Karstadt: Verdi: "40 Prozent der Jobs bedroht"

Karstadt: Verdi: "40 Prozent der Jobs bedroht"

, aktualisiert 17. April 2015, 17:30 Uhr
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Der Schriftzug der Karstadt-Hauptverwaltung in Essen

Bei dem angeschlagenen Warenhauskonzern Karstadt sind offenbar Tausende weitere Stellen in Gefahr. Laut Verdi-Verhandlungsführer Arno Peukes soll es einen zusätzlichen, massiven Personalabbau geben.

Verdi schlägt Alarm: Bei den Karstadt-Sport- und Warenhäusern drohen nach Einschätzung der Gewerkschaft der Verlust Tausender weiterer Arbeitsplätze und die Schließung zusätzlicher Filialen. „Die Arbeitgeber haben bei der letzten Tarifverhandlung am 10. April deutlich gemacht, dass sie in beiden Unternehmen weitere Filialschließungen und zusätzlichen Personalabbau planen“, berichtete Verdi-Verhandlungsführer Arno Peukes am Freitag. Im schlimmsten Falle seien fast 40 Prozent der verbliebenen knapp 16.000 Arbeitsplätze gefährdet, warnte der Gewerkschafter.

Der Karstadt-Mutterkonzern Signa wollte die Äußerungen von Verdi nicht kommentieren. Doch hatte das Unternehmen von Karstadt-Eigentümer René Benko schon in der Vergangenheit keinen Zweifel daran gelassen, dass den Karstadt-Beschäftigten noch ein harter Weg bevorsteht. Die Sanierung von Sport- und Warenhäusern müsse „zwingend weitgreifende Personalkosteneinsparungen zur Folge haben“, betonte Signa erst in der vergangenen Woche.

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Karstadts Krisen-Chronik

  • Keine Wende

    Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

  • 2009

    Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird am 1. September 2009 das Insolvenzverfahren eröffnet.

    Am 1. Dezember wird bekannt, dass zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden sollen. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

  • Erstes Halbjahr 2010

    Beim Essener Amtsgericht wird am 15. März ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu. Am 1. Juni haben von bundesweit 94 Kommunen bis auf drei bereits alle einem Verzicht auf die Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher. Nur sechs Tage später erhält die Berggruen Holding vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen. Am 14. Juni endet eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

  • Zweites Halbjahr 2010

    Am 26. August hat sich Berggruen mit der Essener Valovis-Bank geeinigt: Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es. Am 2. September stimmen die Highstreet-Gläubiger den geforderten Mietsenkungen zu.

    Am 30. September hebt das Essener Amtsgericht das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

    23. November: Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt. Er beginnt Anfang Januar 2011.

  • 2011

    Jennings legt am 6. Juli das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

  • 2012

    Am 16. Juli kündigt Karstadt die Streichung von 2000 Stellen an.

  • 2013

    Karstadt kündigt am 13. April 2013 eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Am 9. Juni bestätigt das Unternehmen, dass der Vertrag von Karstadt-Chef Jennings zum Jahresende ausläuft.

  • 2014

    Im Februar kommt Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt nach Essen und übernimmt den Geschäftsführerposten. Am 7. Juli legt Sjösted nach nur fünf Monaten alle Ämter nieder. Als Grund dafür nennt sie, dass die „Voraussetzungen“ für den von ihr angestrebten Weg nicht mehr gegeben seien.

  • Der Neue

    Der Österreicher René Benko kauft Karstadt im August für nur einen Euro. Der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen zieht sich komplett zurück. Die Sanierungsaufgaben bleiben gewaltig.

Standen bislang bereits 21 der 81 Karstadt-Warenhäuser wegen schlechter Zahlen auf dem Prüfstand, so sollen nun Verdi zufolge sieben weitere Häuser auf die sogenannte Fokusliste gesetzt werden. „Die Häuser könnten damit in den nächsten Monaten geschlossen werden“, warnte die Gewerkschaft.

Außerdem sollen 6 der 28 Sporthäuser genauer unter die Lupe genommen werden. In zehn weiteren Sports-Filialen sei außerdem ein Personalabbau geplant, berichtete Verdi. Angedacht sei außerdem die Möglichkeit, Verkaufsflächen unterzuvermieten. „Nach den neuen Plänen der Arbeitgeber wären in beiden Unternehmen fast 40 Prozent der verbleibenden Arbeitsplätze gefährdet“, sagte Peukes.

Doch auch die florierenden Filialen wären Verdi zufolge nicht sicher. „Nach den bisherigen Plänen Benkos soll es für kein Haus eine Standortgarantie geben“, sagte Peukes. Selbst die Häuser, die schwarze Zahlen schreiben, sollten jederzeit geschlossen werden können, wenn eine andere Nutzung attraktiver erscheine. Ausgenommen sind lediglich die Premium-Häuser - KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger - für die kürzlich ein Tarifvertrag geschlossen wurde.

Weitere Artikel

Die Pläne der Karstadt-Eigner hätten nichts mehr mit der Entwicklung eines erfolgreichen Konzepts für das Warenhaus der Zukunft zu tun. Es gehe offenbar nur noch um „rücksichtlosen Kahlschlag“, sagte der Gewerkschafter.

Für den Handelsexperten Thomas Roeb ist der aktuelle Streit nicht zuletzt ein Signal für die nach wie vor schwierige Situation von Karstadt. „Das Warenhaus ist ein Konzept in schwerer See. Mit gutem Kapitän und sicherer Mannschaft kann es, wie das Beispiel Kaufhof zeigt, überleben.“ Wenn es aber einmal leckgeschlagen sei, sei eine Rettung extrem schwierig.

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