Kaufhof-Chef Van den Bossche: "Es geht nicht darum, Kaufhof auf Luxus zu trimmen"

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InterviewKaufhof-Chef Van den Bossche: "Es geht nicht darum, Kaufhof auf Luxus zu trimmen"

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Kaufhof-Chef Olivier van den Bossche über die Pläne von Hudson's Bay

von Henryk Hielscher

Wachwechsel in Köln: Hudson’s Bay übernimmt bei Kaufhof das Kommando. Im Interview verrät Kaufhof-Chef Van den Bossche, was jetzt aus den Lebensmittelabteilungen wird, welche neuen Marken bald die Regale zieren und warum Abteilungsleiter ihre Büros räumen sollen.

WirtschaftsWoche: Herr Van den Bossche, am 1. Oktober übernimmt der kanadische Handelskonzern Hudson’s Bay Company (HBC) das Kommando bei Kaufhof. Welche Einschnitte kommen auf das Unternehmen zu?

Es geht hier doch nicht um Einschnitte oder gar den Abbau von Arbeitsplätzen. Natürlich sind mit einem Eigentümerwechsel immer derartige Fragen verbunden. Aber das ist nicht der Plan, mit dem die Kanadier hier antreten. Im Gegenteil: Wir werden eher wachsen.

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Das müssen Sie als Kaufhof-Chef ja jetzt sagen…

Zur Person

  • Olivier Van den Bossche

    Olivier Van den Bossche, 39, leitet seit einem Jahr das operative Warenhausgeschäft von Galeria Kaufhof. Zuvor war er Chef der belgischen Kaufhof-Tochter Galeria Inno.  

…es stimmt aber auch. Warum sollte ein Investor 2,8 Milliarden Euro in die Hand nehmen, um das erworbene Unternehmen anschließend kaputt zu sparen? Die Kanadier sind auf Expansionskurs und sehen Kaufhof als Brückenkopf für ihr Europageschäft. Das heißt, HBC will investieren und gemeinsam mit uns das Geschäft ankurbeln.

Was haben Sie konkret vor?

Es gibt eine klare Strategie, mit der wir Galeria Kaufhof auf Wachstumskurs bringen wollen. Zum einen werden wir das Thema E-Commerce anpacken. Zudem wollen wir Vertriebslinien von HBC auch in Deutschland testen. Vor allem aber müssen wir das Kerngeschäft in unseren Warenhäusern nach vorne bringen – das hat oberste Priorität.

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Wo werden Sie in den Warenhäusern ansetzen?

Für alle Warenhäuser ist das Erdgeschoss entscheidend, um Kunden in das Geschäft zu holen. Daher werden wir auch hier beginnen und in verschiedenen Filialen Sortimentsbereiche wie Schuhe, Kosmetik, Uhren, Schmuck und Handtaschen ausbauen. Parallel werden wir neue Marken in unsere Häuser holen. Wir haben jetzt als Teil von HBC Zugang zu ganz anderen internationalen Marken und spüren bei den Herstellern auch schon großes Interesse an einer verstärkten Zusammenarbeit mit uns.

Derlei Markenexperimente hatte auch schon der frühere Karstadt-Chef Andrew Jennings gewagt – und ist gescheitert. Statt neue Käufer in die Geschäfte zu locken, ergriffen Stammkunden entnervt die Flucht.

Seien Sie sicher, bei uns wird es anders laufen. Wir richten die Sortimente weiterhin Haus für Haus sehr lokal auf unsere Kunden aus. Bei den neuen Kooperationen setzen wir auf große Markenhersteller, nicht auf unbekannte Nischenanbieter. Nehmen sie Tommy Hilfiger, Calvin Klein, Longchamp, Bobby Brown – das sind prominente Labels, die die meisten unserer Kunden gut kennen. Es geht nicht darum, Galeria Kaufhof auf Luxus zu trimmen und auch nicht darum, nur noch hippe Trendmarken anzubieten. Galeria Kaufhof wird Galeria Kaufhof bleiben. Im Übrigen geht der Austausch in beide Richtungen: Die Kanadier haben großes Interesse daran, einige unserer Eigenmarken - etwa das Modelabel Manguun - auch in Kanada zu verkaufen.

Kaufhof Hudson's Bay sorgt für Alarmstimmung

Kaufhof vor dem Umbruch: Die Pläne von Hudson’s Bay Company, dem neuen Eigentümer des Warenhauskonzerns, versetzen Mitarbeiter wie Rivalen in Aufregung.

Die Kaufhof-Übernahme durch Hudson's Bay setzt Wettbewerber und Mitarbeiter in Alarmstimmung. Quelle: dpa/Montage

Die zweite wichtige Baustelle ist der Online-Handel. Bisher liegt der Online-Anteil an Kaufhofs Gesamtumsatz lediglich bei zwei Prozent. Reicht das aus?

Das ist eindeutig zu wenig. Wir wollen die Verbindung von stationärem Geschäft und Onlineangeboten massiv ausbauen. In den nächsten Jahren ist bei Galeria Kaufhof ein Online-Anteil von zehn Prozent am Gesamtumsatz drin. HBC hat in den USA und in Kanada bewiesen, dass es möglich ist, solche Werte zu erreichen, ohne das stationäre Geschäft zu kannibalisieren. Das ist auch unser Ziel.

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