dass der Vertrag von Karstadt-Chef Jennings zum Jahresende ausläuft.

  • 2014

    Im Februar kommt Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt nach Essen und übernimmt den Geschäftsführerposten. Am 7. Juli legt Sjösted nach nur fünf Monaten alle Ämter nieder. Als Grund dafür nennt sie, dass die „Voraussetzungen“ für den von ihr angestrebten Weg nicht mehr gegeben seien.

  • Der Neue

    Der Österreicher René Benko kauft Karstadt im August für nur einen Euro. Der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen zieht sich komplett zurück. Die Sanierungsaufgaben bleiben gewaltig.

Die Pläne, den Krisenkonzern aus der jahrelangen Schieflage zu bringen, sind ehrgeizig. Im laufenden Geschäftsjahr wolle man „wesentlich näher an die schwarze Null rücken“, bekräftigte Fanderl im Interview mit der Zeitung „Die Welt“.  „Wir müssen dann im kommenden Jahr wieder in der Lage sein, Geld zu verdienen.“ Die Schließungen der fünf Warenhäuser seien ein schmerzhafter, aber notwendiger Schritt. „Mit diesen fünf Filialen verlieren wir 50 Millionen Euro Jahresumsatz“, so Fanderl.

"Keine zweite Schließungsrunde"

Unter den Mitarbeitern rumort es derweil weiter. Hauptauslöser der Sorgen: Zum einen hatte die Gewerkschaft Verdi im April vor weiteren Schließungen gewarnt und mit der Einschätzung für Schrecken gesorgt, dass im schlimmsten Falle fast 40 Prozent der verbliebenen knapp 16.000 Arbeitsplätze in Gefahr wären. Zum anderen umfasst eine im vergangenen Jahr vorgelegte Rote Liste mit hochdefizitären Filialen insgesamt 28 Warenhäuser.

Diese Abschussliste aber ist einerseits durch die geplanten Schließungen kürzer geworden. Anderseits sei bei rund der Hälfte der Filialen der Turnaround gelungen. Deshalb stehen die Zeichen erstmal auf Entwarnung: „Ich habe keine zweite Schließungsrunde geplant“, so Fanderl.

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Auch wenn der Karstadt-Chef sein Unternehmen als starke Marke wahrnimmt und ihm einen gesunden Kern zuspricht, der schon seit Jahren diskutierte Zusammenschluss mit dem Konkurrenten Kaufhof ist längst nicht vom Tisch. „Eine Konsolidierung des Warenhausgeschäfts birgt natürlich viele Chancen für Kunden und Mitarbeiter“, sagte Fanderl. „Auch könnte ein gemeinsames Unternehmen mehr investieren.“

Zuletzt hatte auch der kanadische Handelskonzern Hudson's Bay Interesse an einer Kaufhof-Übernahme bekundet. Dem einstigen Pelzmonopolisten und heutigen multinationalen Konzern räumte Fanderl aber keine großen Chancen ein: „Man begreift im Ausland nicht, wie schwierig der deutsche Markt wirklich ist“, sagte er der Welt.

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