Kaufland: Viel Fläche, viele Probleme bei der Lidl-Schwester

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Kaufland: Viel Fläche, viele Probleme

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Lidl-Schwester Kaufland: Umsätze schwächeln und fast alle Großflächenbetreiber spüren Gegenwind.

von Henryk Hielscher

Lange Zeit galt Kaufland als Innovator und Großflächenprimus. Inzwischen spürt die Lidl-Schwester Gegenwind: Märkte verlottern, Umsätze schwächeln. Nun soll ein milliardenschwerer Modernisierungsschub die Wende bringen.

Neonröhren tauchen den Einkaufsbunker in kaltes Krankenhauslicht. An den Wänden im Obergeschoss prangen vergilbte Fotos mit kaum definierbaren Mahlzeiten. Überall im Markt pappen an den Regalen Hinweisschilder und versprechen in Knallrot: „Billiger!“. Etwa die Bananen für 1,09 statt 1,19 pro Kilo. „Ursprungsland: Kanada“, steht auf dem Schild. Bananen aus Kanada? Vermutlich ist Panama gemeint. Doch Mitarbeiter, die Kunden dazu konsultieren könnten, fehlen auf der Fläche. Willkommen im Kaufland-Markt in Köln-Ehrenfeld, einem der 650 Standorte des Unternehmens in Deutschland.

Wer will, kann hier beim Brot-und-Butter-Kauf noch eben ein paar Klappstühle oder ein Stufenregal für das Wohnzimmer erstehen. Die labyrinthartige Melange aus Supermarkt und Warenhaus ist typisch für die Kaufland-Märkte, die wie der Lebensmitteldiscounter Lidl zum Imperium der Schwarz-Gruppe gehört. Doch anders als die Schwerfirma Lidl, die in den vergangenen Jahren rasant gewachsen ist, spürt Kaufland reichlich Gegenwind: Viele Märkte wirken ähnlich verlottert wie der Standort in Köln-Ehrenfeld, Sortimentsentscheidungen verwirrten teils die Kunden.

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Die Folge: die Umsätze im deutschen Heimatmarkt schwächeln. Nun steuert das Unternehmen gegen und will mit aller Macht und milliardenschweren Investitionen die Wende erzwingen. Dann, so hoffen die Manager, werde das Unternehmen wieder an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen.

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Als 1984 einer der ersten Kaufland-Märkte direkt neben der Zentrale der Schwarz-Gruppe eröffnete, stauten sich die Autos noch kilometerlang auf den Zufahrtsstraßen. 19.000 Video-Kassetten schleppte die Kundschaft von dannen, 3.000 Bügeleisen und bergeweise Waschpulverladungen gingen weg, vermerkte damals andächtig der „Spiegel“. „Bei aller Vorsicht gegenüber Eröffnungs-Euphorien“, wurde Schwarz-Patriarch Dieter Schwarz ob des Ansturms zitiert, „können wir unsere Umsatzerwartung von 100 Millionen Mark im Jahr nach oben korrigieren.“

Im Ausland läuft es weiter gut für Kaufland

Heute spült Kaufland rund 21,6 Milliarden Euro in die Kassen. Mehr als ein Drittel des Umsatzes stammen aus Osteuropa, wohin Kaufland nach der Wende expandierte. Im Ausland laufen die Geschäfte weiter gut. Demnächst will Kaufland die ersten Märkte in der Republik Moldau einweihen, in einigen Jahren soll dann der Sprung nach Australien folgen.

Doch während es im Ausland läuft, stockt das Heimatgeschäft. Seit zwei Jahren stagnieren die Umsätze. Dieses Jahr könnte der Umsatz sogar sinken, heißt es in der Branche. Nach GfK-Daten liegen die Lebensmittelverkäufe bis Ende August rund 0,9 Prozent unter Vorjahr. Nur für die dauermalade Metro-Tochter Real lief es demnach schlechter.

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Ein Kaufland-Sprecher sieht die Entwicklung im Rahmen der Erwartungen und verweist auf einen jüngst gestarteten Großumbau: Manche Häuser würden zeitweise geschlossen – und der Konzern verzichte dabei bewusst auf Umsatz. Spätestens Ende 2018 soll die Mehrzahl der Kaufland-Filialen einen „Facelift“ hinter sich haben, teilt der Unternehmenssprecher mit. Die Umsetzung „läuft derzeit auf Hochtouren“. Die Mitarbeiter dürfen schon jetzt ihre alten Kaufland-Uniformen gegen neue Shirts und Blusen tauschen. 120 große „Mamos“, wie umfangreiche Marktmodernisierungen intern abgekürzt werden, sind zusätzlich in Vorbereitung und sollen in den kommenden vier bis fünf Jahren abgearbeitet werden. Kostenpunkt der Kaufland-Verschönerung: Rund eine Milliarde Euro pro Jahr.

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