Karstadt: Rene Benko bemüht sich offenbar um Kaufhof

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Karstadt: Rene Benko bemüht sich offenbar um Kaufhof

, aktualisiert 01. November 2014, 16:06 Uhr
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Karstadt-Fahnen wehen vor der Hauptverwaltung in Essen. Der neue Chef plant Umstrukturierungen für die Mitarbeiter.

Der neue Karstadt-Eigner Benko hat sich mit Metro-Manager Baier getroffen. Dabei soll es um eine mögliche Fusion von Kaufhof und Karstadt gegangen sein.

Der Handelskonzern Metro hat erstmals Gespräche mit dem Karstadt-Eigner Rene Benko über Kaufhof bestätigt. "Es gab lose Gespräche", sagte ein Metro-Sprecher am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Mehr gab es nicht und wird es in nächster Zukunft auch nicht geben." Seit der Karstadt-Übernahme durch Benko sind Spekulationen um eine Zusammenführung mit den Warenhäusern der Metro-Tochter Kaufhof wieder aufgelebt.

Das Magazin "Focus" hatte zuvor berichtet, Benko verstärke trotz öffentlicher Dementis seine Bemühungen um den Konkurrenten Kaufhof. Der Österreicher habe sich dazu mit dem Metro-Manager Christian Baier getroffen, der den Bereich Strategie und Fusionen bei dem Kaufhof-Mutterkonzern leite, berichtete das Magazin ohne Angaben von Quellen. Dass die mögliche Fusion beider Kaufhaus-Ketten zentrales Gesprächsthema war, gelte als wahrscheinlich.

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Der Kaufhof sei gut aufgestellt und sehr erfolgreich, mit dem die Metro zufrieden sei, sagte der Metro-Sprecher. "Wir sehen keinen Handlungsbedarf oder irgendeine Veranlassung aktuell etwas zu unternehmen".

Karstadts Krisen-Chronik

  • Keine Wende

    Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

  • 2009

    Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird am 1. September 2009 das Insolvenzverfahren eröffnet.

    Am 1. Dezember wird bekannt, dass zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden sollen. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

  • Erstes Halbjahr 2010

    Beim Essener Amtsgericht wird am 15. März ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu. Am 1. Juni haben von bundesweit 94 Kommunen bis auf drei bereits alle einem Verzicht auf die Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher. Nur sechs Tage später erhält die Berggruen Holding vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen. Am 14. Juni endet eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

  • Zweites Halbjahr 2010

    Am 26. August hat sich Berggruen mit der Essener Valovis-Bank geeinigt: Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es. Am 2. September stimmen die Highstreet-Gläubiger den geforderten Mietsenkungen zu.

    Am 30. September hebt das Essener Amtsgericht das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

    23. November: Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt. Er beginnt Anfang Januar 2011.

  • 2011

    Jennings legt am 6. Juli das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

  • 2012

    Am 16. Juli kündigt Karstadt die Streichung von 2000 Stellen an.

  • 2013

    Karstadt kündigt am 13. April 2013 eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Am 9. Juni bestätigt das Unternehmen, dass der Vertrag von Karstadt-Chef Jennings zum Jahresende ausläuft.

  • 2014

    Im Februar kommt Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt nach Essen und übernimmt den Geschäftsführerposten. Am 7. Juli legt Sjösted nach nur fünf Monaten alle Ämter nieder. Als Grund dafür nennt sie, dass die „Voraussetzungen“ für den von ihr angestrebten Weg nicht mehr gegeben seien.

  • Der Neue

    Der Österreicher René Benko kauft Karstadt im August für nur einen Euro. Der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen zieht sich komplett zurück. Die Sanierungsaufgaben bleiben gewaltig.

Benko war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Erst vor gut einer Woche hatte die Signa-Holding von Benko einen Bericht über einen neuen Anlauf zur Übernahme von Kaufhof zurückgewiesen. Benko und Signa konzentrierten sich völlig auf die Sanierung der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt, erklärte ein Signa-Sprecher seinerzeit.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits im August erfahren, dass Benko mit Blick auf den Kaufhof bei Metro-Großaktionär Haniel angeklopft hatte. Konkrete Gespräche gebe es aber nicht, sagten Insider immer wieder, es handele sich nur um lose Kontakte.

Frist für defizitäre Filialen

Zugleich wurde bekannt, dass der neue Karstadt-Chef Stephan Fanderl von den rund 17.000 Mitarbeitern mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten fordert und stärker an Leistung orientierte Gehälter ins Gespräch bringt. "Wir müssen Service dann anbieten, wenn unsere Kunden ihn nachfragen. Und wir werden über leistungsorientierte Gehaltsbestandteile nachdenken", zitiert die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" am Samstag aus einem Brief Fanderls an die Mitarbeiter.

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Dabei setze er neben Änderungen bei Preisen und Sortimenten auch auf zwei verschiedene Kaufhaustypen: ein Kaufhaus für den Erlebniskauf und eines für die Nahversorgung. Den defizitären Filialen setze Fanderl eine Frist. Bis Mitte 2015 solle dort die Wende geschafft sein. "Die Zeit ist knapp", schreibt er laut dem Blatt.

Fanderl hatte vor rund einer Woche die Karstadt-Führung übernommen. Dabei kündigte er eine Rosskur an, um den mit Verlusten und Umsatzrückgängen kämpfenden Traditionskonzern wieder in die schwarzen Zahlen führen. Für sechs Standorte, darunter Warenhäuser in Stuttgart und Hamburg, ist das Aus im kommenden Jahr bereits beschlossene Sache. Weitere zehn der 83 Warenhäuser stehen demnach auf der Kippe.

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