Karstadt-Eigner Benko gegen Hudson’s Bay: Wer gewinnt den Kampf um Kaufhof?

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Karstadt-Eigner Benko gegen Hudson’s Bay: Wer gewinnt den Kampf um Kaufhof?

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Bisher war der österreichische Investor René Benko der klare Favorit bei der Kaufhof-Übernahme. Doch Korruptionsvorwürfe und ein weiterer Bieter könnten ihn bald aus dem Rennen drängen.

von Henryk Hielscher und Martin Seiwert

René Benko will Kaufhof übernehmen. Doch Korruptionsvorwürfe in Österreich und die Hudson’s Bay Company als zusätzlicher Bieter gefährden die Favoritenrolle des Karstadt-Eigentümers bei dem Deal.

Chalet N heißt der Holz gewordene Luxustraum des René Benko auf knapp 1700 Meter Höhe. Ein Alpenrefugium im Bauernstuben-Look hat der Karstadt-Eigner im österreichischen Nobelskiort Lech am Arlberg errichten lassen. Hier sollen sich die Begüterten der Welt an „Genüssen von feinster Qualität“ laben, wie es auf der Homepage des Chalets heißt.

Ein Werbevideo zeigt Suiten, in deren Kaminen behagliche Feuer lodern, eine Postkarten-kitschige Bergkulisse umrahmt die Sonnenterrasse. Rund 270.000 Euro pro Woche müssen die Gäste des feinen Chalets angeblich dafür zahlen, um die „Kraft der Ruhe inmitten herrlicher Natur“ zu erspüren.

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Deutschlands beliebteste Waren- und Kaufhäuser

  • Platz 5

    Mit 2,05 Millionen Besucher in sehcs Monaten kommt Breuninger auf Rang 5 der Waren- und Kaufhäuser in Deutschland

    Zur Umfrage: Das Ergebnis einer Umfrage zu den beliebtesten Waren- und Kaufhäusern in Deutschland zeigt, wie viele Menschen innerhalb von sechs Monaten im vergangenen Jahr in den verschiedenen Warenhäusern eingekauft haben.

    Quelle: Statista / IFAK, Ipsos

  • Platz 4

    Strauss Innovation landet 2014 auf dem vierten Platz der beliebtesten Waren- und Kaufhäuser mit rund vier Millionen Kunden in sechs Monaten.

  • Platz 3

    Platz drei geht mit rund 8,4 Millionen Kunden an die Einzelhandelskette Woolworth mit rund 260 Filialen in Deutschland.

  • Platz 2

    Mit einer Kundschaft von 17,35 Millionen hat es die Karstadt Warenhaus GmbH mit Sitz in Essen auf Platz zwei der beliebtesten Kaufhäuser geschafft.

  • Platz 1

    Die meisten Kunden konnte die Galeria Kaufhof in sechs Monaten im Jahr 2014 in ihre Filialen locken. Rund 21,72 Millionen Deutsche über 14 Jahre haben dort eingekauft.

Für Vermieter Benko allerdings entwickelt sich das Alpen-Domizil zum Stressfaktor, allen Annehmlichkeiten zum Trotz. Ausgerechnet während Benko mit seinem österreichischen Immobilienunternehmen Signa an seinem bis dato größten Deal feilt – der milliardenschweren Übernahme des Karstadt-Rivalen Kaufhof –, werden Korruptionsvorwürfe um das schmucke Chalet laut. „Wir ermitteln in dem Fall wegen des Verdachts der Vorteilszuwendung und der Vorteilsnahme“, bestätigt ein Sprecher der Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft der WirtschaftsWoche.

Ein Signa-Sprecher will sich zu dem Vorgang nicht äußern. Formal hat das Unternehmen mit dem Luxusprojekt seines Gründers Benko nichts zu tun.

Die Komparsen in der Kaufhaus-Soap um Karstadt

  • 1999: Madeleine Schickedanz

    Durch die Fusion des ererbten Quelle-Versands mit Karstadt wird Schickedanz größte Aktionärin des Konzerns. Nach und nach stockt sie ihre Anteile auf – vor allem mit Millionenkrediten von Sal. Oppenheim.

  • 2003: Josef Esch

    Der Troisdorfer Immobilienentwickler Esch wird Vermögensberater von Schickedanz.

  • 2004: Thomas Middelhoff

    Der frühere Bertelsmann-Chef Middelhoff wird zum Aufsichtsratsvorsitzenden des Karstadt-Quelle-Konzerns und entert wenig später den Chefposten. Auch er nutzt die Dienste von Esch.

  • 2008: Matthias Graf von Krockow

    Die Kredite an Schickedanz werden für Sal.-Oppenheim-Chef von Krockow zum Problem.

