Karstadt: Nicolas Berggruen gesteht Fehler ein

Karstadt: Nicolas Berggruen gesteht Fehler ein

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Der ehemalige Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen spricht erstmals über Fehler.

Die Sanierung von Karstadt scheiterte unter Nicolas Berggruen. Nachdem der österreichische Investor Benko den Warenhauskonzern übernommen hat, gibt Berggruen erstmals Fehler zu.

Im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" hat der bei Karstadt gescheiterte Investor Nicolas Berggruen entscheidende Fehler eingeräumt. Es sei falsch gewesen, dass er nicht "früher und entschiedener bei der Sanierung vorgegangen" sei. Notwendige Einschnitte seien vermieden worden, sagte Berggruen. Er habe sich strikt an die Zusage gehalten, keine Standorte zu schließen und in den ersten beiden Jahren alle Mitarbeiter zu halten. Dies benennt Berggruen nun als Grund des Scheiterns. "Das hat uns ab 2013 in eine sehr schwierige Situation gebracht", sagte er der SZ.

Karstadts Krisen-Chronik

  • Keine Wende

    Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

  • 2009

    Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird am 1. September 2009 das Insolvenzverfahren eröffnet.

    Am 1. Dezember wird bekannt, dass zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden sollen. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

  • Erstes Halbjahr 2010

    Beim Essener Amtsgericht wird am 15. März ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu. Am 1. Juni haben von bundesweit 94 Kommunen bis auf drei bereits alle einem Verzicht auf die Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher. Nur sechs Tage später erhält die Berggruen Holding vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen. Am 14. Juni endet eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

  • Zweites Halbjahr 2010

    Am 26. August hat sich Berggruen mit der Essener Valovis-Bank geeinigt: Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es. Am 2. September stimmen die Highstreet-Gläubiger den geforderten Mietsenkungen zu.

    Am 30. September hebt das Essener Amtsgericht das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

    23. November: Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt. Er beginnt Anfang Januar 2011.

  • 2011

    Jennings legt am 6. Juli das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

  • 2012

    Am 16. Juli kündigt Karstadt die Streichung von 2000 Stellen an.

  • 2013

    Karstadt kündigt am 13. April 2013 eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Am 9. Juni bestätigt das Unternehmen, dass der Vertrag von Karstadt-Chef Jennings zum Jahresende ausläuft.

  • 2014

    Im Februar kommt Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt nach Essen und übernimmt den Geschäftsführerposten. Am 7. Juli legt Sjösted nach nur fünf Monaten alle Ämter nieder. Als Grund dafür nennt sie, dass die „Voraussetzungen“ für den von ihr angestrebten Weg nicht mehr gegeben seien.

  • Der Neue

    Der Österreicher René Benko kauft Karstadt im August für nur einen Euro. Der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen zieht sich komplett zurück. Die Sanierungsaufgaben bleiben gewaltig.

Die Gewerkschaften hatten sich nach dem Ausstieg Berggruens und der Übernahme durch den österreichischen Investor Rene Benko erleichtert gezeigt und Kritik an Berggruen geäußert. Dieser Kritik hält Berggruen entgegen, alle Zusagen eingehalten zu haben. Die Gewerkschaften müssten sich überlegen, was gut für Karstadt sei, sagte Berggruen. "Manchmal ist es bei einer Sanierung eben so: Am Anfang tut es weh, aber langfristig hilft es." Er deutete an, dass unter dem neuen Eigentümer in den nächsten Jahren wohl auch Warenhäuser geschlossen würden. Benkos Signa-Holding werde es leichter haben, da sie keine Kompromisse mit Verdi und den Mitarbeitern eingegangen sei.

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"Kein finanzieller Erfolg"

Der Karstadt-Aufsichtsrat Arno Peukes sagte unserer Redaktion, Berggruen habe kräftig am maroden Warenhauskonzern verdient. „Berggruen hat mit Karstadt bisher 40 bis 50 Millionen Euro verdient“, erklärte er. Die in Aussicht gestellten Investitionen seien hingegen nie erfolgt. Im SZ-Interview wehrt sich Berggruen nun gegen die Kritik. Er bestritt, dass Karstadt für ihn ein gutes Geschäft gewesen sei. Auf die Frage zu den Millionen-Gewinnen antwortete er: "Es war weniger. Am Ende des Tages war Karstadt kein finanzieller Erfolg für mich."

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Zudem habe er Benko den Konzern für einen symbolischen Euro überlassen, anstatt ihn zu zerlegen und am Verkauf der Premiumsparte zu verdienen. Doch er habe Karstadt als Ganzes erhalten wollen.

Über seine Rolle bei Karstadt sagte er: „Ich lebe nicht in Deutschland, sondern in Amerika. Viele Menschen haben geglaubt, ich sei ständig in Deutschland und kümmere mich persönlich um das Management und säße am Ende sogar an der Kasse.“

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