Konzernspitze: Metro-Aufseher erwarten starke Führung

Konzernspitze: Metro-Aufseher erwarten starke Führung

, aktualisiert 01. November 2011, 10:26 Uhr
Bild vergrößern

Der Handelskonzern kommt auf sechs Chefkontrolleure in zehn Jahren.

von Kirsten LudowigQuelle:Handelsblatt Online

Die selbstbewussten Kontrolleure des Handelskonzerns wollen das chaotische Treiben um Posten und Strategien nicht länger dulden. Sie verlangen klare Ansagen von Franz Markus Haniel und eine beherzte Führung.

DüsseldorfVier Jahre bleibt der Aufsichtsratsvorsitzende eines Dax-Konzerns durchschnittlich im Amt. Nicht so bei Metro, Deutschlands größtem Handelskonzern: Dort gaben sich sechs Chefkontrolleure in zehn Jahren die Klinke in die Hand - und wenn Jürgen Kluge morgen sein Mandat offiziell niederlegen wird, ist der Posten schon wieder frei.

Kluge geht nicht ganz freiwillig, auch wenn er das offiziell behauptet. Einige Metro-Aufsichtsräte lasten ihm das Chaos um die Vertragsverlängerung für (Noch-)Vorstandschef Eckhard Cordes an. Und ihr Wort hat Gewicht. Spitzenmanager wie Wulf Bernotat (Ex-Eon-Chef), Jürgen Fitschen (Vorstand Deutsche Bank) Klaus Mangold (Ex-Daimler-Vorstand) oder Bernd Pischetsrieder (ehemaliger BMW- und VW-Chef) haben dem Treiben lange zugesehen. "Intriganten-Stadel" war noch eine freundliche öffentliche Schelte für den Metro-Aufsichtsrat.

Anzeige

So werden einige der Kontrolleure die Sitzung unter Kluges letztmaliger Führung wohl nutzen, um Frust abzulassen und Manöverkritik zu üben. Dazu hatten sie bislang kaum Gelegenheit. Denn Kluge habe trotz zahlreicher Probleme viel zu wenige Sitzungen anberaumt, monieren seine Kritiker.

Auch die neueste Personalspekulation wird morgen ein strittiges Thema sein, obwohl erst auf der Aufsichtsratssitzung zwei Wochen später entschieden wird. Metro-Vorstand Joël Saveuse soll Cordes' Nachfolger werden, heißt es. Anscheinend ist der 58-jährige Franzose aber nur Übergangskandidat, weil er sich eigentlich längst in den Ruhestand verabschieden wollte und sein Vertrag im April 2013 ausläuft. Und: Einige Metro-Kontrolleure auf der Kapitalseite halten Saveuse für den falschen Kandidaten.

Joël Saveuse hat den Ruf eines "Bewahrers", Olaf Koch den eines "Machers" Die Arbeitnehmer-Vertreter im Aufsichtsrat stützen ihn, weil er bei den Mitarbeitern beliebt ist. Angeblich wird er auch von Großaktionär Haniel, dem gut 34 Prozent der Metro gehören, getragen. Ein Haniel-Sprecher versicherte aber, es gebe keine Vorentscheidung.

Ohnehin wird sich Franz Markus Haniel die Kür des neuen Metro-Chefs vorbehalten wollen. Er will sich Mitte November zum Vorsitzenden des 20-köpfigen Metro-Aufsichtsrats wählen lassen. Das Oberhaupt der 650 Gesellschafter der Familie Haniel stand bereits zweieinhalb Jahre an der Spitze des Gremiums, hatte aber 2010 an seinen Holding-Manager Kluge übergeben. Dennoch hatte Haniel einige der selbstbewussten Metro-Aufseher düpiert.


Haniel muss die Aufbruchstimmung nutzen

Seine Einmischung in die Debatte über Cordes' Zukunft vor ein paar Wochen wurde als Eingriff in die gesetzliche Entscheidungsbefugnis des Gremiums gesehen. "Keine gute Governance", heißt es in Kreisen des Aufsichtsrats. Denn Franz Markus Haniel ist seit dem Wechsel mit Kluge nicht einmal mehr einfaches Mitglied im Metro-Rat.

