Konjunkturflaute: Wer beim Abschwung unter die Räder kommt

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Konjunkturflaute: Wer beim Abschwung unter die Räder kommt

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Fondsmanagerin Isabella de Krassny auf der Praktiker Hauptversammlung in Hamburg: "Ich bin diejenige, die seit sieben Monaten verzweifelt um dieses Unternehmen kämpft.“

Der Großteil der deutschen Unternehmen ist auf die nächste Auftragsflaute gut vorbereitet. Doch manche kranken an veralteten Geschäftsmodellen, Managementfehlern oder zu hohen Refinanzierungskosten. Wer sind die potenziellen Opfer des Abschwungs?

Die Aktionärsschar verstummt, als sich die schlanke Frau in ihrem leuchtend grünen Seidenkleid den Weg zum Rednerpult bahnt. Jetzt steht der Putschversuch der Wiener Fondsmanagerin Isabella de Krassny an. Ein Kristall-Kronleuchter illuminiert die Szene im Hamburger Curio-Haus, in das die Baumarktkette Praktiker am 4. Juli ihre zerstrittenen Aktionäre zur Hauptversammlung geladen hatte. "Ein herzliches Grüß Gott", beginnt de Krassny ihre Tirade, "ich bin diejenige, die seit sieben Monaten verzweifelt um dieses Unternehmen kämpft."

De Krassny, die 15 Prozent der Anteile kontrolliert, will den Rücktritt von Aufsichtsrats- und Vorstandschef. Vor allem aber will sie das Finanzkonzept stoppen, das ein Sanierungsdarlehen mit Zinsen von bis zu 17 Prozent vorsieht. 131 Mal fällt bei der 14-stündigen Sitzung der Begriff Insolvenz. Am Ende stimmt die Großaktionärin der Finanzierung doch zu, die Pleite ist abgewendet – vorerst.

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Der Baumarktkoloss mit 20 000 Beschäftigten leidet seit Jahren unter einer verfehlten Rabattpolitik, Umsatzeinbrüchen in den deutschen Märkten, hohen Schulden. "Die Euro-Krise ist nicht die Ursache des Problems von Praktiker, aber sie verstärkt sie", sagt Martin Sonnenschein, Managing Director Central Europe bei der Beratung A.T. Kearney.

Krise belastet auch die deutsche Konjunktur

Wachsender Pessimismus... Geschäftsklima und Zukunftsaussichten bei deutschen Unternehmen

Geschäftsklima und Zukunftsaussichten bei deutschen Unternehmen (Index 2005=100 )

Die Konjunktur droht zu kippen, erste Krisensymptome sind zu spüren. Zwar steht die Wirtschaft hierzulande viel robuster da als die vieler europäischer Nachbarn. Die Deutschland-Company dürfte dank guter Eigenkapitalquoten, wettbewerbsfähiger Geschäftsmodelle und flexibler Personalkonzepte insgesamt halbwegs heil durch konjunkturelle Unwetter navigieren.

Trüber werden die Aussichten für den schwachen Teil der Wirtschaft aber allemal. Die Euro-Krise belaste die Konjunktur, der Abschwung sei greifbar, so das Münchner ifo Institut. Laut Marktforscher GfK gingen im Juli die Konjunktur- und Einkommenserwartungen der privaten Haushalte zurück. Bei den Chef-Einkäufern internationaler Industriebetriebe steigt die Nervosität. In Deutschland und bei wichtigen Handelspartnern liegt die Stimmung weit unter der Linie von 50 Zählern, was eine verschlechterte Geschäftslage signalisiert (siehe Grafik).

Wackelkandidaten wie Praktiker gibt es reichlich. In der Wirtschaftskrise vor drei Jahren ließ sich das Baumarktunternehmen noch feiern, weil es als erster Handelskonzern Kurzarbeit nutzte, um Entlassungen zu vermeiden. Heute würde das womöglich nicht mehr reichen, wenn der Konsum einbricht. Kraft, um konjunkturbedingte Umsatzrückgänge und noch höhere Verluste wegzustecken, ist kaum da.

Schon häufen sich die Hiobsbotschaften aus den Konzernzentralen. Der Essener Stahlriese ThyssenKrupp lässt seit Anfang des Monats einen Teil seiner Mitarbeiter in Duisburg, Bochum oder Dortmund wegen sinkender Nachfrage kurzarbeiten. Der angeschlagene deutsch-britische Reisekonzern Thomas Cook meldet einen gigantischen Zwischenverlust. Beim Münchner Technologiekonzern Siemens schrumpft der Auftragseingang um fast ein Viertel, und das Chemieunternehmen BASF aus Ludwigshafen verzeichnet in einigen Sparten Umsatzrückgänge.

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