  • 2009: Klaus Hubert Görg

    Der Kölner Insolvenzverwalter Görg übernimmt das Kommando in Essen und findet einen Konzern vor, in dem selbst der „Staub aus den Ecken“ noch zu Geld gemacht worden sei. Die Rettung von Quelle scheitert, Karstadt wird verkauft.

  • 2014: Eva-Lotta Sjöstedt

    Karstadt-Chefin Sjöstedt räumt ihren Posten. „Ich will lange hierbleiben“, hatte sie zum Einstand versprochen. Fünf Monate später war sie wieder weg.

Klar ist jedoch: Im Rennen um Kaufhof bergen die Ermittlungen ein Risiko für die Benko-Truppe, zumal sich ein weiterer Interessent für die Kölner Warenhausikone aus der Deckung wagt. Der kanadische Handelskonzern Hudson’s Bay Company (HBC) hat nach Informationen aus Verhandlungskreisen eine erste, noch unverbindliche Offerte auf den Tisch gelegt. Ein Bietergefecht bahnt sich an, bei dem der Kaufpreis eine entscheidende, aber nicht die einzige Variable ist.

Benko hat Insidern zufolge bereits eine Offerte für Kaufhof hinterlegt. Benko bietet den Insidern zufolge über seine Signa Holding rund 2,9 Milliarden Euro. Die erste Offerte der Kanadier bewege sich ebenfalls in dieser Größenordnung, hieß es. Metro wollte sich nicht dazu äußern, von Hudson's Bay war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Karstadt-Eigentümer Der schöne Schein von Benkos Reich

Der Österreicher René Benko wurde als Retter des Kaufhauskonzerns Karstadt gefeiert. Doch der Blick in sein Firmenimperium offenbart vor allem interne Kredite und fragwürdige Immobiliengeschäfte.

Es ist der strahlende Hoffnungsträger bei Karstadt: Der österreichische Investor René Benko

Olaf Koch, Chef des Kaufhof-Mutterkonzerns Metro, müht sich nach Kräften, den Eindruck zu vermeiden, er wolle die Traditionskette an Glücksritter verscherbeln. „Neben einem angemessenen Preis und einer soliden Finanzierung“ müsse ein potenzieller Käufer „auch ein schlüssiges Zukunftskonzept vorlegen“, sagte Koch der WirtschaftsWoche. Das schließe „eine solide Zukunft“ für die Mitarbeiter ein. Metro habe sich verpflichtet, „bei einem möglichen Verkauf auch soziale und ethische Aspekte“ zu berücksichtigen. Die Schlagzeilen ums Chalet kommen für Benko da höchst ungelegen.

Ramponierter Ruf

Schon vor einigen Wochen tauchten in österreichischen Medien Meldungen zu Benkos Prachtbau auf. 2011 hatte er in Lech den maroden Berggasthof Schlössle erstanden und später abreißen lassen. Zunächst musste er sich allerdings mit der Gemeinde Lech einigen, die ein Vorkaufsrecht für das Areal beanspruchte. Laut einem vertraulichen Sitzungsprotokoll des Gemeinderats soll Benko 250.000 Euro für den Verzicht auf ein „Ausjudizieren des Vorkaufsrechts“ angeboten haben sowie weitere 250.000 Euro „im Rahmen einer zeitlich vernünftigen Abwicklung der Genehmigungsverfahren für sein Projekt“, wie es in dem Dokument heißt. Diese Passage dürfte auch die Wiener Korruptionsermittler auf den Plan gerufen haben, die nun klären müssen, ob Benko Geld in Aussicht gestellt hat, um das Genehmigungsverfahren zu beschleunigen.

Galeria Kaufhof Überblick

Galeria Kaufhof im Überblick (zum Vergrößern bitte anklicken)

Der Verdacht trifft Benko an einem empfindlichen Punkt: Er droht sein ohnehin angeschlagenes Image als seriöser Geschäftsmann weiter zu ramponieren. So wurde der Kaufhof-Interessent bereits 2012 wegen eines Korruptionsdelikts verurteilt. Ein österreichisches Gericht sah es als erwiesen an, dass Benko über seinen Steuerberater versucht hatte, ein Steuerverfahren gegen Signa in Italien zu beeinflussen. Die Richterin sprach von einem „Musterfall von Korruption“ und verurteilte Benko zu einer Bewährungsstrafe von zwölf Monaten. Im vergangenen August bestätigte Österreichs höchstes Gericht das Urteil.

Ein Signa-Sprecher betonte damals zwar, das Urteil habe keine Auswirkungen auf die Geschäfte. Doch beim aktuellen Gerangel um Kaufhof dürfte am Ende viel davon abhängen, ob Gewerkschafter, Aufsichtsräte und Metro-Management den Versprechen Benkos trauen.

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