Sobald er Vorsitzender ist, muss Haniel das Vertrauen des hochkarätig besetzten Aufsichtsrats gewinnen. Vor allem aber: Er muss die Aufbruchstimmung nutzen. Von ihm wird Führung erwartet - nicht nur bei der Suche nach einem Nachfolger für Cordes, sondern auch in wichtigen strategischen Fragen.

Schon die Personalie Saveuse könnte jedoch ersten Sprengstoff bergen, denn einige Vertreter auf der Kapitalseite im Aufsichtsrat finden, er sei ungeeignet. Er gilt zwar als ein erfahrener Handelsexperte und hat sich mit der Sanierung der SB-Warenhauskette Real empfohlen. Auch verantwortet er die wichtigen Großhandelsmärkte Cash & Carry in Europa, Nahost und Afrika.

Saveuse hat aber den Ruf des "Bewahrers". Ein Neuanfang mit dem beherzten Angehen all der Probleme, die die Metro momentan plagen, wäre seine Besetzung deshalb nicht.

Auch die Familie Schmidt-Ruthenbeck, die knapp 16 Prozent an der Metro hält, habe, so heißt es in Metro-Kreisen, Bedenken gegenüber Saveuse. Ihr Vertreter im Aufsichtsrat, der zurückhaltende Peter Küpfer, war während der Diskussion über Cordes gleich zweimal öffentlich als dessen Unterstützer aufgetreten. Läuft es auf eine interne Besetzung hinaus, was angesichts des Zeitdrucks - Cordes wird am Donnerstag wohl zum letzten Mal die Quartalszahlen vorlegen - zu vermuten ist, dürfte Schmidt-Ruthenbeck eher Finanzvorstand Olaf Koch favorisieren. Der 41-Jährige, der Cordes nahesteht, ist zwar sehr jung und hat wenig Handelserfahrung, gilt jedoch als "Macher". Er steht klar für die Strategie der Trennung von Real und Kaufhof.

Franz Markus Haniel dürfte sich also gut überlegen, ob er Saveuse den Vorzug geben wird. Schon in Sachen Cordes war es zu Verstimmungen zwischen den Großaktionären Haniel und Schmidt-Ruthenbeck gekommen, die über einen Poolvertrag miteinander verbunden sind. Erst auf Druck Schmidt-Ruthenbecks stellte sich Franz Markus Haniel demonstrativ hinter Cordes. Auch damals spürten die Arbeitnehmer-Vertreter im Aufsichtsrat, die Cordes vor allem den Stellenabbau übelnehmen, die Uneinigkeit. Gleiches galt für die Cordes-Kritiker auf der Kapitalseite. Und sie haben eindrucksvoll bewiesen, dass sie den Großaktionären im Zweifel nicht folgen und ihren eigenen Willen durchsetzen.


Weitere Schwäche in der Führung

Damit es nicht wieder zum Eklat kommt, ist es wichtig, dass Haniel und Schmidt-Ruthenbeck an einem Strang ziehen. Und als Chefkontrolleur muss Franz Markus Haniel den Metro-Aufsichtsrat hinter sich sammeln, er darf nicht wieder zu früh vorpreschen.

Zudem hat das Ganze eine weitere Schwäche in der Metro-Führung entblößt. Obwohl Haniel und Schmidt-Ruthenbeck zusammen mehr als die Hälfte der Metro-Aktien besitzen, besetzen sie im Aufsichtsrat auf der Kapitalseite nur zwei von zehn Posten. Die Familien haben es in der Vergangenheit wohl nie für nötig gehalten, sich die ihnen theoretisch zustehenden fünf Sitze auch zu sichern.

Bis jetzt. An die Spitze des Aufsichtsrats gerückt, könnte Franz Markus Haniel versuchen, die Interessen der Familien besser abzusichern. Regulär ginge das erst im Jahr 2013, wenn sieben der Kontrolleure ihre Plätze vertragsgemäß räumen. Nicht ausgeschlossen wird aber, dass einige Metro-Aufseher so lange nicht warten und vorher hinschmeißen. Dann etwa, wenn Franz Markus Haniel die erwartete Führungsstärke nicht beweist. "Dann könnte es eine kleine Revolution geben", sagt einer von ihnen.

Mitarbeit: Dieter Fockenbrock

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%