Karstadt-Eigentümer: Berggruen, der Schlecker-Retter?

Karstadt-Eigentümer: Berggruen, der Schlecker-Retter?

von Rebecca Eisert

Nicolas Beggruen interessiert sich für Schlecker. In Deutschland gilt er als Karstadt-Retter. Doch das Image hat bereits Kratzer.

Berggruen und Karstadt das gehört in Deutschland zusammen wie Kohl und Pinkel, auch wenn den Karstadt-Mitarbeitern die Mischung am Ende wenig schmeckte. 2010 stieg der deutsch-amerikanische Investor Nicoals Berggruen bei der insolventen Kaufhaus-Kette ein. Die Hoffnungen waren riesig, die Enttäuschung groß.

Berggruen - der Retter in der Not

  • Schieder

    2007 übernimmt der Deutsch-Amerikaner ohne langen Vorlauf Teile des insolventen Möbelriesen Schieder mit 3500 Mitarbeitern.

  • Karstadt

    2010: Aufatmen bei 25.000 Beschäftigten: Berggruen kauft die insolvente Warenhauskette Karstadt. Endgültig gerettet ist sie aber noch nicht: Die Sanierung sei ein Marathon und kein Sprint, bilanzierte der Chef Andrew Jennings Mitte Mai.

  • Kaufhof

    Nach der Karstadt-Übernahme buhlt der Milliardär Ende 2011 auch um die schwächelnde Metro-Tochter Kaufhof. Er will Karstadt und Kaufhof unter einem Dach zusammenführen. Zu Jahresbeginn erteilt Metro ihm und den anderen Bietern eine Absage: Das Unternehmen will vorerst nicht verkaufen.

  • Schlecker

    Berggruen ist an der insolventen Drogeriemarktkette mit noch 13.500 Beschäftigten interessiert. Sein Unternehmen bestätigte Gespräche mit Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Schlecker hatte Anfang 2012 Insolvenz angemeldet.

Berggruen galt als „Investor mit Herz“, einer der ohne großen Personalabbau saniert, der nicht nur Geld machen will. Karstadt-Chef Andrew Jennings beschrieb den neuen Eigentümer mit den Worten: „Herr Berggruen ist ein Investor, der sehr langfristig agiert. Er kam her, um Karstadt, eine echte Markenikone, zu retten, und ein Grund, warum ich ihm zugesagt habe, war seine langfristige Ausrichtung. Er engagiert und interessiert sich stark für Karstadt und ist begeistert von der Marke.“

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Die Revolution bei Karstadt blieb aus

Für Begeisterung bei den Karstadt-Aufsichtsräten sorgte er jedoch nicht. Als erster schmiss Aufsichtsratschef Alain Caparros hin. Zwischen Berggruen und den Mitglieder des Kontrollgremiums war es zum Streit gekommen. Der neue Karstadt-Eigentümer hatte in einem Zeitungsinterview die Aufspaltung von Karstadt in drei separate Geschäftsfelder – Warenhäuser, Premiumfilialen, Sporthäuser – verkündet, ohne, dass der Aufsichtsrat dem bereits zugestimmt hatte.

Die neue Aufteilung der Geschäftsbereiche machte auch den Gewerkschaften Sorgen, deutete sie doch darauf hin, dass Berggruen, von dem alle ein langfristiges Investment erwartet hatten, einzelne Bereiche in absehbarer Zeit wieder gewinnbringend abstoßen will. Die angekündigten Investitionen tröpfelten dann auch nur in homöopathischen Dosen. Der Milliardär sparte, wo gespart werden konnte. Die große Revolution blieb aus. Karstadt schrumpfte sich gesund, ob der Patient langfristig genesen ist, bleibt abzuwarten.

Ein Investor wie jeder andere

Zuletzt bekam das Bild des „guten Investors“ Risse durch eine ZDF-Dokumentation. „Mister Karstadt“ sei nicht der, für den man in hielte. Der Sohn des berühmten Kunsthändlers Heinz Berggruen und einer der 500 reichsten Menschen der Welt ist nicht mehr und nicht weniger als ein normaler Finanzinvestor, einer der seine Steuern minimiert und den Gewinn maximiert und bei dessen Engagements bisweilen zwar eine soziale Attitüde anklingt, die aber letztlich vor allem ökonomisch motiviert ist.

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