Kaufhof wird kanadisch: Hudson's Bay schlägt Benko im Bieterrennen

ThemaEinzelhandel

Kaufhof wird kanadisch: Hudson's Bay schlägt Benko im Bieterrennen

, aktualisiert 15. Juni 2015, 10:43 Uhr
Bild vergrößern

Das Logo der Warenhaus-Kette Galeria Kaufhof. Bieter Hudson's Bay hat den Zuschlag erhalten.

von Stephan Happel

Erdbeben in der Warenhauswelt: Der Metro-Konzern verkauft Kaufhof an die Hudson's Bay Company. Damit schlagen die Kanadier René Benko, müssen aber jetzt beweisen, dass sie den schwierigen deutschen Markt in den Griff bekommen.

Die Entscheidung ist gefallen: Kaufhof geht an die Hudson's Bay Company (HBC). Die Kanadier sind bereit, für die Warenhauskette mit rund 130 Standorten in Deutschland und Belgien und mehr als 21.000 Beschäftigten 2,8 Milliarden Euro an die Metro Gruppe zu zahlen. Die Entscheidung hatte sich in den vergangenen Tagen angedeutet. Gegenüber der WirtschaftsWoche hatten Insider erklärt, die Kanadier seien die Favoriten.

"HBC hat nicht nur das beste Angebot für eine sichere Zukunft von Galeria Kaufhof unterbreitet, sondern auch eine werthaltige Offerte für unsere Anteilseigner vorgelegt", erklärte Metro-Chef Koch. Richard Baker, Chef der Hudson's Bay Company, zeigte sich überzeugt, ein gutes Geschäft gemacht zu haben. "Es ist das richtige Investment zum richtigen Zeitpunkt", sagte der 49-Jährige.

Anzeige

Das ist die Hudson's Bay Company

  • Die Geschichte

    Die Hudson´s Bay Company ist Kanadas größtes Kaufhaus und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Die Geschichte von HBC begann 1670, als Charles II von England der Company Eigentum über Land und Bodenschätze in Kanada übertrug. Der damals vollständige Name der Unternehmung: „The Governor and Company of Adventurers of England trading into Hudson´s Bay“.

    Rund 200 Jahre kontrollierte HBC vor allem den lukrativen Handel mit Pelzen, dann kaufte Kanada der Gesellschaft die Rechte wieder ab. HBC änderte daraufhin die Ausrichtung, stieg in den Großhandel ein und versorgte Siedler. Auch in der Schifffahrt und im Handel mit Öl und Gas war HBC tätig, bevor sich die Gesellschaft in den 1990er Jahren wieder auf den klassischen Einzelhandel konzentrierte.

    Die Hudson’s Bay Company fokussierte sich stets auf Aktivitäten in Kanada und Nordamerika - bis 1970 war ihr Sitz aber London.

  • Der Chef

    Die Historie der HBC ist derart eng mit der Kanadas verknüpft, dass seine Chefs bis heute Gouverneure heißen. Heute hat diesen Posten der US-Amerikaner Richard Baker inne, der das Unternehmen 2008 erwarb. Baker gilt als strategischer und ehrgeiziger Konzernlenker  

  • Die Expansion

    Schon vor der HBC-Übernahme hatte Baker 2006 amerikanisch Traditionskaufhauskette Lord & Taylor für knapp eine Milliarde Euro gekauft und das Geschäft durch Beleihung der Immobilien finanziert. Auch den vollständigen Kauf der Hudson’s Bay Company im Jahr 2008  finanzierte Baker hauptsächlich durch Schulden. Für rund 2,2 Milliarden Euro kaufte HBC 2013 schließlich die amerikanische Nobelkette  Saks Fifth Avenue  und deren Ableger OFF 5th. Erneut die entscheidende Geldquelle: beliehene Immobilien. 2015 machte der Konzern klar, in Zukunft auch außerhalb des nordamerikanischen Marktes wachsen zu wollen - durch Zukäufe wie Kaufhof. Neuestes Projekt ist die Einführung der Discount-Luxuskette Saks Off 5th in Deutschland.

  • Die Unternehmen

    Neben der namensgebenden Hudson’s Bay Company gehören zum HBC-Imperium eine ganze Reihe von Handelsunternehmen in Nordamerika. In Kanada ist es die Einrichtungshauskette Home Outfitters. In den USA hat HBC das Luxuskaufhaus Lord & Taylor, die Edelkaufhauskette Saks Fifth Avenue und deren Discount-Designer-Ableger Saks Fifth Avenue OFF 5th übernommen.

  • Die Immobilien

    Als starkes Rückgrat der Hudson’s Bay Company gelten die Warenhausimmobilien im  Besitz des Konzerns. Ihr Wert wird auf etwa 9,6 Milliarden kanadische Dollar geschätzt, rund 6,7 Milliarden Euro. Allein der Saks Fifth Avenue Flagship Store in New York soll mehr als drei Milliarden Euro wert sein.

  • Die Umsätze

    Mit Saks Fifth Avenue, der Kernmarke Hudson's Bay, der Modekette Lord & Taylor und dem Haushaltswarenhändler Home Outfitters machte HBC zuletzt einen Umsatz von gut neun Milliarden Euro und rund 420 Millionen Euro Gewinn.

  • Saks Fifth Avenue und Saks Off 5th

    Der erste Laden der amerikanischen Luxux-Kaufhauskette wurde 1924 von Horace Saks zusammen mit einer Geschäftspartner auf der New Yorker 5th Avenue eröffnet. 1992 gründete das Unternehmen sein erstes Outletgeschäft in Pennsylvania. Als 1995 weitere Läden eröffnet werden sollten, wurde das Geschäft in Saks Off 5th umbenannt. 2013 übernahm HBC das Unternehmen. Im Jahr 2016 gab es weltweit 41 Fililalen von Saks Fifth Avenue und 117 von Saks Off 5th.


