Kaufhof: Hudson's Bay sorgt für Alarmstimmung

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Kaufhof: Hudson's Bay sorgt für Alarmstimmung

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Nach der bevorstehenden Übernahme der Warenhauskette Kaufhof will der kanadischen Konzern Hudson's Bay offenbar durchgreifen.

von Henryk Hielscher und Martin Seiwert

Kaufhof vor dem Umbruch: Die Pläne von Hudson’s Bay Company, dem neuen Eigentümer des Warenhauskonzerns, versetzen Mitarbeiter wie Rivalen in Aufregung.

Das Schreiben aus Wien sorgte für ungläubiges Staunen in der Düsseldorfer Zentrale des Handelskonzerns Metro. Es gehe um das Thema „K2“, ließen die Chefs der österreichischen Signa-Gruppe den Metro-Vorstand am Freitag vergangener Woche wissen. „K2“, so lautete der interne Projektname, unter dem die Parteien vor Monaten über eine Übernahme der Metro-Tochter Kaufhof und den anschließenden Zusammenschluss mit dem Signa-Ableger Karstadt verhandelt hatten.

Doch die Idee war längst vom Tisch – zumindest aus Metro-Sicht. Mitte Juni hatte Konzernchef Olaf Koch den Verkauf von Kaufhof an einen anderen Bieter – den kanadischen Handelsriesen Hudson’s Bay Company (HBC) – verkündet. Doch in ihrer jüngsten Botschaft preschten die Österreicher erneut vor, fabulierten über mögliche Probleme bei der Abwicklung der Transaktion mit HBC und boten Metro die kurzfristige Wiederaufnahme der Kaufhof-Gespräche an.

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Galeria Kaufhof im Überblick

  • Kunden

    2 Millionen Kunden pro Tag.

    Quelle: Unternehmensangaben

  • Umsatz

    3,1 Mrd. Euro Umsatz 2013/14.

  • Ergebnis

    193 Millionen Euro (Ebit vor Sonderfaktoren) Ergebnis 2013/14.

Was auch immer sich die Mannschaft um Signa-Anführer René Benko von dem Vorstoß erhofft hat, zu „K2“ wird es auch diesmal nicht kommen: Signa blitzte nach Informationen der WirtschaftsWoche erneut bei Metro ab. Es gebe keinen Grund, die Verkaufsentscheidung zu überdenken, und auch keine Grundlage für weitere Gespräche, lautete die Antwort aus Düsseldorf.

Stattdessen werden Metro und HBC-Großaktionär Richard Baker das Geschäft über insgesamt 2,8 Milliarden Euro am kommenden Mittwoch endgültig unter Dach und Fach bringen. Vom 1. Oktober an übernimmt Baker dann das Oberkommando beim deutschen Traditionshändler. Eine Neuausrichtung beginnt, die nicht nur Kaufhofs Erzrivalen Karstadt in Atem halten dürfte, sondern auch die eigenen Mitarbeiter.

Schon in den vergangenen Wochen tingelten die „Baker Boys“, wie die Abgesandten des neuen Hausherren auf den Fluren der Kölner Hauptverwaltung halb ehrfurchtsvoll, halb spöttisch genannt werden, durch zahlreiche Filialen und stimmten das deutsche Management um Kaufhof-Chef Olivier Van den Bossche auf grundlegende Veränderungen ein. An drei zentralen Stellschrauben setzen sie dabei an:

Das ist die Hudson's Bay Company

  • Die Geschichte

    Die Hudson´s Bay Company ist Kanadas größtes Kaufhaus und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Die Geschichte von HBC begann 1670, als Charles II von England der Company Eigentum über Land und Bodenschätze in Kanada übertrug. Der damals vollständige Name der Unternehmung: „The Governor and Company of Adventurers of England trading into Hudson´s Bay“.

