Koch gegen Kellerhals: Streit ist geil

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Koch gegen Kellerhals: Streit ist geil

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Metro-Chef Olaf Koch. Im Machtkampf mit MediaMarkt-Gründer Erich Kellerhals stehen diese Woche die Urteile des Schiedsgerichts und des Oberlandesgerichts München an.

von Henryk Hielscher

Der Dauer-Clinch zwischen dem Düsseldorfer Handelskonzern Metro und dem Milliardär Erich Kellerhals geht in die nächste Etappe. Ein Schiedsgericht soll am Mittwoch über den Machtkampf bei Europas größtem Elektronikhändler MediaSaturn befinden.

Don Camillo und Peppone, Tom und Jerry, van Helsing und Dracula - wer derzeit die Lage bei Europas größtem Elektronikhändler MediaSaturn beobachtet, vermisst zwei Namen auf der Liste der ewigen Gegner: Koch und Kellerhals. Denn mittlerweile taugt der Streit zwischen dem Vorstandschef des Düsseldorfer Handelskonzerns Metro Olaf Koch und Media-Markt-Mitgründer Erich Kellerhals fast schon zum leinwandtauglichen Spektakel. Seit Monaten schon fetzen sich die Kontrahenten. Es geht um eine einfache Frage: Wer hat die Macht bei Europas größtem Elektronikhändler MediaSaturn? Eine Antwort sollen in dieser Woche gleich zwei Gerichte geben. Am Mittwoch wird die Entscheidung eines Schiedsgerichts in der Sache erwartet, am Donnerstag folgt ein Beschluss des Oberlandesgerichts München. 

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Worum sich Metro und Kellerhals streiten

  • Zur Person Kellerhals

    Erich Kellerhals ist Gründer des Elektrofachmarkt-Kette Media Markt. Der erste Media Markt eröffnete 1979 in München. Ende der 80er wollte Kellerhals expandieren – das nötige Geld brachte Kaufhof mit.

  • Das Veto-Recht des Gründers

    Kaufhof beteiligte sich mit 54 Prozent an Media Markt. Kellerhals behielt seine Anteile von gut 21 Prozent. Im Vertrag von 1988 wurde außerdem festgelegt, dass Beschlüsse grundsätzlich mit einer Mehrheit von 80 Prozent gefasst werden müssen. Kellerhals hatte mit seinem Anteil also ein Mitsprachrecht für alle wichtigen Entscheidungen. Dieses Recht besteht bis heute. Kaufhof brachte außer Kapital noch seine Tochter Saturn Hansa ein. 1990 verschmolzen Media Markt und Saturn zur Media-Saturn-Holding.

  • Wie Metro ins Spiel kam

    1996 verschmolzen die Kaufhof Holding und die Metro AG.  Kaufhof wurde zur Vertriebsmarke innerhalb des Metro-Konzerns.  Metro wurde auf diese Weise Anteilseigner bei Media-Saturn. Heute hält Metro über diesen Weg 75,4 Prozent am Kapital der Media-Saturn-Holding.

  • Der Grund für den Rechtsstreit

    Der Streit entzündet sich im März 2011. Metro wollte einen Beirat bei Media-Saturn einrichten. Kellerhals betrachtete dies als Versuch, sein seit 1988 bestehendes Vetorecht auszuhebeln. Denn in dem Beirat würde mit einfacher Mehrheit und nicht mit 80prozentiger entschieden. Tatsächlich könnte Metro Entscheidungen bei der Tochter schneller durchsetzen, wenn Kellerhals nicht zustimmen müsste.

  • Was die Gerichte entschieden haben

    Das Landgericht Ingolstadt hat die Einrichtung des Beirats im Herbst 2011 bei MediaSaturn zwar erlaubt, dessen Funktion muss allerdings eine beratende bleiben. Damit bestätigen die Richter das Vetorecht des Gründers Kellerhals. Weil Metro Rechtsmittel dagegen einlegte, landete der Fall vor dem Oberlandesgericht. Nachdem sich das Oberlandesgericht München nach vorläufiger Rechtsauffassung nicht zuständig sah, befasst sich nun auch das Schiedsgericht mit dem Fall. Es muss entscheiden, worüber der Beirat entscheiden kann und mit welcher Mehrheit.

  • Wogegen Kellerhals noch ist

    Der Unternehmensgründer steht der Expansion mit Media-Märkten in China äußerst kritisch gegenüber. Kellerhals sagte, Metro habe ursprünglich 1000 Märkte innerhalb von fünf Jahren in China eröffnen wollen. „Wir haben bislang im Rest der Welt insgesamt 900 Märkte in 30 Jahren geschafft. Das wäre Harakiri, haben wir gesagt. Das können wir nicht mittragen.“ So habe man sich auf die bis Jahresende 2012 andauernde Testphase geeinigt.

  • Wie soll es weitergehen

    Kellerhals hat kürzlich geäußert, dass er nicht daran glaube, dass OLG oder Schiedsgericht den Streit beenden können. In diesem Fall stellt er eine weitere Zusammenarbeit mit Metro in Frage: "Wenn der Streit nicht beigelegt werden kann, müssen wir vielleicht über neue Gesellschafter nachdenken." Er gab aber zu, dass sich dies aus finanziellen Gründen schwierig gestalten würde. "Aber eine Trennung von der Metro müsste - wenn wir sie denn wollten - erst mal finanziert werden." Er selbst wolle seine Anteile behalten.

Der Kern des Konflikts: Die Düsseldorfer gebieten über gut 75 Prozent der Media-Saturn-Anteile. Doch gegen den Widerstand von Kellerhals können sie keine einzige Filiale eröffnen, da sich Kellerhals beim Verkauf an Metro umfangreiche Minderheitsrechte garantieren ließ. Um die Vetomacht des Gründers zu brechen, hatte der damalige Metro-Chef Eckard Cordes im März 2011 einen Beirat eingerichtet. In dem Gremium soll nach Auffassung des Konzerns mit einfacher Mehrheit über die Geschäftspolitik von Media-Saturn entschieden werden, die Sperrminorität wäre dahin. Doch Kellerhals sperrt sich gegen die Konstruktion und sieht sein „Lebenswerk in Gefahr“.  Seither befehden sich die Kontrahenten.

Kein Wunder: Für beide Seiten steht viel auf dem Spiel. Sollte sich Metro nicht durchsetzen, kann Deutschlands größter Handelskonzern die Elektronikkette mit der einst forschen Werbung ("Geiz ist geil"), die pro Jahr rund 20 Milliarden Euro umsetzt, wohl nicht mehr komplett in die Bilanz nehmen - mit Konsequenzen auf die Finanzkennzahlen und das Rating des ohnehin angezählten Handelsriesen. Metro kämpft derzeit um einen Verbleib im Leitindex Dax. Sinkt jetzt der Kurs, könnte dies das Dax-Aus besiegeln.  

Auf die Bilanz-Gefahren weisen nicht nur Analysten hin, sondern auch Metros Gegenpart Kellerhals auf einer eigens eingerichteten privaten Homepage.  Media-Saturn habe sich „von einer Vertrauenskultur“ in „eine Misstrauenskultur verwandelt“, kann man dort lesen. Kellerhals gibt sich kämpferisch: Es würden in Zukunft wohl noch viele Verfahren die Gerichte beschäftigen.

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