Karstadt-Krise: Reicht Berggruen Karstadt an Benko durch?

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Karstadt-Krise: Reicht Berggruen Karstadt an Benko durch?

von Henryk Hielscher

Helfersyndrom: Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen soll mit dem österreichischen Immobilieninvestor René Benko über einen Verkauf verhandeln. Dass der Deal zustande kommt, bezweifeln Experten jedoch.

Bei dem maladen Warenhauskonzern Karstadt geht es derzeit Schlag auf Schlag: Anfang der Woche quittierte die erst seit wenigen Monaten amtierende Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt den Dienst und zeigte damit, wie ernst die Lage bei dem Essener Unternehmen ist. Jetzt soll Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen mit dem österreichischen Immobilienunternehmer René Benko über den Verkauf des Unternehmens verhandeln, meldet die "Bild". Allein, Handelsexperten halten die Nachricht für alles andere als eine Sensation und geben keine Entwarnung für die Beschäftigten.

Benkos Unternehmen Signa hatte bereits im Herbst 2013 75 Prozent der Anteile an den Premium- und Sport-Warenhäusern von Karstadt übernommen - darunter das Berliner KaDeWe. Der auf Immobiliengeschäfte spezialisierten Finanzgruppe gehören zudem etliche Karstadt-Warenhausimmobilien. Bekannt ist schon seit Monaten, dass Signa und der israelische Diamantenmilliardär Beny Steinmetz über die Option verfügen, von Berggruen auch die Mehrheit am Kerngeschäft für einen Euro zu übernehmen.

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"Doch warum sollten die Investoren diese Option ziehen?", fragte die WirtschaftsWoche bereits Anfang Dezember 2013.

Karstadts Krisen-Chronik

  • Keine Wende

    Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

  • 2009

    Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird am 1. September 2009 das Insolvenzverfahren eröffnet.

    Am 1. Dezember wird bekannt, dass zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden sollen. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

  • Erstes Halbjahr 2010

    Beim Essener Amtsgericht wird am 15. März ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu. Am 1. Juni haben von bundesweit 94 Kommunen bis auf drei bereits alle einem Verzicht auf die Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher. Nur sechs Tage später erhält die Berggruen Holding vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen. Am 14. Juni endet eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

  • Zweites Halbjahr 2010

    Am 26. August hat sich Berggruen mit der Essener Valovis-Bank geeinigt: Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es. Am 2. September stimmen die Highstreet-Gläubiger den geforderten Mietsenkungen zu.

    Am 30. September hebt das Essener Amtsgericht das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

    23. November: Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt. Er beginnt Anfang Januar 2011.

  • 2011

    Jennings legt am 6. Juli das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

  • 2012

    Am 16. Juli kündigt Karstadt die Streichung von 2000 Stellen an.

  • 2013

    Karstadt kündigt am 13. April 2013 eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Am 9. Juni bestätigt das Unternehmen, dass der Vertrag von Karstadt-Chef Jennings zum Jahresende ausläuft.

  • 2014

    Im Februar kommt Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt nach Essen und übernimmt den Geschäftsführerposten. Am 7. Juli legt Sjösted nach nur fünf Monaten alle Ämter nieder. Als Grund dafür nennt sie, dass die „Voraussetzungen“ für den von ihr angestrebten Weg nicht mehr gegeben seien.

  • Der Neue

    Der Österreicher René Benko kauft Karstadt im August für nur einen Euro. Der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen zieht sich komplett zurück. Die Sanierungsaufgaben bleiben gewaltig.

Denn der vermeintlich niedrige Kaufpreis von einem Euro ist in Wahrheit eine optische Täuschung: Die Modernisierungs- und Sanierungskosten für die sieche Kette dürften sich auf dreistellige Millionenbeträge summieren. Und seit 2013 hat sich die Lage kaum verbessert, die Bereitschaft zuzuschlagen dürfte auf Benkos Seite daher eher noch gesunken als gestiegen sein, heißt es in der Branche.

"Es gibt für Herrn Benko keinen Grund, ausgerechnet jetzt das operative Geschäft von Karstadt zu übernehmen", sagt etwa der Osnabrücker Handels- und Marketingfachmann Jakob Ruprecht. "Er stünde vor dem gleichen Problemen wie Investor Berggruen: Hoher Investitionsbedarf, extreme Reputationsrisiken und geringe Handlungsspielräume", so Ruprecht.

Berggruen hatte den Karstadt-Konzern im Juni 2010 selbst für den Symbolpreis von einem Euro übernommen und Investitionen versprochen. Tatsächlich soll Berggruen jedoch kaum eigene Mittel in das Unternehmen gesteckt haben. Die klassischen Warenhäuser werden nach früheren Angaben von Aufsichtsratschef Stephan Fanderl auch in diesem Jahr keinen Gewinn erwirtschaften. "Bei Karstadt sind die Immobilien interessant, operativ ist nur noch wenig Fleisch am Knochen", sagt Handelsexperte Ruprecht dazu.

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Vor allem im Modebereich würden die Konzepte fehlen, gelte das Unternehmen als zu austauschbar: "Wie soll ausgerechnet Karstadt als Kauf- und Warenhaus gegen H&M, Forever21, Desigual oder Superdry bestehen?", fragt Ruprecht.

Für Benko und seine Signa könnte das klassische Warenhausgeschäft von Karstadt daher allenfalls aus zwei Gründen interessant sein: Zum einen, wenn Berggruen den Kauf mit einer Millionen-Mitgift alimentiert. Zum anderen, wenn er eine Möglichkeit sieht, Karstadt über kurz oder lang mit dem Erzrivalen Kaufhof zu fusionieren. Dazu passt, dass Benko einst auch Favorit für den Kauf der Metro-Tochter Kaufhof war.

Die Idee einer Deutschen Warenhaus AG, eines Zusammenschlusses von Karstadt und Kaufhof, geistert allerdings schon seit Jahren durch die Branche. Auf Metro-Seite hält sich die Begeisterung für den Ansatz derzeit ohnehin in engen Grenzen. Metro-Chef Olaf Koch hatte jüngst bereits abgewunken - eine Kaufhaus-Allianz mit dem zu Metro gehörenden Kaufhof werde es nicht geben.

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