Karstadt: Mönchengladbach kauft sich eine Filiale

Karstadt: Mönchengladbach kauft sich eine Filiale

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Die Kartstadt-Filiale im Mönchengladbacher Stadtteil Rheydt in Möchengladbach: Der angeschlagene Karstadt-Konzern wird seine Filiale in Mönchengladbach nun doch nicht schließen.

Karstadt-Chef Stephan Fanderl hat gute Nachrichten: Die Filiale in Mönchengladbach-Rheydt, die eigentlich geschlossen werden sollte, bleibt erhalten. Allerdings nur weil die Stadt Millionen investiert.

Gute Nachrichten aus dem Hause Karstadt haben zurzeit eher Seltenheitswert. Doch am Freitag konnte Karstadt-Chef Stephan Fanderl zumindest den rund 100 Beschäftigten des Warenhauses in Mönchengladbach-Rheydt Erfreuliches präsentieren. Die Filiale, die eigentlich Mitte nächsten Jahres geschlossen werden sollte, bleibt langfristig erhalten und mit ihr die meisten Arbeitsplätze vor Ort.

Möglich wurde das Kunststück vor allem durch das Engagement der Entwicklungsgesellschaft der Stadt Mönchengladbach (EWMG), die das Karstadt-Haus vom bisherigen Eigentümer Highstreet für einen mittleren Millionenbetrag kauft - und für eine siebenstellige Summe so umbaut, dass Karstadt bereit ist, einen neuen 10-jährigen Mietvertrag zu unterschreiben. Das Motiv der Stadt: Sie will den wichtigen Kundenmagneten halten, um eine Verödung der Geschäftsstraßen von Rheydt zu verhindern.

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Den anderen Schließungsfilialen machte Fanderl allerdings wenig Hoffnung auf ein ähnliches Happy-End. Mönchengladbach habe insgesamt eine positive Entwicklung bei Kaufkraft, Einwohnerzahl und Beschäftigungsverhältnissen, bei den anderen Schließungsstandorten sei die Situation erheblich schwieriger. Die Schließungsbeschlüsse dort blieben in Kraft. Karstadt will im Zuge der Sanierung 2016 die Filialen in Recklinghausen, Bottrop, Dessau und Neumünster aufgeben.

Insgesamt zog der Karstadt-Chef eine positive Zwischenbilanz der Aufräumarbeiten bei der angeschlagenen Warenhauskette. Karstadt sei in dem auf drei Jahre angelegten Sanierungsprozess schon unerwartet weit gekommen. “Es sieht so aus, dass wir im ersten Jahr 50 Prozent der Wegstrecke schaffen, wenn nicht mehr“, sagte Fanderl.

Ende vergangenen Jahres hätten noch etwa 25 Prozent der Filialen Geld verloren. Doch es gehe aufwärts. „Die nachhaltig verlustträchtigen Häuser reduzieren sich enorm“, sagte der Manager. „Man sieht in den Büchern, dass es besser wird.“ Mit schwarzen Zahlen rechnet der Manager in diesem Jahr aber noch nicht.

In Mönchengladbach bleibt Karstadt nun erst einmal für weitere zehn Jahre Mieter in dem Haus in Rheydt - mit der Option den Vertrag schrittweise auf 30 Jahre zu verlängern. “Diese Investition zum Erhalt der Karstadt-Filiale war keine leichte Entscheidung“, betonte der Mönchengladbacher Oberbürgermeister Hans-Wilhelm Reiners. Doch wollte die Stadt der Gefahr einer Verödung der Rheydter Innenstadt vorbeugen.

Der EWMG-Chef Ulrich Schückhaus sagte, die von Karstadt präsentierten Zahlen zur Geschäftsentwicklung gäben dem Unternehmen die Zuversicht, mit dem Warenhauskonzern für die Zukunft planen zu können.

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Gerrit Heinemann, Handelsexperte von der Hochschule Niederrhein, findet die Risikobereitschaft der Stadt richtig. Der Fall Hertie habe gezeigt, wie verheerend es für Innenstädte sein könne, wenn Warenhäuser jahrelang leer stehen. Mönchengladbach habe den Mut gehabt, „etwas zu tun und nicht den Kopf in den Sand zu stecken“.

Kritischer sieht den Schritt der Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Er meint: „Die Stadt geht auf jeden Fall ein hohes Risiko ein. Denn ob der verkleinerte Karstadt noch ausreichend kritische Masse hat, um auf Dauer zu bestehen, ist ungewiss.“

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