Karstadt-Übernahme: Was Benko mit Karstadt vorhat

AnalyseKarstadt-Übernahme: Was Benko mit Karstadt vorhat

von Henryk Hielscher

Der österreichische Immobilieninvestor René Benko liebäugelt mit der Übernahme von Karstadt. Nur, was will er eigentlich mit der Handelsruine?

Um sich ein Bild von der Lage des Karstadt-Konzerns zu machen, genügt im Grunde ein Blick auf die Homepage des Essener Warenhausunternehmens: „50% Rabatt auf ausgewählte Damen-, Herren- und Kinderbekleidung“ verheißt die Seite. Wenn sonst nichts hilft, muss halt der Rotstift ran, um die Kundschaft in die Läden zu locken. Viel mehr Möglichkeiten bleiben dem Unternehmen auch kaum: Vor mehr als einer Dekade begann der Abstieg des Konzerns vom Handelsprimus zum Sanierungsfall. Die Reserven sind aufgebraucht, unzählige Sparrunden haben die Belegschaft zermürbt. Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe wären nötig, um das Unternehmen auch nur halbwegs auf Kurs zu bringen.

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Investor Benko angeblich vor Karstadt-Kauf

Laut Medienberichten steht der österreichische Investor Rene Benko kurz vor der Übernahme von Karstadt. Der aktuelle Eigner Nicolas Berggruen soll ihn "zu Hilfe gerufen" haben.

Quelle: REUTERS

Trotz der desolaten Lage scheint der Name Karstadt noch immer die Fantasie von Investoren zu beflügeln: Der  österreichische Immobilien-Investor René Benko liebäugelt mit einer Karstadt-Übernahme. Er sei vom bisherigen Karstadt-Eigner „zu Hilfe gerufen worden, um Berggruen als Gesellschafter abzulösen", sagte er dem österreichischen Magazin „Format“. Es gebe aber "noch keine endgültige Entscheidung". Ob ein Einstieg Benkos tatsächlich unmittelbar bevor steht, ist also fraglich.

Schon vor einigen Wochen hatten Spekulationen über einen Verkauf von Karstadt an Benko die Runde gemacht. Handelsexperten hatten sich damals skeptisch gezeigt:  Zu hoch sei der Modernisierungsaufwand und das Warenhausgeschäft ohnehin zu kapitalintensiv, befanden die Fachleute. Zudem wären die Schließungskosten für einzelne Standorte exorbitant. Im Klartext: Benko stünde vor ähnlichen Problemen wie Noch-Karstadt-Eigentümer Berggruen. Tatsächlich hat sich an den Argumenten wenig geändert. Warum also feilt Benko trotzdem an einer Übernahme? Vor allem drei Motive spielen eine Rolle:

Karstadts Krisen-Chronik

  • Keine Wende

    Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

  • 2009

    Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird am 1. September 2009 das Insolvenzverfahren eröffnet.

    Am 1. Dezember wird bekannt, dass zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden sollen. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

  • Erstes Halbjahr 2010

    Beim Essener Amtsgericht wird am 15. März ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu. Am 1. Juni haben von bundesweit 94 Kommunen bis auf drei bereits alle einem Verzicht auf die Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher. Nur sechs Tage später erhält die Berggruen Holding vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen. Am 14. Juni endet eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

  • Zweites Halbjahr 2010

    Am 26. August hat sich Berggruen mit der Essener Valovis-Bank geeinigt: Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es. Am 2. September stimmen die Highstreet-Gläubiger den geforderten Mietsenkungen zu.

    Am 30. September hebt das Essener Amtsgericht das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

    23. November: Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt. Er beginnt Anfang Januar 2011.

  • 2011

    Jennings legt am 6. Juli das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

  • 2012

    Am 16. Juli kündigt Karstadt die Streichung von 2000 Stellen an.

  • 2013

    Karstadt kündigt am 13. April 2013 eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Am 9. Juni bestätigt das Unternehmen, dass der Vertrag von Karstadt-Chef Jennings zum Jahresende ausläuft.

  • 2014

    Im Februar kommt Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt nach Essen und übernimmt den Geschäftsführerposten. Am 7. Juli legt Sjösted nach nur fünf Monaten alle Ämter nieder. Als Grund dafür nennt sie, dass die „Voraussetzungen“ für den von ihr angestrebten Weg nicht mehr gegeben seien.

  • Der Neue

    Der Österreicher René Benko kauft Karstadt im August für nur einen Euro. Der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen zieht sich komplett zurück. Die Sanierungsaufgaben bleiben gewaltig.

1. Mietschutz: Benkos Immobilienunternehmen Signa besitzt 18 Karstadt-Immobilien. Im September 2013 übernahm Signa 75 Prozent am operativen Geschäft der drei Premium - sowie der 28 Sporthäuser von Berggruen. Würde Karstadt unter Berggruen in eine Insolvenz taumeln, wären Benkos Mieteinnahmen in Gefahr. Womöglich müsste auch der Wert des Immobilienbestands in den Bilanzen korrigiert werden, wovon die Signa-Investoren nicht allzu angetan sein dürften. Eine Pleite könnte zudem auf die früheren Schwestergesellschaft Karstadt-Premium und Sports durchschlagen. Die Gesellschaften werden zwar weitgehend unabhängig vom Kerngeschäft geführt, werden aber in der Wahrnehmung noch immer den Warenhäusern zugeschlagen.

2. Umwidmung von Flächen: Mit einem Einstieg ins operativen Geschäft bekäme Signa die Möglichkeit, einzelne Karstadt-Standorte umzuwidmen. Benko könnte seine Erfahrung als Immobilienentwickler nutzen. Sowohl Shoppingcenter als auch Bürogebäude und selbst Wohnflächen sind dabei als neue Nutzungsformen denkbar. Anschließend könnten die Objekte teilweise verkauft werden. Vor allem für Immobilien, die Benkos Signa ohnehin gehören, kämen solche mit hohem finanziellen Aufwand verbundenen Flächen-Umwidmungen in Betracht. Fraglich ist, was mit dem großen Rest der Standorte geschieht.

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3. Zerschlagung: Mit einer Übernahme Karstadts durch Benko könnten daher Spekulationen um eine Warenhausunion mit dem Konkurrenten Kaufhof wieder aufleben. Der Österreicher hatte sich bereits in der Vergangenheit erfolglos um die Metro-Tochter bemüht. Das Kaufhof-Management hat nur Interesse an rund zwei Dutzend Karstadt-Standorten.

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