    Rund 200 Jahre kontrollierte HBC vor allem den lukrativen Handel mit Pelzen, dann kaufte Kanada der Gesellschaft die Rechte wieder ab. HBC änderte daraufhin die Ausrichtung, stieg in den Großhandel ein und versorgte Siedler. Auch in der Schifffahrt und im Handel mit Öl und Gas war HBC tätig, bevor sich die Gesellschaft in den 1990er Jahren wieder auf den klassischen Einzelhandel konzentrierte.

    Die Hudson’s Bay Company fokussierte sich stets auf Aktivitäten in Kanada und Nordamerika - bis 1970 war ihr Sitz aber London.

  • Der Chef

    Die Historie der HBC ist derart eng mit der Kanadas verknüpft, dass seine Chefs bis heute Gouverneure heißen. Heute hat diesen Posten der US-Amerikaner Richard Baker inne, der das Unternehmen 2008 erwarb. Baker gilt als strategischer und ehrgeiziger Konzernlenker  

  • Die Expansion

    Schon vor der HBC-Übernahme hatte Baker 2006 amerikanisch Traditionskaufhauskette Lord & Taylor für knapp eine Milliarde Euro gekauft und das Geschäft durch Beleihung der Immobilien finanziert. Auch den vollständigen Kauf der Hudson’s Bay Company im Jahr 2008  finanzierte Baker hauptsächlich durch Schulden. Für rund 2,2 Milliarden Euro kaufte HBC 2013 schließlich die amerikanische Nobelkette  Saks Fifth Avenue  und deren Ableger OFF 5th. Erneut die entscheidende Geldquelle: beliehene Immobilien. 2015 machte der Konzern klar, in Zukunft auch außerhalb des nordamerikanischen Marktes wachsen zu wollen - durch Zukäufe.

  • Die Unternehmen

    Neben der namensgebenden Hudson’s Bay Company gehören zum HBC-Imperium eine ganze Reihe von Handelsunternehmen in Nordamerika. In Kanada ist es die Einrichtungshauskette Home Outfitters. In den USA hat HBC das Luxuskaufhaus Lord & Taylor, die Edelkaufhauskette Saks Fifth Avenue und deren Discount-Designer-Ableger Saks Fifth Avenue OFF 5th übernommen.

  • Die Immobilien

    Als starkes Rückgrat der Hudson’s Bay Company gelten die Warenhausimmobilien im  Besitz des Konzerns. Ihr Wert wird auf etwa 9,6 Milliarden kanadische Dollar geschätzt, rund 6,7 Milliarden Euro. Allein der Saks Fifth Avenue Flagship Store in New York soll mehr als drei Milliarden Euro wert sein.

  • Sie wollen das Sortiment um Marken erweitern, die sich in nordamerikanischen Geschäften bewährt haben. Vor allem die Schuhabteilungen sowie die Bereiche Kosmetik, Uhren, Schmuck und Handtaschen will Baker auf Vordermann bringen. „Wir sind schon mit vielen Partnern aus unserem weltweiten Lieferantennetzwerk in intensiven Gesprächen, um den Markteintritt in Deutschland zu diskutieren“, sagt er gegenüber der WirtschaftsWoche.
  • Kaufhofs Onlinegeschäft soll massiv ausgebaut werden. 2014 erzielten die Kölner im Netz gut zwei Prozent des Gesamtumsatzes. „In den kommenden Jahren ist ein Onlineanteil von zehn Prozent am Gesamtumsatz drin“, kündigt Van den Bossche an.
  • Das wohl heikelste Projekt: Kaufhof soll mittelfristig zum europäischen Sprungbrett für die HBC-Luxuslinie Saks Fifth Avenue werden, vor allem aber für die Outlet-Marke Saks Off 5th. In ausgewählten Warenhäusern könnten die Ableger dann als Untermieter einziehen.

Bis Saks tatsächlich die Atlantik-Querung wagt, dürften jedoch Monate, wenn nicht Jahre vergehen. Zunächst drängt ohnehin ein anderer Deal auf Bakers Agenda: Er will den Immobilienschatz der Kölner heben.

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