Karstadt gegen Verdi: Die Zeichen stehen auf Sturm

Karstadt gegen Verdi: Die Zeichen stehen auf Sturm

von Henryk Hielscher

Hoffnungsvoll gestartet, ergebnislos vertagt: Im Tarifstreit zwischen Verdi und Karstadt verhärten sich die Fronten. Die Mitarbeiter müssen weiter um die Rückkehr in die Tarifbindung bangen.

Verdi-Verhandlungsführer Arno Peukes war zuversichtlich. Vor den Tarif-Verhandlungen mit dem Management des Essener Warenhauskonzerns hatte der Gewerkschafter der WirtschaftsWoche gesagt: „Zumindest für die Karstadt-Luxushäuser KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München zeichnet sich ab, dass die rund 1800 Beschäftigten bald wieder nach Tarif bezahlt werden könnten“.

"Völlig inakzeptabel"

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Eine Woche später steht fest: Von einer Annäherung im Tarifstreit sind Verdi und die Karstadt-Führung noch immer weit entfernt. Die Verhandlungen wurden nach Verdi-Angaben am späten Mittwochabend ergebnislos vertagt.

Demnach hätte sich die Arbeitgeber-Seite geweigert, eine Vereinbarung zur „Standort- und Beschäftigungssicherung“ zu treffen. Zudem sollen die Beschäftigten in den Sport- und Warenhäusern für weitere drei Jahre auf die Rückkehr in die Tarifbindung und damit auf Lohnerhöhungen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten.

Karstadts Krisen-Chronik

  • Keine Wende

    Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

  • 2009

    Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird am 1. September 2009 das Insolvenzverfahren eröffnet.

    Am 1. Dezember wird bekannt, dass zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden sollen. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

  • Erstes Halbjahr 2010

    Beim Essener Amtsgericht wird am 15. März ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu. Am 1. Juni haben von bundesweit 94 Kommunen bis auf drei bereits alle einem Verzicht auf die Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher. Nur sechs Tage später erhält die Berggruen Holding vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen. Am 14. Juni endet eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

  • Zweites Halbjahr 2010

    Am 26. August hat sich Berggruen mit der Essener Valovis-Bank geeinigt: Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es. Am 2. September stimmen die Highstreet-Gläubiger den geforderten Mietsenkungen zu.

    Am 30. September hebt das Essener Amtsgericht das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

    23. November: Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt. Er beginnt Anfang Januar 2011.

  • 2011

    Jennings legt am 6. Juli das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

  • 2012

    Am 16. Juli kündigt Karstadt die Streichung von 2000 Stellen an.

  • 2013

    Karstadt kündigt am 13. April 2013 eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Am 9. Juni bestätigt das Unternehmen, dass der Vertrag von Karstadt-Chef Jennings zum Jahresende ausläuft.

  • 2014

    Im Februar kommt Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt nach Essen und übernimmt den Geschäftsführerposten. Am 7. Juli legt Sjösted nach nur fünf Monaten alle Ämter nieder. Als Grund dafür nennt sie, dass die „Voraussetzungen“ für den von ihr angestrebten Weg nicht mehr gegeben seien.

  • Der Neue

    Der Österreicher René Benko kauft Karstadt im August für nur einen Euro. Der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen zieht sich komplett zurück. Die Sanierungsaufgaben bleiben gewaltig.

Laut Verdi würden die geplanten Einschnitte einen weiteren Sanierungsbeitrag von rund 240 Millionen Euro bedeuten. Aus Sicht der Gewerkschaft sei das „völlig inakzeptabel“, heißt es in einer Mitteilung.

Die Zeichen stehen nun auf Sturm: Die Gewerkschaft und die Beschäftigten würden beraten, welche Möglichkeiten zur Durchsetzung ihrer Interessen bestehen. „Der Unmut ist groß. Wir erwarten, dass die Arbeitgeber sich endlich bewegen“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Peukes.

Weitere Artikel

Bereits in den vergangenen Wochen war über mögliche Streiks in den Filialen des Handelskonzerns spekuliert worden. Zumal erst kürzlich ein umfangreicher Personalabbau beschlossen wurde, der unter den Beschäftigten für Unmut sorgt: So sollen insgesamt 2400 der 17.000 Vollzeitstellen abgebaut werden - 1400 davon über Kündigungen.

Bei Verdi hieß es, die Tarifverhandlungen sollen zeitnah fortgesetzt werden. Ein genauer Termin steht aber noch nicht fest.

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