Karstadt-Eigner Benko gegen Hudson's Bay: Die bedeutenden Spielzüge im Kaufhaus-Poker

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Karstadt-Eigner Benko gegen Hudson's Bay: Die bedeutenden Spielzüge im Kaufhaus-Poker

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Zwei Kandidaten buhlen um die 130 Kaufhof-Standorte mit mehr als 21.000 Beschäftigten. Neben der österreichischen Signa-Gruppe hat der kanadische Handelsriese Hudson's Bay Company (HBC) seinen Hut in den Ring geworfen.

von Henryk Hielscher und Stephan Happel

Neue Partnerschaften, große Versprechungen und Geraune im Hintergrund - der Bieterstreit zwischen René Benkos Signa und der Hudson's Bay Company geht in die heiße Phase. Eine Übersicht über den Stand im Warenhaus-Poker.

"Rich history, bright future", tönten die Manager von Hudson's Bay am Dienstagabend auf der Hauptversammlung des kanadischen Handelskonzerns. Die Vergangenheit des Unternehmens sei stolz, große Erfolge aber stünden noch bevor. Eine Ansage, die wohl auch in Richtung Deutschland geht. Denn auch wenn Hudson's Bay seine Pläne noch immer nicht offen legt, das Interesse am Erwerb von Kaufhof scheint hoch.

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Kampflos wird René Benko, einziger Kontrahent im Bieter-Streit, den Kanadiern das Feld nicht überlassen. Er spielt Karten aus, an die nur wenige gedacht hatten - und holt sich durch eine Partnerschaft mit La Rinascente aus Italien und der thailändischen Central Group auch neue Handelsexpertise an Bord. Ein Überblick über die entscheidenden Winkelzügen und wichtigen Momente im Kaufhaus-Poker.

Worum geht es?

Schon seit Jahren steht Galeria Kaufhof zum Verkauf. Während sich in der Vergangenheit jedoch kein Bieter fand, der bereit oder in der Lage war, einen Preis von mehr als zwei Milliarden Euro für die Warenhaustochter des Düsseldorfer Handelskonzerns Metro zu bezahlen, buhlen jetzt gleich zwei Kandidaten um die 130 Kaufhof-Standorte mit mehr als 21.000 Beschäftigten.

Die Top 10 Warenhausbetreiber Europa 2015

  • Rang 10

    Unternehmen: Dunnes
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 2.365 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 155
    Verkaufsfläche: 293.113 m²

    Quelle: Planet Retail - 9. Juni 2015

  • Rang 09

    Unternehmen: Karstadt (ohne Karstadt Feinkost (Perfetto))
    Land: Deutschland
    Brutto-Außenumsatz (2013): 2.770 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 86
    Verkaufsfläche: 1.263.254 m²

  • Rang 08

    Unternehmen: Debenhams
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.199 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 186
    Verkaufsfläche: 1.264.607 m²

  • Rang 07

    Unternehmen: Home Retail Group
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.299 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 754
    Verkaufsfläche: 544.533 m²

  • Rang 06

    Unternehmen: Metro Group (nur Galeria Kaufhof (ohne Sport Arena und Dinea))
    Land: Deutschland
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.336 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 120
    Verkaufsfläche: 1.298.820 m²

  • Rang 05

    Unternehmen: Galeries Lafayette
    Land: Frankreich
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.604 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 64
    Verkaufsfläche: 530.048 m²

  • Rang 04

    Unternehmen: John Lewis
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.764 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 41
    Verkaufsfläche: 437.839 m²

  • Rang 03

    Unternehmen: Casino
    Land: Frankreich
    Brutto-Außenumsatz (2013): 4.051 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 304
    Verkaufsfläche: 546.700 m²

  • Rang 02

    Unternehmen: El Corte Inglés
    Land: Spanien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 9.531 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 88
    Verkaufsfläche: 2.420.000 m²

  • Rang 01

    Unternehmen: Marks & Spencer (ohne Spezialkonzepte)
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 11.258 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 387
    Verkaufsfläche: 1.404.958 m²

Wer sind die Interessenten?