Ob der kanadische Sieger im Warenhaus-Poker, HBC, nun tatsächlich zum großen Gewinner wird, ist ungewiss. Zwar hat Kaufhof in den vergangenen Jahren anders als Konkurrent Karstadt Gewinne erwirtschaftet. Doch die Ergebnisse waren allenfalls solide.

Der Metro-Konzern hatte immer wieder betont, Kaufhof passe nicht mehr ins eigene Portfolio. Entsprechend gering war das Interesse, sich über Gebühr mit dem Warenhaus zu befassen. Metro hielt Kaufhof auf Kurs und über Wasser, große Investitionen in die Modernisierung oder gar in eine Neuausrichtung der Warenhauskette blieben aus.

Dabei sind die Probleme offensichtlich: Die Konkurrenz durch den Onlinehandel setzt den Warenhäusern massiv zu. In vielen Klein- und Mittelstädten funktioniert das Konzept der Warenhäuser, Produkte alle Kategorien unter einem Dach zu verkaufen, nicht mehr. Handelsexperten gehen von einem Filialsterben in den kommenden Jahren aus. Karstadt, das von der Entwicklung wesentlich stärker getroffen wurde, hatte zuletzt schon deutliche Einschnitte an Standort- und Stellenzahlen vorgenommen.

Die Hudson's Bay Company, nach eigenen Angaben Nordamerikas ältestes Unternehmen, betritt mit dem Kaufhof-Deal absolutes Neuland: Es ist der erste Schritt des Konzerns nach Europa. Wie die Kanadier die Herausforderungen auf dem deutschen Markt bewältigen wollen, ist nur in Grundzügen klar.

Die Top 10 Warenhausbetreiber Europa 2015

  • Rang 10

    Unternehmen: Dunnes
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 2.365 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 155
    Verkaufsfläche: 293.113 m²

    Quelle: Planet Retail - 9. Juni 2015

  • Rang 09

    Unternehmen: Karstadt (ohne Karstadt Feinkost (Perfetto))
    Land: Deutschland
    Brutto-Außenumsatz (2013): 2.770 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 86
    Verkaufsfläche: 1.263.254 m²

  • Rang 08

    Unternehmen: Debenhams
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.199 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 186
    Verkaufsfläche: 1.264.607 m²

  • Rang 07

    Unternehmen: Home Retail Group
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.299 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 754
    Verkaufsfläche: 544.533 m²

  • Rang 06

    Unternehmen: Metro Group (nur Galeria Kaufhof (ohne Sport Arena und Dinea))
    Land: Deutschland
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.336 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 120
    Verkaufsfläche: 1.298.820 m²

  • Rang 05

    Unternehmen: Galeries Lafayette
    Land: Frankreich
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.604 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 64
    Verkaufsfläche: 530.048 m²

  • Rang 04

    Unternehmen: John Lewis
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.764 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 41
    Verkaufsfläche: 437.839 m²

  • Rang 03

    Unternehmen: Casino
    Land: Frankreich
    Brutto-Außenumsatz (2013): 4.051 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 304
    Verkaufsfläche: 546.700 m²

  • Rang 02

    Unternehmen: El Corte Inglés
    Land: Spanien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 9.531 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 88
    Verkaufsfläche: 2.420.000 m²

  • Rang 01

    Unternehmen: Marks & Spencer (ohne Spezialkonzepte)
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 11.258 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 387
    Verkaufsfläche: 1.404.958 m²


Wie es aus unternehmensnahen Kreisen heißt, wollen die Kanadier das Warenhausgeschäft auf edel trimmen. Geld soll in die Optik und Ausstattung der Geschäfte gesteckt, Präsentations- und Verkaufsflächen aufgewertet werden. In den USA hat Hudson’s Bay damit nach der Übernahme der Edelwarenhauskette Saks Fifth Avenue bereits Erfahrungen sammeln können.

Damit würde sich auch das Warenangebot ändern - hin zu höherpreisigen Artikeln und Kleidung. Unter anderem wird spekuliert, dass die Nobelmarke Saks nach Deutschland gebracht werden könnte - als Ergänzung, ohne Kaufhof als Kernmarke abzulösen.

Hudson's Bay will E-Commerce bei Kaufhof ausbauen

Einen deutlichen Ausbau dürfte das Online-Geschäft von Kaufhof erfahren. Wie Insider berichten, will die Kette stark in den Ausbau des Online-Handels investieren und ihn besser mit den Filialen verzahnen. Liegt der E-Commerce-Anteil derzeit noch deutlich im einstelligen Bereich, soll er demnach unter Kontrolle von Hudson’s Bay auf 15 bis 20 Prozent ausgebaut werden. Die Marke soll der Konzern im Nordamerika-Geschäft bereits erreicht haben.

Erwartet wird, dass Kaufhof für die Hudson’s Bay nur ein erster Anlauf ist, um in Europa Fuß zu fassen. Die deutsche Warenhauskette könnte die Basis für die Expansion auf dem Kontinent sein, möglicherweise auch durch weitere Übernahmen. Ohne Namen zu nennen bekräftigte HBC-Eigentümer Richard Baker am Rande der Hauptversammlung in der vergangenen Woche die Wachstumspläne im Ausland. HBC sei auf der Suche nach Objekten, die die Chance für Synergieeffekte bieten oder die über ein großes und wertvolles Immobilienportfolio verfügen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%