Karstadt: Die Renaissance der Waschmaschine

Karstadt: Die Renaissance der Waschmaschine

von Henryk Hielscher

Weiße Ware statt hipper Mode: Karstadt-Chef Stephan Fanderl will den Warenhauskonzern nicht nur mit rigiden Sparmaßnahmen und Filialschließungen auf Kurs bringen. Er setzt auch auf Sortimentsklassiker.

Karstadt-Chef Stephan Fanderl zückt erneut den Rotstift: Nachdem der Manager bereits im vergangenen Jahr das Aus für Karstadt-Warenhäuser in Stuttgart und Hamburg durchgesetzt hat, stehen nun fünf weitere Warenhäuser vor der Schließung. Betroffen sind die Karstadt-Filialen in Recklinghausen, Bottrop, Dessau, Neumünster und Mönchengladbach. „Ohne zum Teil sehr schmerzliche Entscheidungen, wie die Schließung von Filialen ohne strategische Perspektive, können wir die Gesundung des Gesamtunternehmens nicht sichern", kommentierte Fanderl die Entscheidung.

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Keine Frage, die Nachrichtenlage klingt bedrohlich – wie eigentlich immer, wenn es um das Thema Karstadt geht. Bemerkenswert ist jenseits der großen Schließungswelle allerdings, dass sich Fanderls Reparaturarbeiten nicht auf das Thema Einsparungen beschränken. Auch intern treibt der Manager eine Neuausrichtung voran.

Karstadt-Aufsichtsrat Diese fünf Häuser werden geschlossen

Karstadt kommt nicht aus der Krise. Jetzt fallen den Sanierungsplänen fünf weitere Warenhäuser zum Opfer. Der Aufsichtsrat hat das Aus der Filialen beschlossen. Knapp 500 Mitarbeiter sind betroffen.

Karstadt schließt weitere Filialen. Quelle: dpa

So will Karstadt laut einem Bericht der „Lebensmittelzeitung“ bis Mitte des Jahres eine neue Vertriebsstruktur einführen. Dabei soll jedes der derzeit noch 83 Warenhäuser künftig einer von acht regionalen Gruppen zugeordnet werden. Davon verspricht sich das Unternehmen schnellere Abläufe und mehr Verantwortung für die Geschäftsführungen vor Ort.

Die Sortimente sollen regional-spezifischer als bisher werden. Zudem könnten laut „Lebensmittelzeitung“ künftig wieder Heimwerker- und Haushaltsartikel sowie große Elektrogeräte wie Herde oder Kühlschränke bei Karstadt angeboten werden.

Karstadts Krisen-Chronik

  • Keine Wende

    Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

  • 2009

    Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird am 1. September 2009 das Insolvenzverfahren eröffnet.

    Am 1. Dezember wird bekannt, dass zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden sollen. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

  • Erstes Halbjahr 2010

    Beim Essener Amtsgericht wird am 15. März ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu. Am 1. Juni haben von bundesweit 94 Kommunen bis auf drei bereits alle einem Verzicht auf die Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher. Nur sechs Tage später erhält die Berggruen Holding vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen. Am 14. Juni endet eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

  • Zweites Halbjahr 2010

    Am 26. August hat sich Berggruen mit der Essener Valovis-Bank geeinigt: Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es. Am 2. September stimmen die Highstreet-Gläubiger den geforderten Mietsenkungen zu.

    Am 30. September hebt das Essener Amtsgericht das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

    23. November: Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt. Er beginnt Anfang Januar 2011.

  • 2011

    Jennings legt am 6. Juli das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

  • 2012

    Am 16. Juli kündigt Karstadt die Streichung von 2000 Stellen an.

  • 2013

    Karstadt kündigt am 13. April 2013 eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Am 9. Juni bestätigt das Unternehmen, dass der Vertrag von Karstadt-Chef Jennings zum Jahresende ausläuft.

  • 2014

    Im Februar kommt Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt nach Essen und übernimmt den Geschäftsführerposten. Am 7. Juli legt Sjösted nach nur fünf Monaten alle Ämter nieder. Als Grund dafür nennt sie, dass die „Voraussetzungen“ für den von ihr angestrebten Weg nicht mehr gegeben seien.

  • Der Neue

    Der Österreicher René Benko kauft Karstadt im August für nur einen Euro. Der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen zieht sich komplett zurück. Die Sanierungsaufgaben bleiben gewaltig.

Die Ideen von Fanderls Vor-Vorgänger Andrew Jennings sind damit endgültig vom Tisch. Jennings hatte Karstadts Heil vor allem im Ausbau des Modeangebots gesehen und verstärkt auf englische Modemarken gesetzt, die junge Kundengruppen ansprechen sollten. Allein, das Experiment erwies sich als kosten- und zeitintensiver Flop.

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Statt neue Käufer zu gewinnen, vergraulte Jennings die Stammkundschaft und verschärfte so die operative Misere des Kaufhof-Wettbewerbers. Ob Fanderls Korrekturen und Kostensenkungen ausreichen, um Karstadt wieder in die Gewinnzone zu bringen, ist jedoch fraglich.

Zunächst dürften erhebliche Kosten etwa für Abfindungen anfallen. Zudem steht der Warenhauskonzern vor einer Welle von Arbeitsgerichtsprozessen. So liegen dem Arbeitsgericht Essen Dutzende Mitarbeiterklagen gegen ihre Ende März ausgesprochenen Kündigungen vor. Gerügt werden unter anderem formale Verstöße wie das Nichteinhalten von Kündigungsfristen sowie eine nach Auffassung von Anwälten falsche Sozialauswahl.

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