Zum einen hat der kanadische Handelsriese Hudson's Bay Company (HBC) seinen Hut in den Ring geworfen. Hudson's Bay betreibt in seinem Heimatmarkt Kanada unter anderem 90 Warenhäuser. Zudem gehört die US-Kette Saks Fifth Avenue zu HBC. Der Konzern ist eines der ältesten Unternehmen der Welt. Die Unternehmenshistorie reicht bis ins Jahr 1670 zurück, als HBC das Monopol über den kanadischen Pelzhandel übertragen wurde.

Der zweite Bieter ist die österreichische Signa-Gruppe des Investors René Benko. Signas Geschichte ist nur rund 15 Jahre alt - dafür aber nicht minder schillernd. Benkos Truppe managt nach eigenen Angaben ein Immobilienvermögen von rund sechs Milliarden Euro. Nebenher ist Signa über die Handelssparte Signa Retail im Warenhausgeschäft aktiv. Im Sommer 2014 übernahm Benko das operative Geschäft des kriselnden Kaufhof-Konkurrenten Karstadt.

Wie viel bieten Signa und Hudson’s Bay?

Signa: 2,9 Milliarden Euro wollen die Österreicher für Kaufhof auf den Tisch legen - Immobilien inklusive. Ein stolzer Preis – aber schon 2011 war der österreichische Investor bereit, für die Warenhauskette 2,4 Milliarden Euro zu zahlen. Damals platzte der Deal – auch weil Olaf Koch, Chef der Kaufhof-Mutter Metro, Benkos Finanzierung zu fragil erschien. Jetzt stehen die Chancen offenbar besser: HypoVereinsbank und Citi stehen für die Finanzierung gerade.

HBC: Beim Preis dürften die Rivalen auf Augenhöhe sein. Das heißt, viel weniger als drei Milliarden Euro wird auch die Hudson's Bay Company nicht bieten. Dass man sich bei dem Verkauf nicht mit Peanuts abgeben wird, hatte die Metro zuvor deutlich gemacht. HBC kommt bei der Finanzierung der derzeit niedrige Euro-Kurs zugute.

Karstadt-Eigner Benko gegen Hudson’s Bay Wer gewinnt den Kampf um Kaufhof?

René Benko will Kaufhof übernehmen. Doch Korruptionsvorwürfe in Österreich und die Hudson’s Bay Company als zusätzlicher Bieter gefährden die Favoritenrolle des Karstadt-Eigentümers bei dem Deal.

Karstadt-Kaufhof Zusammenlegung? Quelle: dpa Picture-Alliance

Was haben Benko und HBC mit Kaufhof vor?

Signa: Entscheiden sich die Kaufhof-Eigentümer für die Österreicher, wird wohl das Konzept der viel beschriebenen „Deutschen Warenhaus AG“ Wirklichkeit – also ein Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt. Durch die Zusammenlegung von Karstadt und Kaufhof entstünde ein Kaufhaus-Riese mit zunächst 219 Warenhäusern und 38.000 Mitarbeitern. Dem Vernehmen nach soll im Benko-Modell die bisherige Kaufhof-Geschäftsführung an Bord bleiben. Karstadt könnte als Tochtergesellschaft an Kaufhof angedockt werden. Beide Marken sollen dabei aber erhalten bleiben.

HBC: Bekommt Hudson's Bay den Zuschlag, würde vor allem  das Online-Geschäft ausgebaut und besser mit den Filialen verzahnt werden. Auf 15 bis 20 Prozent könnte der E-Commerce-Anteil nach oben schnellen. Die Marke soll HBC im Nordamerika-Geschäft bereits erreicht haben. Zudem könnte Kaufhof zur Basis für eine weitere Expansion von HBC in Europa werden, möglicherweise auch durch weitere Übernahmen. Auch in der HBC-Variante soll die bisherige Kaufhof-Führung im Amt bleiben.

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